von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Ebern — Für Ute Engel ist die Sache klar. "Es war eine Panne", sagt sie. Die Heimleiterin des Seniorenzentrums St. Elisabeth hätte nicht gedacht, dass ein defekter Aufzug zwar nicht die Bundespolizei, aber immerhin den Fränkischen Tag auf den Plan ruft.
Was die Sache ungewöhnlich macht: Der (einzige) Aufzug in dem Seniorenheim war drei Tage lang defekt. Und einige Heimbewohner, die im Rollstuhl sitzen und in den oberen Etagen wohnen, saßen in gewissem Sinne fest. Das Problem: Als der Aufzug am vergangenen Freitag kaputt ging, wurde zwar sofort die zuständige Firma beauftragt, den Fehler zu beheben, wie Engel erklärt. Jedoch hatten die Mechaniker das nötige Ersatzteil nicht auf Lager, weswegen sich die Reparatur bis zum gestrigen Montag hinauszögerte.

Pflegekräfte mussten improvisieren

"Das ist bedauerlich und tut uns auch leid. Aber man muss bitte auch die Kirche im Dorf lassen", sagt sie. Für die Bewohner seien die Folgen keineswegs untragbar gewesen. Vielmehr improvisierten die Pflegekräfte, um den Aufzug-Ausfall zu kompensieren: "Wir haben den Gottesdienst im Wohnbereich veranstaltet", sagt die Pflegedienstleiterin Karina Scholz, die am Wochenende Dienst hatte.
Das Essen sei auf die Zimmer gebracht worden und man habe sich auf der jeweiligen Etage um die Bewohner gekümmert. "Eingesperrt", wie es gerüchteweise über die Aufzug-Panne hieß, habe sich jedenfalls keiner vorkommen müssen. 13 Bewohner waren laut Engel betroffen, die ihre Mahlzeit gerne im Speisesaal im Erdgeschoss zu sich genommen hätten, ausnahmsweise jedoch darauf verzichten mussten. Freilich: Das bedeutet für das Personal mehr Arbeitsaufwand, so mussten Pflegekräfte und Küchenmitarbeiter Überstunden machen. Deswegen sind Engel und Scholz auch froh, dass der Aufzug wieder funktioniert.

"Untragbare Zustände"

Werner Ratke, dessen 90-jährige Mutter in dem Seniorenzentrum wohnt, sieht den Vorfall jedoch deutlich problematischer: "Ich bin der Meinung, das geht so nicht. Ein Plan B existiert nicht." Dass drei Tage lang ein Aufzug nicht repariert werden kann, hält er für untragbar. "Da geht's um Menschen, nicht um Material." Seine Mutter, die mit Unterstützung noch halbwegs gut gehen kann, konnte er nach unten begleiten. Andere Bewohner jedoch hätten das Wochenende im Haus verbringen müssen, obwohl sie gerne nach draußen wollten. "Für mich untragbare Zustände", wettert der Eberner. Ute Engel versucht zu beruhigen: Niemand freue sich über so eine Panne. Aber in diesem Fall habe keine andere Möglichkeit bestanden, als zu warten, bis der Reparaturservice das Ersatzteil beschafft. "Zaubern können wir leider nicht." Und Gefahr habe für keinen Bewohner bestanden: Im Brandfall etwa dürfte der Aufzug sowieso nicht benutzt werden. Dann würden die Bewohner über die vorgesehenen Fluchtwege wie zum Beispiel die Treppe evakuiert.