Wir befinden uns im Lutherjahr, Anlass für den Kulmbacher Schauhaufen, ein Theaterstück zu bringen - das nicht von Luther handelt. Dennoch spielt Martin Luther in dem Stück "Die Wahrheitssucher" eine große Rolle, gründet die Geschichte doch auf dessen berühmten Tischreden. Dem ehemaligen Dekan Jürgen Zinck ist es zu verdanken, dass diese Inszenierung zur Aufführung gekommen ist, denn er motivierte den Theatermacher Rüdiger Baumann dazu, die Gedanken Luthers in die Form eines Theaterstücks zu bringen. "Rüdiger Baumann hat die Thematik so klasse aufgegriffen, schon allein der Titel sagt alles über das Stück aus." Denn genau darum sei es in der Reformation gegangen, um die Suche nach der Wahrheit. Jürgen Zinck ist selbst mit von der Partie, und er hat "großen Spaß, in diesem ökumenischen Stück einmal einen frechen, katholischen Priester zu spielen."


Woran soll man glauben?

Doch worum geht es denn dann bei den Wahrheitssuchern? Die jugendliche Valerie steht vor einer großen Entscheidung: In welche Richtung soll sie ihr persönliches Floß steuern, das sie über das große Meer in die Zukunft trägt? Die Vorstellungen der Erwachsenen helfen ihr nicht viel weiter, zu verwirrend sind die Ratschläge, und einen eigenen Willen hat sie ja schließlich auch. Was ist wichtig im Leben? Woran soll sie glauben? Wenn es einen Gott gibt, weshalb lässt er dann solches Leid zu? Was, wenn das Floß sich plötzlich nicht mehr steuern lässt? Selbst eine Führung durch den Garten Eden bringt für sie kein Licht ins Dunkel. Sie ist verzweifelt und tritt auf der Stelle, bis sie ihr Herz öffnet und die Botschaften aus ihrem Umfeld ganz anders wahrnimmt und zulässt.
Rüdiger Baumann ist ein philosophisches Theaterstück gelungen, das voller Metaphern und Bilder steckt. Dabei wirkt es keinesfalls belehrend oder tadelnd, sondern vielmehr motivierend, nach vorn zu blicken und seinen eigenen Weg zu suchen. "Für mich gibt es keine einzige Wahrheit", sagte der Schauspieler und Regisseur, "Wahrheit ist doch auch jeden Tag etwas anderes, sie verändert sich." Lange hat er für "die Wahrheitssucher" recherchiert, viele Bücher gelesen, darunter auch die Tischreden von Martin Luther, aus denen immer wieder auf der Bühne zitiert wird. Gottes Existenz wird in dem Stück hinterfragt und bestätigt zugleich, denn "diese Fragen nach dem Glauben bewegen die Menschen und sind wichtig."
Die Wahrheitssucher feierten am Montagabend unter freiem Himmel im Burggut ihre Premiere, und das Wetter hielt - nicht vielleicht zuletzt deswegen, weil, wie Rüdiger Baumann in seiner Begrüßung sagte: "in unserem Stück drei Priester mitspielen, da wird es heute nicht mehr regnen." Und Recht hatte er, die zahlreich erschienenen Zuschauer konnten einen kurzweiligen und zugleich nachdenklich stimmenden Abend genießen.
Eine weitere Aufführung der "Wahrheitssucher" wird es am 24. Juli um 20 Uhr ebenfalls im Burggut geben, Karten unter www.das-baumann.de oder unter 09221-93393.