Glocken läuten nach Einnahme von Warschau

Kurz nach 2:00 Uhr verbreitete sich die Kunde von der Einnahme Warschaus in Forchheim, welche sich in reichsten Flaggenschmuck warf. Auf den Straßen versammelten sich froh erregte Menschen, welche freudig den Sieg des Sprossen aus Bayerns Königshaus, des Prinzen Leopold von Bayern, und der ihm unterstellten tapferen Armee besprachen. Glockengeläute und Böllerschüsse verkündeten den glorreichen Sieg im Osten. Die Jugend des Landwehrsturms veranstaltete einen Fackelzug durch die Stadt und Zugführer Bornemann sprach in markanten Worten vom großen Sieg des Vaterlandes.
(Forchheim, 6. August)
1043 Mark Kaiserspende aus Forchheim

Die in Forchheim vorgenommene Sammlung für die "Kaiser spende" Deutscher Frauen hat die Summe 1043 Mark ergeben. Dieses verhältnismäßig günstige Ergebnis ist in erster Linie den mit der Sammlung beauftragten jungen Leuten des Landsturms zu verdanken. Herzlichen Dank auch jenen, die durch Sachspenden ihr Interesse für die Zwecke des Opfertages bekundet haben.
(Das Sammelkomitee: Strecker, Königlicher Hofrat Forchheim, 7. August)
Kriegszustand: Das Fahren von Schiffen

Auf Grund des Gesetzes über den Kriegszustand wird das Durchfahren von Brücken mit Schiffen auf Flüssen und Kanälen während der Nacht eine Stunde vor Sonnenuntergang und eine Stunde nach Sonnenuntergang verboten. Zuwiderhandlungen werden mit zwei Jahren Gefängnis bestraft.
(Das Stellvertretende Generalkommando: Pflügl, Forchheim, 8. August)
Zwölfjähriger von
Baum erdrückt

Gestern wurde beim Baumaufladen im Kellerwald von Forchheim infolge Reißens einer Kette der 12-jährige Sohn des Bauern Michael Karg erfasst und erdrückt. Er war sofort eine Leiche. Die trostlosen Eltern, deren einziger Sohn er war, werden allgemein bedauert.
(Forchheim,10. August)
Konzert auf dem Nederskeller

Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Gesangverein Eintracht aus Forchheim unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle auf dem Nederskeller ein Konzert, dessen Reinertrag für die Hinterbliebenen unserer tapferen Krieger bestimmt war. Dasselbe nahm einen sehr guten Verlauf. Das ungünstige Wetter konnte die gute Stimmung nicht beeinflussen. Frisch klangen die Männerchöre und schneidig spielte die Kapelle.
Großer Beifall wurde den Vorträgen gezollt und so konnte den Hinterbliebenen 100 Mark übergeben werden. Den Veranstaltern und Besuchern ein herzlicher Dank.
(Forchheim, 10. August)
Förster Keppeler
zu Grabe getragen

Gestern nachmittags wurde der allzu früh verschiedene Stadtförster Herr Wilhelm Keppeler zu Grabe getragen. Von seiner Beliebtheit zeugte die große Anteilnahme und Beteiligung der Trauergäste aus Nah und Fern. Zahlreiche Kranzspenden und ehrenden Nachrufe waren dem Verlebten gewidmet.
Der teure Entschlafene ruhe in Frieden!
(Forchheim, 11. August)

Pautzfelder bei Reiterkämpfen gefallen

Den Heldentod fürs Vaterland starb in den heißen Reiterkämpfen vor Warschau am 20. Juli der Bauernsohn Hermann Rippel von Pautzfeld. Er war der jüngste unter den drei im Felde stehenden Brüdern. Voll Begeisterung und Kampfesmut zog er aus und seine Vorgesetzten gaben ihm das Zeugnis eines äußerst tüchtigen und schneidigen Soldaten, der vor keiner Gefahr und keinen Strapazen zurückschreckte. In seinen Briefen an die Lieben in der Heimat suchte er stets ihre Sorge um ihn klein zu halten und hoffte mit großer Zuversicht und Gottvertrauen auf eine glückliche Heimkehr. Das Schicksal hat es anders gewollt. Seinen lieben Eltern und Geschwistern wird allerseits aufrichtige Anteilnahme entgegengebracht.
(Pautzfeld, 12. August)
Für Tapferkeit ausgezeichnet

Der Gefreite der Reserve Joseph Bauer aus Buckenhofen wurde beim 9. bayerischen Infanterieregiment wegen Tapferkeit und Aushalten gegenüber dem Feinde mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Seine Brust schmückt schon das Eiserne Kreuz. Herzlichen Glückwunsch!
(Buckenhofen, 16. August)
Blitz äschert Scheune
in Lützelsdorf ein

Durch Blitzschlag wurde die vollgefüllte Scheune des im Felde gefallenen Landwirts Kohlmann in Lützelsdorf eingeäschert. Alles Heu und Getreide verbrannte restlos.
(Lützelsdorf, 17. August)
Flaggenschmuck nach Fall einer Festung

Der Fall der Festung Nowo-Georgiewsk am östlichen Kriegsschauplatz wurde Gestern Früh bekannt. Viele Häuser in Forchheim prangten im Flaggenschmuck, möchten aber bei solch bedeutenden Siegen unserer Krieger sämtliche Hausbesitzer dies auch wahrnehmen. Unsere Truppen verdienen diese Ehrung!
(Forchheim, 20. August)
Bierpreiserhöhung
um 2 Pfennige

Auf die gestrige Veröffentlichung der Versammlungsbeschlüsse der Forchheimer Gastwirtsinnung erklären wir Unterzeichneten, dass wir gezwungen sind, an dem Ausschankpreis des Bieres von 28 Pfennig festzuhalten. Es ist für das Malz das 3-fache zu bezahlen, auch die Betriebsmittel wie Kohlen, Brauereiartikel, Arbeitslöhne sind erheblich teurer geworden. Eine weitere Schwierigkeit bietet uns die 60 % Einschränkung unserer Produktion durch die Regierung, das immer noch bestehende Mälzungsverbot und die Versorgung des Heeres mit den nötigen Biermengen. Was den Stammwürzegehalt unseres Bieres betrifft, so entspricht er dem dafür geforderten Preis. Zum Schlusse verwahren wir uns gegen den Vorwurf, dass der eine oder andere von uns Forchheimer Wirten das Bier zum alten Preis belassen will, daher ist eine Erhöhung des Bierpreises je Liter um 2 Pfennig gerechtfertigt.
(Die Forchheimer Gastwirte. Forchheim, 25. August)



Textzusammenstellung: Rainer Kestler Stadtarchiv Forchheim