Das Baugewerbe brummt. Die Konjunkturzeiten sind gut, das Zinsniveau niedrig und "Betongold" für viele eine Verheißung. So zeigen auch die aktuellen Umsatz- und Beschäftigtenzahlen des Bauhauptgewerbes nach oben. Für ganz Bayern weist die Statistik einen Gesamtumsatz für 2015 von 20,6 Milliarden Euro aus (2014: 20,5 Milliarden). Der Umsatz im Stichtagsmonat Juni 2016 lag bei 2,1 Milliarden (Juni 2015: 1,8 Milliarden). Die einzelnen kreisfreien Städte und Landkreise zeigen allerdings unterschiedliche Entwicklungen.
Wie sieht es im Kreis Kulmbach aus? Hier lautet die Bilanz: Weniger Beschäftigte, höhere Umsätze. Die 95 Betriebe meldeten zum Stichtag Ende Juni 2016 insgesamt 963 Arbeitsplätze. Der Jahresumsatz belief sich auf 107,406 Millionen Euro.
Die Branche blickt alljährlich mit Spannung auf die veröffentlichten Zahlen des Stichtags 30. Juni, an dem die Betriebe und Beschäftigten im Bauhauptgewerbe gezählt werden. Zum Bauhauptgewerbe gehören der Hoch- und Tiefbau sowie Firmen für "vorbereitende Baustellenarbeiten", die beispielsweise Altbauten abbrechen und für die Baustellenentwässerung sorgen. Die Statistik zeigt die Entwicklungen in der Branche.
Vergleichswerte liefern dabei sowohl der aktuelle Juni-Wert als auch das Vorjahr, denn erfasst wird neben dem aktuellen Juni-Umsatz auch jener des gesamten Vorjahres. Daraus ergibt sich für die Baubetriebe im Kreis Kulmbach folgendes Bild: Der Juni-Umsatz 2016 sank gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf rund 11,275 Millionen Euro (Vorjahr: 11,562 Millionen Euro). Bayernweit lag der erzielte Juni-Umsatz 2016 mit seinen 2,1 Milliarden rund 220 Millionen Euro über dem Vorjahreswert (plus 12 Prozent).
Den größten Anteil am baugewerblichen Juni-Umsatz in Bayern hatte erneut der Wohnungsbau mit 810,5 Millionen Euro (plus 16,2 Prozent gegenüber Juni 2015), gefolgt vom gewerblichen Hochbau mit 466,5 Millionen Euro (plus 11,4 Prozent). Eine Umsatzsteigerung verzeichnete zum Stichtag auch der Straßenbau, wogegen der Tiefbau leicht rückläufig war. Zusammen mit dem öffentlichen Hochbau reichte es damit unterm Strich für ein kräftiges bayernweites Umsatzplus. Auf den Bereich Straßenbau entfiel ein baugewerblicher Umsatz in Höhe von 230,6 Millionen Euro (plus 7,6 Prozent), auf den gewerblichen Tiefbau 181,4 Millionen (minus 2,9 Prozent).
Mit Blick auf die vollständigen Kalenderjahre entwickelten sich die Gesamtumsätze der hiesigen Baufirmen so: Im Jahr 2012 machten die Firmen im Kreis Kulmbach Umsätze in Höhe von rund 106,156 Millionen Euro. Ein Jahr später schrumpfte die Summe auf 95,083 Millionen Euro. Im Jahr 2014 meldeten die Firmen einen Umsatz von 107,026 Millionen Euro und bis Ende 2015 kletterte die Umsatzsumme nun auf 107,406 Millionen Euro. Das waren übrigens 0,5 Prozent des in Bayern erwirtschafteten Gesamtumsatzes von 20,6 Milliarden Euro, der um 41,7 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lag.
Auch die Beschäftigtenzahl erhöhte sich landesweit, so waren zum Stichtag mit 148 000 Mitarbeitern runde 3600 oder 2,5 Prozent mehr auf den Baustellen und in den Betrieben tätig als im Vorjahr. Im Kreis Kulmbach wurden die Firmen-Umsätze von 963 Beschäftigten erwirtschaftet. Somit schrumpfte die Mitarbeiterzahl hier - entgegen dem bayernweiten Trend - um 23.
Laut der Herbstumfrage 2016 der Landesvereinigung Bauwirtschaft (LVB) Bayern ist die Stimmung im Baugewerbe gut. Viele investieren in "Betongold", und laut LVB-Sprecher Hans Auracher bewerten drei Viertel der befragten Baubetriebe ihre Geschäftslage aktuell als "gut bis sehr gut".


Auftragsbücher prall gefüllt

Die Zukunftsaussichten sind ähnlich positiv. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Ausbaubetriebe sind dank der robusten Konjunktur und dem niedrigen Zinsniveau Wochen im Voraus ausgebucht. Mit Sorge jedoch blickt die Branche auf schärfere Abgasregeln in den Innenstädten. Im Gespräch sei ein Verbot von Dieselfahrzeugen, die nicht die Abgasklasse 6 erreichen, was viele Betriebe schwer treffen würde. Zwar sind etliche Fahrzeugflotten bereits erneuert, doch viele Fahrzeuge erfüllen die Euro-6-Norm nicht, was sich dann negativ auf den Liefer- und Baustellenverkehr auswirken könnte. Susanne Herrmann