Leserbrief zum Abriss der Kujathvilla und zum Neubau für die Grundschul-Ganztagsbetreuung in Ebern:

In seiner letzten Sitzung hat der Eberner Stadtrat den Architekten-Entwurf für die neue Grundschul-Mensa verabschiedet. Auch ich halte eine solche Einrichtung im Zeitalter der Ganztagsschule für erforderlich und der Standort auf dem Areal des Kujathhauses erscheint aufgrund seiner Nähe zur Grundschule zunächst prädestiniert.
Die verabschiedete Planung halte ich allerdings architektonisch und städtebaulich für völlig verunglückt.
Als Freund einer gut gemachten modernen Architektur empfinde ich die Planung mit dem auskragenden Vordach und der Säule als missglückte und nicht nach Ebern passende Kopie der Münchner Pinakothek der Moderne. Die Ansicht zum Bahnhaltepunkt hin wirkt wenig einladend. Außer der Eingangstür blickt man nur auf Toilettenfenster und geschlossene Wände. Für das Kujathhaus-Grundstück ist das Bauvolumen viel zu groß. Das geplante Mensagebäude rückt an der Westseite dem Anlagenring, an der Nordseite den Parkplätzen und an der Ostseite der Straße vor dem Bahnhaltepunkt zu Leibe und wird förmlich in das Grundstück hineingepresst. Leichtigkeit sieht anders aus.


Freie Sicht?

Dass die Blickbeziehung zur Stadtsilhouette frei bleiben soll, wie der Planer betonte, kann ich nicht nachvollziehen. Bei einer Bahnsteighöhe von ca. 1,8 Metern und einer durchschnittlichen Augenhöhe von 1,7 Metern müsste der Betrachter selbst auf dem Bahnsteig eine vier Meter hohe Leiter dabei haben, um das rund 7,5 Meter hohe und rund 17 Meter breite Gebäude in Richtung Anlagenring, Stadtmauer und VG-Gebäude noch überblicken zu können.
Was mich nicht nur als Förster fassungslos macht, sind die Aussagen des Planers zum Bauen mit Holz. Holz hat als nachwachsender Rohstoff nicht nur eine hervorragende Ökobilanz, sondern auch tolle Gestaltungsmöglichkeiten. Zahllose Beispiele von öffentlichen Holzbauten belegen dies. Die Argumente des Planers gegen einen Holzbau wie "Einbau einer Brandmeldeanlage" oder "Einhausung des Holzes mit feuerhemmenden Materialien" empfinde ich geradezu als fadenscheinig. Möglicherweise hat ja auch nur der Planer keine ausreichenden Erfahrungen im Holzbau ...
Schade, dass die Stadtverwaltung und der Stadtrat die Chance für ein städtebaulich gelungenes und architektonisch anspruchsvolles öffentliches Gebäude verpasst haben. Abhilfe könnten künftig klarere Rahmenvorgaben seitens der Stadtverwaltung und mehr Wettbewerb bei der Beteiligung der Planer schaffen.
Oliver Kröner
Ebern