Der Psychiater und Psychotherapeut Manfred Wolfersdorf wurde schon frühzeitig mit dem Thema Suizid konfrontiert. "Ich war in der katholischen Jugendbewegung engagiert. Schon mit 17 Jahren war ich Gruppenleiter. Mein Stellvertreter, ein Jahr jünger als ich, hat sich damals mit Tabletten vergiftet", erzählte der langjährige Leiter des Bezirkskrankenhauses Bayreuth bei einer Diskussion in der Spitalkirche. Seither begleite ihn die Frage, warum Menschen sich das Leben nehmen, so Wolfersdorf.

Auch Dekan Thomas Kretschmar hat keine Scheu, über das Thema zu sprechen. Sein Onkel hat sich das Leben genommen. "Es ist früher nie darüber gesprochen worden", sagte er.

Wolfersdorf räumte mit einem Vorurteil auf. Es sei keineswegs so, dass Menschen nach einem Scheitern immer wieder versuchen würden, sich das Leben zu nehmen. Deshalb könne man sich mit Menschen, die verzweifelt sind, getrost über ihre Gefühle unterhalten.

Allerdings gebe es durchaus Menschen, die keinerlei Signale aussenden würden, die auf einen bevorstehenden Suizid hindeuten. Zehn Prozent der Selbstmorde seien auch von Experten nicht im Vorfeld zu erkennen. "Menschen, die in Not sind, müssen auch ihre Not vermitteln können", so Wolfersdorf.

Dekan Thoma Kretschmar ging auf die Position der Kirche ein. Suizid habe noch in der Neuzeit als eine der größten Sünden gegolten. Auch die Angehörigen seien tabuisiert worden. "Diese Zeiten sind vorbei. Auch Judas oder Saul haben sich umgebracht", machte Kretschmar klar. "Suizid ist die Folge einer Erkrankung. Der Betroffene und die Angehörigen brauchen doppelte Fürbitte."

Kretschmar und Wolfersdorf betonten, dass die psychosozialen Angebote immer besser werden. "Man kann aber nur seine Begleitung anbieten", so der Psychiater

Jörg Schmidt, Geschäftsführer der Selbsthilfegruppe für Angehörige um Suizid umrahmte die Diskussion musikalisch. Zugegen war auch die stellvertretende Landrätin Christina Flauder. so