Wegen zahlreicher Drogengeschäfte hat das Schöffengericht in Kulmbach einen 28-jährigen Mann aus dem östlichen Landkreis zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Dem Arbeiter konnten rund 100 Fälle der Abgabe und der Beschaffung von jeweils kleineren Marihuana-Mengen nachgewiesen werden. Fast zum Verhängnis wäre es ihm dabei geworden, dass er die Drogen in einigen Fällen auch an Minderjährige vertickt hatte, zweimal an eine damals 15-Jährige, das andere Mal an einen 17-jährigen Schüler.

Wenn der Angeklagte trotzdem mit einer Bewährungsstrafe davonkam, dann deshalb, weil er nicht vorbestraft war, alles zugegeben hatte, einer geregelten Arbeit nachgeht und letztlich nur derjenige war, der den eigentlichen Dealer unterstützte. Eingefädelt hatte die Drogengeschäfte nämlich ein anderer Mann, gegen den ein gesondertes Verfahren läuft. Der jetzige Angeklagte hatte für seine Helferdienste auch kein Geld, sondern regelmäßig einen Joint bekommen.

Skateranlage ein Treffpunkt

Aufgeflogen war die "Drogengemeinschaft", wie sie Staatsanwalt Jan Köhler bezeichnete, durch entsprechende Hinweise, eine Telefonüberwachung und die polizeiliche Observation. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Gruppe entweder in einer Kneipe oder in der Skateranlage traf.

Aufbewahrt hatte der Kopf der Gruppe das Rauschgift bei sich in einem "Bunker", zu dem der Angeklagte sogar den Schlüssel besaß. Dort hatte er freien Zugang, portionierte und verpackte das Marihuana und verkaufte es an die jeweiligen Abnehmer.

Als Lohn für seine Tätigkeiten konnte der Angeklagte seinen Eigenbedarf an Rauschgift decken.

Woher der Stoff stammte, wurde nicht bekannt. Wahrscheinlich hatte der Kopf der Gruppe das Gift aus Tschechien nach Oberfranken eingeführt, mutmaßten die Ermittler.

Bei der Hauptverhandlung machte der Angeklagte keine Angaben. Über seinen Verteidiger Karsten Schieseck aus Bayreuth ließ er erklären, dass er alles einräume und bedauere. Lediglich das wahre Alter des 17-jährigen Abnehmers wollte er nicht gewusst haben. Sein Mandant habe so gehandelt, um seinen eigenen Konsum zu ermöglichen und weil er mit dem Kopf der Gruppe befreundet gewesen sei, erklärte der Verteidiger. Mittlerweile konsumiere sein Mandant keine Drogen mehr und lebe abstinent.

Die Plädoyers

Die letztlich verhängten eineinhalb Jahre auf Bewährung hatte bereits Staatsanwalt Köhler in seinem Plädoyer beantragt. "Der Angeklagte war zwar nicht der Kern der Drogengemeinschaft, aber auch kein unwesentlicher Bestandteil davon", sagte der Anklagevertreter.

Verteidiger Schieseck sah eine Bewährungsstrafe von einem Jahr als ausreichend an, um auf das Fehlverhalten seines Mandanten zu reagieren. Der Angeklagte habe in keiner Form versucht, Geld damit zu verdienen. "Er fand es cool und hat halt mitgemacht."

Das sah das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Nicole Allstadt anders. "Auch wenn der Angeklagte nur der zweite Mann war und ein anderer die Strippen zog, so hat er dennoch einen wesentlichen Beitrag zu den Drogengeschäften geleistet", erklärte sie. Als Auflagen gab sie dem Angeklagten auf, 1500 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung zu überweisen und sich jeglichen Drogenkonsums zu enthalten. Dies muss der Mann in den kommenden zwei Jahren vierteljährlich mit einem Drogenscreening, also einer Haar- und Urinuntersuchung, nachweisen. Ein Verstoß könnte ihn die Bewährung kosten, und dann müsste der Angeklagte die Strafe doch noch absitzen. Ganz ausgeschlossen ist das nicht, denn der Angeklagte wurde bei einer Routinekontrolle im März doch tatsächlich mit einer Kräutermischung im Gepäck erwischt.