Hinsichtlich des neu aufgenommenen Tagesordnungspunkts "Neues Bestattungswesen im örtlichen Friedhof" diskutierten die Gemeinderäte über das Für und Wider. Bei einer Informationsfahrt hatten die Räte in der Gemeinde Mömbritz das dort eingeführte Grabkammersystem besichtigt.
Der Auslöser für die Suche nach alternativen Bestattungsformen war die mangelhafte Entwässerung des örtlichen Friedhofs. Alte, vielfach belegte Friedhöfe stoßen heute oft an ihre Grenzen. Die Bodenqualität lässt nach, Platzmangel und Umweltbelastung erschweren Neuanlagen.


Hohe Luftfeuchtigkeit

Gemeinderat Armin Fuchs (UWK) führte aus, dass 65 Prozent aller Bestattungen heute schon Urnenbestattungen sind. "Der Trend geht zu pflegefreien Gräbern", sagte er.
Um Erdbestattungen mit geringerer Umweltbelastung durchzuführen, gibt es seit 15 Jahren Grabkammern. Die Besonderheit dabei ist das Be- und Entlüftungssystem im Pflanzbereich des Grabes. Die Tiefgräber haben am Boden ein Kiesbett mit Drainage, das eine Doppelbelegung zulässt. Ebenso sind Flachgräber mit Einzelbelegung möglich.
Eine weitere Besonderheit bei diesen Grabkammern liegt in der speziell konstruierten Abdeckung die einen kontrollierten Zutritt von Oberflächen- und Regenwasser in den Kammerbereich zulässt, erläuterte Fuchs. Dadurch entstehe eine hohe Luftfeuchtigkeit, die für den Verwesungsprozess und die Sargholzzersetzung von entscheidender Bedeutung sei. Durch die Verlegung von Drainagen werde zudem Stauwasser vermieden. Das Grundwasser selbst bleibe unbelastet, das Drainagewasser könne dem Oberflächenwasser zugeführt werden. Die Ruhefrist werde auf diese verkürzt und die Grabnutzungszeit variabel. Ein weiterer Vorteil bei diesem Bestattungssystem ist laut Fuchs der geringere Flächenverbrauch gegenüber herkömmlichen Erdbestattungen.


Alte Gräber bleiben bestehen

Bürgermeisterin Werner schlug vor, in der Nähe der Aussegnungshalle einen Platz für Urnenbestattungen unter dem Baum anzulegen. "Die bestehenden Gräber bleiben weiter bestehen und können weiterbenutzt werden", betonte Werner. Die Räte kamen abschließend zu dem Ergebnis, den Friedhofsplaner Thomas Struchholz einzuladen. Er soll dann die Bürger ausführlich über dieses Thema informieren.
Carmen Wartenfelser. die Vorsitzende des Kleinsendelbacher Rechnungsprüfungsausschusses, schlug vor, die überplanmäßigen Ausgaben im Jahr 2014 zu genehmigen. Einstimmig folgte der Gemeinderat ihrem Vorschlag. Es ging um die Anschaffung einer Geschwindigkeitsmesstafel, die Bürgermeisterin Gertrud Werner (UWK) zum Preis von 2794 Euro ohne vorherigen Ratsbeschluss angeschafft hatte. Der Verfügungsrahmen der Bürgermeisterin beträgt allerdings 3000 Euro, weshalb die Zustimmung des Gemeinderats nicht erforderlich ist.
Beanstandet wurde vom Rechnungsprüfungsausschuss die fehlende Neukalkulation der Friedhofsgebühren. Diese sind nicht kostendeckend. Bürgermeisterin Werner verwies auf die angespannte Personalsituation in der Verwaltung. Nicht der
Personalschlüssel sei das Problem, sondern geeignetes Personal zu finden. "Die Verwaltung ist für drei Gemeinden zuständig und arbeitet am Anschlag", sagte Werner. Die Kanal- und Straßensanierung sei wichtiger als der Friedhof, wetterte die Bürgermeisterin im Gemeinderat weiter.


Frage der Eignung

Ebenfalls einstimmig stimmten die Räte nach kontrovers geführter Diskussion der Feststellung der Jahresrechnung 2015 zu.
Die Kostenmehrung bei der Ertüchtigung des Brandschutzes im Kinderhaus "Schatzinsel" beschäftigte die Gemeinderäte ebenfalls. Wie Bürgermeisterin Werner erläuterte, ist die angebotene Brandmeldeanlage der Firma Elektro Hass nur für 24 Funkrauchmelder ausgelegt. Benötigt werden aber 60 Stück. Warum dies das beauftragte Planungsbüro Popp nicht festgestellt hat, fragten die Räte. Für Gemeinderätin Hildegund Fischer (Dgem) stellte sich die Frage, ob das Planungsbüro überhaupt für Brandschutzsanierung zertifiziert ist. "Wir haben zwischenzeitlich so viele Prüfsiegel und Vorschriften, dass nicht mehr sicher ist, ob man nicht doch alles verkehrt macht" stellte Zweiter Bürgermeister Josef Elsinger (UWK) konsterniert in den Raum.
Beim Gewerk "Innentüren und Innenrollos" wurde schlichtweg der Quetschschutz für die Kinder nicht berücksichtigt. Hier sind ebenfalls Kostensteigerungen zu verzeichnen. Mehrheitlich stimmten die Räte zu, eine vernetzte Brandmeldeanlage, sechs Druckknopfmelder und 60 Funkrauchmelder sowie entsprechend die Innentüren und einem Sonnenschutzrollo mit Fingerschutz zu beauftragen.