Die Einnahme von Ibuprofen aufgrund von Fieber soll die Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Diese Nachricht, die zuerst von Frankreichs Gesundheitsminister verbreitet wurde, verunsichert trotz sofortiger Dementis durch den Virologen Drosten und die WHO noch immer zahlreiche Bürger deutschlandweit.

Das bekam der Gräfenberger Apotheker Dr. Bernd Dotzauer zu hören. Er arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Uni Erlangen und unterrichtete an der Berufsschule Bayreuth. Zudem steht Dotzauer in engem Kontakt mit dem Heroldsberger Professor Fritz Sörgel, der an der Aufdeckung des Valstartan-Skandals maßgeblich mitwirkte.

Nicht nur bei den bundesweiten Fortbildungen wurde über Ibuprofen und Paracetamol diskutiert, denn die Auswirkungen der Falschmeldung spüren viele Kollegen Dotzauers. Das solle endlich hörbar richtiggestellt werden, war die Bitte zahlreicher Apothekerkollegen. Denn immer mehr Leute haben in der Folge das Präparat Paracetamol gekauft, wie das Frankreichs Gesundheitsminister empfohlen hatte.

Abgesehen davon, dass es über eine Verstärkung der Symptome bei einer Corona-Infektion durch Ibuprofen keine gesicherten Beweise gibt, bringt das Kaufverhalten andere Kunden in Gefahr. Denn die Folge ist, dass Paracetamol inzwischen ausverkauft ist. Beide Medikamente sind Schmerzmittel. Was ist der Unterschied von Ibuprofen und Paracetamol?

Bernd Dotzauer: Ibuprofen ist der unkomplizierteste Stoff einer Klasse von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAIDs = non steroidal anti inflammatory drugs), die alle den gleichen Mechanismus haben. Sie verdünnen leicht das Blut und können in hohen Dosen Magenprobleme verursachen.

Paracetamol hat diese potenziellen Nebenwirkungen nicht. Es wirkt gut gegen Fieber, ist aber nicht entzündungshemmend und die Wirksamkeit gegen Schmerzen ist überschaubar. Paracetamol ist allerdings sehr toxisch für die Leber, so dass Experten seit einiger Zeit die Rezeptpflicht fordern. Vertretbar ist es bei Schwangerschaft, bei Asthmatikern und schweren Allergikern. Sonst muss ich kategorisch davon abraten. Selbst bei Kleinkindern zieht man das unkomplizierte Ibuprofen inzwischen vor.

Warum verstärkt Ibuprofen die Corona-Symptome nicht?

Ich drehe die Frage um: Warum sollte es? Es gibt keinen ernsten Hinweis darauf. Was hier geschrieben wurde, ist größtenteils falsch. Weil aber besonders Frankreich bis hinauf zum Minister dahinterstand, musste die WHO dem nachgehen und die Datenlage jetzt prüfen.

Warum wird trotzdem Paracetamol gehamstert? Das ist das leidige Thema der Bagatellisierung von Arzneimitteln zur bloßem Handelsware und der medial geschürten Panik. Viele Leute glauben bedingungslos jeden Fake. Im Kopf läuft wohl ab: "Mit Ibuprofen bekomme ich CoVid-19" - und das ist absurd.

Was bewirken die Engpässe an Paracetamol bzw. wem schadet das ? Es schadet natürlich am meisten den obigen Risikogruppen, für die es wirklich fast alternativlos ist. Denen wird es "weggehamstert" von Leuten, die bedenkenlos mit Ibuprofen, ASS, Diclofenac oder Naproxen rezeptfrei besser zu behandeln wären.

Ist ein Rückgang an Ibuprofen bemerkbar? Das ist in einer kleinen Landapotheke mit intensivem Patientenkontakt schwer zu sagen: Wir klären die Leute ausführlich auf, dass sie keine Angst vor Ibu haben müssen nach aktuellen Stand, wenn sie es sonst auch nehmen. Die meisten folgen dem. Daher würde ich bei uns sagen: nein. Ist es gut, wenn Paracetamol nun nur noch begrenzt an Apotheken ausgegeben wird? Das ist eine rein politische Entscheidung. Eine Reglementierung über die Apotheken führt aus meiner Sicht nicht zum Ziel. Der Effekt wäre dann zweifelsfrei zunehmender Bezug aus dubiosen Quellen. Dann müsste die Verschreibungspflicht her. Fachlich ist es ohnehin sehr kritisch zu sehen. Gerade regelmäßig und in großer Menge. Die Politik hat mit den Liberalisierungen natürlich den Eindruck erweckt, was sehr günstig ohne Rezept zu "kaufen" sei, sei gänzlich harmlos. Gerade beim Paracetamol ist das nicht der Fall.

Sind auch bei anderen Medikamenten Engpässe zu befürchten oder schon vorhanden? Es gibt zahlreiche Engpässe bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die aufgrund der Politik der gesetzlichen Krankenversicherungen verursacht sind, da gewisse Arzneimittel nur noch aus Billiglohnländern importiert werden können. Die Corona-Krise verstärkt das natürlich auf verschiedenen Ebenen. Ein Hauptproduzent, Indien, hat die Produktion deswegen eingestellt. Würde China noch wegfallen, könnte das Folgen haben, die nicht abschätzbar sind.

Verunsicherung herrscht aber allgemein, allein aufgrund der Vielzahl der Fake-Meldungen im Internet, die leider häufig nur darauf zielen, ein gefälschtes oder komplett ungeeignetes Produkt zu einem überhöhten Preis zu verkaufen. Andererseits wird von einigen die Thematik wenig ernst genommen. Die Fragen stellte Petra Malbrich.