Internationales Flair herrscht derzeit in den Ausstellungsräumen des Kulmbacher Kunstvereins in der Oberen Stadtgalerie. Greg Tricker, ein englischer Künstler, der nicht gern in der Öffentlichkeit auftritt, stellt seinen Zyklus um die tragische Geschichte des Kaspar Hauser aus. Seine Bilder, auf unterschiedlichste Untergründe mit unterschiedlichen Techniken gebracht, strahlen eine Stille und Ruhe, aber auch Sehnsucht und Harmonie aus. Der in England sehr bekannte Künstler erfreut sich auch in Deutschland einer immer größer werdenden Fangemeinde, seine ikonisch anmutenden Gemälde kommen gut an.

"Greg Tricker war lange selbst auf der Suche nach seiner Biografie", erklärte Richard Steel, ein aus England stammender Experte für Kaspar Hauser, der bei der Vernissage am Samstagvormittag die Laudatio auf den Künstler hielt. "Tricker zog sich zehn Jahre lang auf eine kleine Insel zurück, wo er für sich malte und arbeitete." Danach sei er für einen Neuanfang bereit gewesen, habe das Christentum neu für sich entdeckt und arbeite dessen Neuerleben in seine Kunstwerke hinein. "Man könnte sagen, Greg Tricker ist der Erfinder einer neuen sakralen Kunst."

Tricker beschäftigt sich in seinen Werken vorwiegend mit Personen der Geschichte, die ein schweres Schicksal erlitten haben. "Besonders fühlt er sich mit Kaspar Hauser verbunden", erklärte Richard Steel, "dem Prinzen von Baden, der am Michaelitag 1812 geboren wurde." Zeitliche Fügung, dass der Vernissagetermin in Kulmbach eben auf diesen Michaelitag fiel und damit Kaspar Hausers Geburtstag gedacht werden konnte. Greg Tricker, so führte Steel weiter aus, habe sich sehr mit der Frage beschäftigt: "Was ist der Mensch, wenn ihm alles genommen wird?" Diese Frage sei in den Bildern von Greg Tricker stark erlebbar.

Zwölf Jahre lang lebte Kaspar Hauser in Finsternis, ohne menschlichen Kontakt. Und ähnlich sieht sich auch Greg Tricker, wie einen Menschen, der aus der Dunkelheit hervorgetreten ist, um neu anzufangen. "Wenn Tricker malt, setzt er eine Linie und lässt sie sich entwickeln, erst ganz spät kommt die Farbe hinzu, die er sparsam, wie etwas Heiliges, einsetzt." Umso mehr würden die Farben in die Herzen der Menschen hinein leuchten.

Der englische Künstler lässt sich in seinen Werken unverkennbar von seinen großen Vorbildern Picasso und Chagall inspirieren, und er ist auf kein Material festgelegt. In England stellt er inzwischen in großen Kathedralen aus. "Es ist ein grandioses Werk eines begnadeten Meisters, das im Herzen tief berührt", lobte Roland Friedrich die Werke von Greg Tricker. Er kennt den Dozenten Richard Steel seit Jahren und hat mit ihm zusammen diese Ausstellung in die Kulmbacher Räumlichkeiten des Kunstvereins geholt.

Die Ausstellung ist bis 18. November zu den Öffnungszeiten der Oberen Stadtgalerie zu besichtigen (Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr).