Bamberg — Dem in Bamberg einst verbreiteten Gerberhandwerk kann man am Denkmaltag im Stadtteil Sand nachspüren.
Leder gehört seit Jahrhunderten zu den multifunktionalen Materialien für Schuhe, Kleidung, Taschen, Koffer, aber auch Sättel und Riemen. Der komplexe Ablauf eines Gerbvorganges benötigt verschiedene Einrichtungen, nach denen sich die charakteristischen Merkmale eines typischen Gerberhauses herausbildeten. Gerberwerkstätten befanden sich an Standorten außerhalb des Zentrums, mit einem direkten Zugang zu einem Wasserlauf und einer guten Anbindung zur Straße.
Bekannte Standorte in Bamberg waren Kleberstraße und Zinkenwörth. Gerbereien gab es jedoch auch in der Oberen Sandstraße 16 und Unteren Sandstraße 2. Auf die konstruktiven Merkmale eines Gerberhauses, die sich heute zum Teil noch an der Architektur ablesen lassen, machen am 13. September Mitglieder der Interessengemeinschaft "InteresSand" bei Führungen aufmerksam.
Das Haus Rotenschild (Oberen Sandstraße 16) wird am Denkmaltag von 11 bis 17 Uhr geöffnet sein. Dort werden unter anderem Filme zum Thema Gerben präsentiert.
Lore Kleemann zeigt Interessierten zudem im Rahmen einer Führung die baulichen Relikte des Gerberhandwerks im Sand. Rundgänge starten um 11, 14 und 16 Uhr jeweils an der Kirche St. Elisabeth, Obere Sandstraße 42.
Vor der Kirche präsentiert die Buchbinderin Regine Ullein verschiedene Ledersorten und das Team von "Agil" bietet Kindern die Möglichkeit, selbst mit Leder zu arbeiten. Handwerkskunst und Kinderprogramm am Elisabethenplatz gibt es ebenfalls zwischen 11 und 17 Uhr.


Führung durchs Mühlenviertel

Wer sich für die Nutzung der Wasserkraft in Mühlen und deren Verwandlung zu Fabriken interessiert, sollte sich am Denkmaltag Professor Wilfried Krings vom Historischen Verein anschließen. Er führt "auf den Spuren verschiedenartiger Wasserkraftnutzungen an der Regnitz". Die etwa 90-minütigen Rundgänge beginnen um 9.30 Uhr und um 16.30 Uhr. Treffpunkt für Interessierte ist am westlichen Ende der Ottostraße auf Höhe Hainschule.
Ein Beispiel für den Wandel, den Bamberger Mühlen erlebt haben, ist die so genannte Walkspundmühle nahe der historischen Schleuse 100. Es handelt sich um einen zweigeschossigen freistehenden Bau am so genannten Walkspund des linken Regnitzarmes. Die Grundsteinlegung erfolgte am 31. August 1780 in Anwesenheit des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal. Im Jahre 1885 lieferte die Regnitz dort die Energie für das erste Elektrizitätswerk in Bamberg, errichtet durch den Schuhfabrikanten Heinrich Manz. 1958 endete die Ära der Stromerzeugung. Seit 1982 dient das Haus privaten Wohnzwecken. jb