Carolin Herrmann "Die Chinesen sind keine Rüpel", schreibt der Journalist und Autor Stefan Schomann einleitend zu seinem unterhaltsamen Reisebericht "Lesereise China. Streifzüge durch ein Weltreich". Sie sind nur "flink, energisch und eben ganz außerordentlich zahlreich." So, mit pointierter Präzision und vor allem mit viel Witz und Süffisanz - bei selbstverständlich großer Sympathie für Land und Leute - versetzt er den Leser schon auf der ersten Seite in das Gedränge und Wimmeln, das die Lebensgrundlagen Chinas zu bestimmen scheint. Wenn man eine Lücke zum Durchkommen sieht, ist es bereits zu spät. "Der Lücke zuvorzukommen, darin besteht die Kunst", lehrt Schomann, der am Dienstag, 5. Februar, um 19 Uhr auf Einladung der Buchhandlung Riemann in Coburg liest. Riemann, immer auf sinnfällige Präsentationen und Kooperation bedacht, hat diese Lesung bewusst ins Naturkundemuseum verlegt. Dort ist nämlich noch bis 31. März die Ausstellung "Chinas Rot - Ein Land zwischen Tradition und Moderne" zu sehen.

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Im Westbahnhof Pekings "schlägt das Herz des ganzen Reiches". Da kommen wir an und von hier aus geht es mit Hilfe eines dieser herkömmlichen Akrobaten auf Rädern, den wie bewusstlos, aber ungeheuer geschickt durch das Verkehrschaos lavierenden Taxifahrern, in eine der immer seltener werdenden, weil von Hochhäusern verdrängten Wohnhöfe des alten Peking.

Dort stellt der Herr Liu, die Fluppe im Mundwinkel, fest: "Der Mond ist auch wieder da!" War er nämlich über Jahrzehnte dichten Dauersmogs nicht mehr. Wobei das mit dem Klima in Peking auch so eine Sache ist.

Stefan Schomann, 1962 in München geboren, hat Germanistik studiert und ist seit 1988 freier Autor und Journalist. Er schreibt unter anderem für die GEO-Familie, den Stern, Die Zeit und die Frankfurter Rundschau. Gelegentlich entwickelt er auch Dokumentarfilme. Er lebt in Berlin und Peking.

2008 erschien sein Buch "Letzte Zuflucht Schanghai", 2010 als Folgeprojekt der Ausstellungsband "Jenseits von Schanghai". 2013 kam bei der DVA "Im Zeichen der Menschlichkeit" heraus. Es erzählt die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes, das wie kaum eine andere Institution die Geschicke der Nation in Krieg und Frieden begleitet hat.

Sein neues Buch nennt Schomann eine Zwischenbilanz seiner fast zwanzigjährigen Beschäftigung mit China. Dabei erzählt er warmherzig, in aller Kürze des Essayisten und trotzdem weit blickend, von einer epischen Fahrt auf dem Jangtsekiang, vom Wintersport in Chinesisch-Sibirien, von der chinesischen Tradition der Geschichtenerzähler, von heiligen Pferden und singendem Sand in der Mongolei und von der Suche nach dem "wahren China". - Karten bei Riemann und im Naturkundemuseum (Vorverkauf 8 Euro, Abendkasse 12 Euro. Stefan Schomann: Lesereise China. Streifzüge durch ein Weltreich. Picus Verlag Wien, 131 Seiten, 15 Euro