Stephan Herbert Fuchs

Ein spektakulärer Nachbarschaftsstreit hat vor dem Amtsgericht nun ein ganz und gar unspektakuläres Ende gefunden. Weil sie ihren Nachbarn eine Ohrfeige verpasst hatte, ist eine 63 Jahre alte Hausfrau aus dem südlichen Landkreis Kulmbach zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu jeweils 30 Euro verurteilt worden.

Die Strafe fiel deshalb relativ niedrig aus, weil sich die Frau am Ende einsichtig gezeigt hatte und weil sie bei dem Streit selbst verletzt wurde. Ob mit dem Urteil Frieden zwischen den Parteien einkehren wird, steht in den Sternen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte Richterin Sieglinde Tettmann.

Neun Verfahren gab es allein seit 2016. Diesmal hatte die Angeklagte an einem Sonntagnachmittag im Juni des vergangenen Jahres ihrem Nachbarn, einem 46-jährigen Arzt, mit der linken Hand eine Ohrfeige verpasst.

Zunächst hatte die Frau den Vorfall vor Gericht genau andersherum geschildert. Sie habe beim Aussteigen aus dem Auto von ihrem Nachbarn "eine geschmiert" bekommen, und zwar so heftig, dass sie zu Boden gegangen und ihre Brille davon geflogen sei. Danach sei sie mit ihrem Mann gleich in die Notaufnahme des Klinikums gefahren und habe Anzeige erstattet.

Der Mediziner hatte dagegen zu Protokoll gegeben, dass ihm die Frau "eine verpasst" und lediglich eine Abwehrbewegung gemacht habe.

Grund für die Auseinandersetzung war ein Vorfall am Vormittag des gleichen Tages. Da soll der Ehemann der Angeklagten auf eine Gruppe spielender Kinder zugefahren sein und sie mächtig erschreckt haben. Eines der Kinder war der Sohn des Arztes, der seitdem angeblich an Angstzuständen und Panikattacken leidet.

Schon am ersten Verhandlungstag wurde schnell klar, dass ein seit Jahren schwelender Streit hinter der Sache steckt. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wurden zum zweiten Verhandlungstag die beiden Polizisten, die damals vor Ort waren, und der Arzt der Notaufnahme geladen.

Von der Einvernahme des Ehemannes der Angeklagten sah Richterin Tettmann ab, da er bereits bei der Polizei erklärt habe, dass er nicht genau sagen könne, wer wen geschlagen habe. Der Mann war zum fraglichen Zeitpunkt damit beschäftigt, das Auto einzuparken. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass seine Frau zugeschlagen hat, hieß es.

Nach langem Hin und Her kamen Staatsanwaltschaft und Verteidiger Andreas Piel überein, den ursprünglichen Einspruch gegen einen entsprechenden Strafbefehl auf die Rechtsfolgen zu beschränken. Das bedeutet, die Frau hatte sich entschlossen, die Ohrfeige gegen den Nachbarn einzuräumen. Im Gegenzug wurde ihr eine mildere Strafe als die ursprünglich angedachten 20 Tagessätze in Aussicht gestellt.

Richterin Tettmann schloss sich daraufhin dem Antrag von Verteidiger Piel an und urteilte auf 300 Euro. Zugunsten der Angeklagten sei zu sehen, dass sie sich der Vernunft gebeugt und Einsicht gezeigt habe. "Das soll honoriert werden", so Tettmann. Außerdem habe die Frau selbst auch Verletzungen erlitten.

Nächste Anzeige schon da?

In dem Nachbarschaftsstreit hatte sogar schon der Bürgermeister versucht, zu schlichten. Doch nicht einmal ihm war es gelungen. Wie zu vernehmen war, sollen die nächsten Anzeigen bereits vorliegen.