Zum Artikel "Das da am Marktplatz" vom 6. November ging uns folgende Lesermeinung zu: DAS DA am Marktplatz ...ja, darüber kann man sich wirklich trefflich streiten. Ist das nun Kunst oder kann das weg? Ein Glashaus mit metallischen Weiden als Sicht- oder Sonnenschutz? Direkt vor dem Rathaus? Inmitten einer gewachsenen Altstadt, für die man sich irgendwann sogar eine "Gestaltungs- und Erhaltungssatzung für den historischen Kern von Lichtenfels" ausgedacht hat, um diese nicht zu verschandeln? Die Stadt Lichtenfels dürfte von jedem begeistert sein, der die stetig zunehmenden Leerstände der Stadt und auf dem Land mit neuem Leben erfüllen möchte.

Visionen können nicht schaden und es ist hierbei völlig unerheblich, ob diese von Profis (Professoren), Tag-Träumern (Visionären) oder dem "einfachen" Bürger kreiert, formuliert und im Idealfall realisiert werden (dürfen). Ob ein "Archiv der Zukunft" wegen seiner Architektur oder der zu behandelnden Thematik der erhoffte Anziehungsmagnet werden kann, steht in den Sternen. Seitens der Stadt wurde jedenfalls alles Mögliche und selbst Unmögliches unternommen, um dieses Projekt realisieren zu können. Die Satzung, die eigentlich den alten Kern der "Perle am Obermain" schützen sollte, wurde völlig unbürokratisch und äußerst kurzfristig dem vorgelegten Bauantrag angepasst. Das dürfte so manchen Bauherren hellhörig machen, aufatmen und hoffen lassen! Über Sinn und Unsinn von Regularien, Satzungen und Gesetzen kann man immer streiten.

Vor kurzem wurde im Stadtrat noch über eine "grüne Hausnummer" höchst kontrovers diskutiert. Was kann, darf oder möchte man angehenden Bauherren oder Eigentümern am liebsten noch alles zumuten? Mehr Grün, mehr heimische Produkte, mehr Nachhaltigkeit, mehr Ausgleichsflächen oder soll am Ende vielleicht doch der gesunde Menschenverstand des Individuums darüber entscheiden dürfen, was diesem persönlich wichtig ist? Wieviel "grün" steckt eigentlich im "Archiv der Zukunft"? Würden diesem Objekt und der Korbstadt heimische Weiden besser zu Gesicht stehen als abstrakte Metallgerippe aus Österreich?

Spiegelt sich - im wahrsten Sinne des Wortes - der in der Altstadt vorherrschende fränkische Baustil nur in den Glasfronten des Archivs der Zukunft wider? Wenn die Stadt bei aktuellen und künftigen Bauvorhaben genau so antragsfreundlich und unbürokratisch agieren würde, weil sich baurechtliche Vorgaben, Denkmalschutz, grüne Überlegungen und der gesunde Menschenverstand vielleicht sogar leichter unter einen Hut bringen lassen als befürchtet, dürfte dies für einen weit größeren "Prestige- und Sympathiegewinn für die Zukunft" sorgen als es das "Archiv der Zukunft" für die Stadt Lichtenfels jemals schaffen dürfte. Und damit hätte dieses Projekt bereits vor der offiziellen Eröffnung schon weit mehr bewirkt als so mancher Bedenkenträger erwartet hätte. Lassen wir uns überraschen!

Herbert Püls

Lichtenfels