Dort oben, direkt am Waldrand, wo jetzt Baumaterial lagert, könnte der Bienenwagen stehen. Wenn der Leiter der Fachklinik "Haus Immanuel", Gotthard Lehner, auf der riesigen Baustelle in Hutschdorf steht und auf die Fachklinik schaut, dann hat er diese Vision, die schon viel mehr ist als nur ein Gedanke. Denn Lehner hat den ersten Schritt getätigt, die Suchtklinik auszubauen und auch ökologischer auszurichten.

Aktuell entsteht hinter der Sucht-Klinik ein Mutter-Kind-Zentrum. Das geschäftige Treiben auf der Baustelle überschattet alles. Investiert werden 6,5 Millionen Euro. Schon im nächsten Sommer ist die Fertigstellung geplant. Insgesamt soll das Mutter-Kind-Zentrum Platz für zwölf Mütter und bis zu 16 Kinder bieten. Es handelt sich um eine Langzeittherapie, die mindestens ein Jahr dauern wird. Solch eine Therapie soll sich an die Entwöhnungsbehandlung in einer Suchtrehabilitationseinrichtung anschließen und soll den Müttern echte Chancen bieten, auch den Alltag bewältigen zu können.

Kinder sollen Sorgen um Mütter vergessen

"Wenn Mütter alkoholkrank sind, dann leiden die Kinder. Oft versorgen die älteren Kinder die kleinen Geschwister. Manchmal kennen solche Kinder nur Tütensuppen oder sie müssen selbst kochen", erzählt Lehner aus dem Alltag. Und manchmal geht es sogar so weit, dass die Kinder die Verantwortung übernehmen und ihre Mütter in die Suchtklinik einweisen.

In Hutschdorf soll das Verhältnis zwischen den Müttern und den Kindern verbessert werden. Die Kinder sollen wieder Kind sein dürfen. Sie sollen spielen, sie sollen draußen in der Natur etwas Schönes erleben. Sie sollen die Sorgen um die Mütter vergessen. An diesem Punkt kommen dann Tiere ins Spiel. Lehner setzt auf die Wirkung tiergestützter Therapieformen. Schon bald ziehen Ponys und Alpakas nach Hutschdorf. "Mit einer Therapie durch Ponys und Alpakas soll die individuelle Entwicklung der Kinder gefördert werden. Dabei werden beispielsweise die Sinneswahrnehmung sowie das Selbstbewusstsein geschärft", sagt Lehner.

Bienenwagen schon erworben

Neben den Knuddeltieren hat der Leiter der Einrichtung auch an ganz andere Tiere gedacht: an Bienen. "Ich wollte, dass unsere Einrichtung ein bisschen ökologischer wird. Und so bin ich auf die Idee mit den Bienen gekommen", erläutert Lehner. Einen Bienenwagen (mit Platz für mehr als drei Dutzend Völker) hat die Suchtklinik bereits erworben. Aktuell wird der ausrangierte Wagen vom Hausmeister aufwendig restauriert. Lehner rechnet mit bis zu 15 000 Euro an Investitionskosten.

Arbeitstherapeutin besucht Imkerschule

"Erst war es eine Idee. Aber jetzt hat diese Idee eine ganz eigene Dynamik bekommen", erklärt Lehner und betont, dass natürlich ganz klein angefangen werden soll. Mit einigen wenigen Völkern.

Arbeitstherapeutin Elke Hübner hat sich bereiterklärt, die Imkerschule zu besuchen und sich Fachwissen anzueignen. "Ich habe Kontakt mit den Imkervereinen aufgenommen, weil mich das Thema auch privat interessiert", verriet Elke Hübner: "Ich sehe die Bienen als Chance, ein einzigartiges Projekt zu verwirklichen. Natürlich muss am Anfang jemand dabei sein, damit ich die richtigen Handgriffe kennenlerne. Das wird bestimmt gut." Bislang gibt es oberfrankenweit kein ähnliches Projekt.

Angedacht ist, dass die Therapeuten gemeinsam mit den Müttern und den Kindern die Bienenstöcke versorgen. "Uns schwebt vor, dass wir Honig schleudern, Etiketten gestalten und in der Region vermarkten. Vielleicht machen wir irgendwann auch Kerzen. Das kann wachsen", führt der Einrichtungsleiter aus.

Ganz nebenbei erfahren Mütter und Kinder Neuigkeiten über die Natur und über gesunde Ernährung. Auch Hochbeete, in denen Kinder selbst Gemüse anpflanzen können, sollen angelegt werden.

Witziges Detail: Bienen bleiben ruhig, wenn sich die Betreuungspersonen ebenso verhalten und ruhig und entspannt an die Arbeit gehen. Es ist also wichtig, dass die suchtkranken Mütter eigene Ängste überwinden und Ruhe finden. Auf Alkohol würden Bienen übrigens besonders aggressiv reagieren.