Drosendorfer flüchtet
in die Mandschurei

Der 28 Jahre alte Sohn des Drosendorfer Bildhauers Friedmann, von jeher ein unruhiges Blut, hatte vor dem Kriege eine kurze Zeit in der Fremdenlegion gedient und war aber bald wieder entlassen worden.
Als der Krieg 1914 ausbrach, meldete er sich freiwillig als Landsturmmann, wurde dann später im Osten bei den Kämpfen um Wilna gefangen und nach Sibirien verschleppt.


Bei einem Bildhauer

Hier gelang es ihm zu entfliehen und nach der Mandschurei zu entkommen, wo er bei einem Bildhauer eine lohnende Beschäftigung fand.

Der alte Meister aus der Mandschurei fand solchen Gefallen an dem Gesellen, dass er ihm seine einzige Tochter als Frau anbot. Ob der Drosendorfer Sprössling das Angebot annahm, ist ungewiss.
(Drosendorf, 1. Februar)

Kältewelle mit
minus 28 Grad

Die anhaltende Kälte macht Mensch und Tier zurzeit schwer zu schaffen. Das Thermometer fällt in der Nacht regelmäßig seit einigen Wochen unter Minus 20 Grad. In der letzten Nacht wurden auf dem Jura sogar minus 28 Grad gemessen. Große Sorge hat man auch, da kaum noch Kohlen und anderes Heizmaterial vorhanden ist. Auch die Soldaten, die in den Schützengräben aushalten müssen, werden sehr bedauert.
Hoffentlich setzt bald Tauwetter ein.
(Forchheim, 3. Februar)
Die Wasserleitungen gefrieren ein

Vom Forchheimer Stadtmagistrat werden wir ersucht, die Einwohnerschaft darauf aufmerksam zu machen, dass bei der eingetretenen strengen Kälte die Wasserleitungen in den Häusern mit besonderer Aufmerksamkeit zu behandeln und auch rechtzeitig abzustellen sind, um Rohrbrüche zu verhindern, zumal kein Material für Reparaturen vorhanden ist.
(Forchheim, 5. Februar)

Wäsche aus dem Hof gestohlen

Der Polizeibericht meldet: Dass in der Nacht zum 14. Februar einem jungen Ehepaar aus Forchheim die Wäsche, die zum Trocknen im Hofe hing, restlos gestohlen wurde. Personen, die hier Wahrnehmungen gemacht haben, mögen sich bei der Polizei melden.
(Forchheim, 17. Februar, Straßenpolizei)
Belästigung der Kinder durch das Kreiselspiel

Aus Anlass der Klagen der Bevölkerung von Forchheim über die Belästigung der Kinder durch das Kreiselspiel auf den Straßen und Gehsteigen und Beschädigungen der Fenster der Häuser durch das Eintreiben der Kreisel wird hiermit darauf aufmerksam gemacht, dass solche Belästigungen öffentlichen Verkehrs verboten sind. Die Eltern haften für ihre Kinder.
(Strecker, Königlicher Hofrat, Forchheim, 19. Februar)

Guter Fang
in der Wiesent

Herr Schatz aus Ebermannstadt hat Gestern in seinem Fischwasser an der Wiesent einen Hecht von 60 cm an Land gezogen. Das Gewicht war 20 Pfund.
(Ebermannstadt, 20. Februar)

Kommandanturpfarrer
in Rumänien

Ernannt wurde zum Kommandanturpfarrer in Rumänien Herr Feldgeistlicher Johann Dück aus Forchheim.
(Forchheim, 22. Februar)
Dreijähriger Bub
ertrinkt im Kanal

Gestern gegen 12:00 Uhr begab sich das dreijährige Söhnchen des im Felde stehenden Schlossers Bußler aus Forchheim auf das brüchige Eis des Main-Donau-Kanals und ertrank. Der Schmerz der Mutter ist ein großer.
(Forchheim, 26. Februar)
Pensionsgesuch
des Bürgermeisters

Das Gemeindekollegium von Forchheim beschloss in seiner gestrigen Sitzung, das Pensionsgesuch des Herrn rechtkundigen Bürgermeisters Hofrat Strecker zu bewilligen und die sich hierdurch erledigte Stelle zur Bewerbung auszuschreiben. Gleichzeitig sprach das Kollegium unter der ausdrücklichen Anerkennung der großen Verdienste, die sich Hofrat Strecker in mehr als 30-jährigen erfolgreichen Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt und als Mitglied des Landrats um die Stadt Forchheim erworben, sein Aufrichtiges Bedauern darüber aus, das Herr Hofrat den Beschluss aus gesundheitlichen Gründen gefasst hat, aus seinem Amt zu scheiden.
(Forchheim, 27. Februar)
Der Storch als Frühlingsbote

Seit Gestern bezog auf dem Dache des Bezirksamtsgebäudes in Forchheim der Storch wieder sein altes Nest. (Forchheim, 28. Februar)


Textzusammenstellung:
Rainer Kestler Stadtarchiv Forchheim