Einer großen Herausforderung sah sich die Stadt Rödental im vergangenen Jahr in der Kinderbetreuung gegenüber. Stabile Geburtenzahlen und die Tatsache, dass immer mehr Eltern ihre Kinder im Krippenalter (bis drei Jahren) in eine sehr gute Betreuung geben wollen, führten dazu, dass ein Engpass an Betreuungsplätzen drohte.

Die Stadt zauderte nicht, sondern handelte. Der Stadtrat beschloss, zwei neue Gruppenräume mit den entsprechenden Sozialräumen in Rödental zu schaffen. Als Standort kam für die Stadt schnell die Lienhard-Fuchs-Kindertagesstätte infrage.

Dass die Wahl auf die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) fiel, war nach den Worten von Bürgermeister Marco Steiner auch darin begründet, dass das Terrain genug Bewegungsraum für die Kinder der dann siebengruppigen Tagesstätte bietet. "Bei der Awo sind wir mit unserem Vorhaben auf offene Ohren gestoßen", attestierte Steiner dem Träger der Einrichtung.

Ein wichtiges Ziel war es für die Stadt, die neuen Räume so zu gestalten, dass diese nicht nur von Krippenkindern, sondern bei einem veränderten Bedarf auch von Mädchen und Jungen ab einem Alter von drei Jahren genutzt werden können.

Der Spatenstich für das ambitionierte Vorhaben fand im Oktober des vergangenen Jahres statt. Jetzt, 15 Monate später, wurde das Projekt vollendet.

Ein Blick in die neuen Räume zeigt, dass der Stadt ein großer Wurf gelungen ist. Helle Räume warten darauf, ab Januar für die Jüngsten ein zweites Zuhause zu sein, in dem sich die neuen Bewohner richtig wohlfühlen können. Bunte Farbtupfer am Boden verleihen der Einrichtung ein besonderes Flair. Ein Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung wurde installiert, das es ermöglicht, die Gruppenräume mit erwärmter Frischluft zu versorgen.

Die gelungene Erweiterung der Kindertagesstätte hätte eine große Eröffnungsfeier verdient. Aber wegen Corona fiel die Einweihung schmal aus.

Bürgermeister Marco Steiner (FW) erinnerte daran, dass schon bei den Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2016 Pläne erstellt wurden, die Tagesstätte eventuell um eine Gruppe ausdehnen zu können. Als es so weit war, über eine Erweiterung ernsthaft nachzudenken, stellte sich heraus, dass die Überlegungen von damals schön und gut waren, aber am Bedarf vorbeiführten. "Wir haben uns entschlossen, etwas Vernünftiges zu machen", unterstrich Marco Steiner.

Die Kostenseite

Das grundlegende Ziel, die neuen Räume so zu integrieren, dass bei Bedarf auch längere Öffnungszeiten angeboten werden können, wurde erreicht. Die Investitionskosten bezifferte Bürgermeister Steiner auf etwa 1,3 Millionen Euro. Er zeigte sich froh, dass man während der Baumaßnahme keine "böse Überraschung" durch Kostensteigerung erlebt habe. "Die Mehrkosten halten sich im Rahmen", betonte er.

Für ihn ist es der richtige Weg, dass die Stadt Eigentümerin der Kindertagesstätten ist und die Verantwortung in diesem Bereich nicht auf die Träger der Einrichtungen abwälzt.

Der Regierungsvizepräsident Thomas Engel erinnerte daran, dass die Reformpädagogin Maria Montessoris (1870 bis 1952) gefordert hat, die Kinder nicht an die Umgebung, sondern die Umgebung an die Kinder anzupassen. "Das ist der Stadt vorbildlich gelungen", attestierte Engel.

Geborgenheit

Der Vizepräsident weiter: "Kinder brauchen einerseits Geborgenheit, auf der anderen Seite aber auch die notwendige Freiheit, um sich entwickeln zu können. Beides finden sie in dem erweiterten Gebäudekomplex." Für ihn ist es bemerkenswert, dass die Einrichtung über einen Kreativraum, einen Konstruktionsraum und ein Forscherlabor verfügt. "Dem Taten- und Entdeckungsdrang der Kinder sind hier keine Grenzen gesetzt", so Thomas Engel.

Bürgermeister Steiner machte keinen Hehl daraus, dass das Projekt ohne staatliche Unterstützung nicht zu stemmen gewesen wäre. Nach Darlegung von Thomas Engel wird die Baumaßnahme bei zunächst kalkulierten 1,2 Millionen Euro mit insgesamt 985 000 Euro gefördert.

In der Bürgermeister-Ferdinand-Fischer-Straße können jetzt 129 Mädchen und Jungen im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt sowie 30 Hortkinder von einem Team von 26 pädagogischen Fachkräften betreut werden.

In dem Waldtreff, wie die neue Krippe heißt, wird nach Worten der Leiterin der Kindertagesstätte, Marion Hermannsdörfer, das Konzept der bedarfsorientierten Öffnung umgesetzt. "Es gibt damit keine festen Gruppen mehr", erklärte die Pädagogin.