Im Turbinenhaus der alten Spinnerei ist wieder Leben eingekehrt: Künstlerin Kerstin Kassel aus Oberrüsselbach zeigt aktuell ihre Ausstellung "Re-Kokon". Sie hat in dem riesigen Raum einzigartige Installationen aufgebaut. Kernstück der Ausstellung ist ein riesiger Kokon, der von der Decke hängt. Er ist aus Plastik, Luftpolsterfolie, Schnüren, Latexhandschuhen, Perlonstrumpfhosen und einer Lichterkette gefertigt.

Wie eine riesenhafte Schnecke hängt der Kokon in der Mitte der Halle. "Der Kokon besteht nur eine gewisse Zeit. Der verlassene Kokon wird zur Hülle, die wiederum Grundlage für einen weiteren Kokon sein kann", sagt die Künstlerin bei der Vernissage. Das wahre Geheimnis des Kokons allerdings erschließt sich nur neugierigen Kunst-Interessierten, die einen Blick ins Innere wagen. Denn dort sind die in Pink befruchteten Eier. Die Künstlerin möchte mit dem Kokon eine Anspielung auf die Corona-Pandemie und die Zeit des aktiven Rückzugs wagen. "Nur durch die stete Hinterfragung, Re-thinking, und die Auseinandersetzung mit Re-Gnose (zurückschauende Betrachtung), Gegenwart und Vergangenheit kann ein weiter Blick und die Vorbereitung in die Zukunft geschehen", sagt Kassel. Sie möchte mit ihrem Kokon auch eine Anspielung auf die Metamorphose der Alten Spinnerei machen: von der Herstellung für Textilien zu einem neuen Zweck.

Wie ein roter Faden zieht sich die Farbe Pink durch die Ausstellung. "Erst seit ein paar Jahren kommt die Farbe Pink als stilistischer Kontrast zu meiner eher erd- und rostfarbigen Malerei und als inhaltlicher Kontrast des Akzentuierens vor", sagt Kassel selbst. Sie hat Teile ihres "Pink Webs" aufgebaut.

Auch die Rosen sind ein Symbol, das in der Ausstellung immer wiederkehrt. Bei der Vernissage ermunterte die Künstlerin die Besucher, an den pinken Fäden, die in ihren Rosentüchern verwoben sind, zu ziehen. Auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann, der die Vernissage eröffnete, wagte es, Hand an die Kunst zu legen.

Küchla aus Hasendraht

Im alten Turbinenhaus gibt es allerdings noch mehr zu entdecken: die alten Pigmente ihres Großvaters, eine Liebes-Botschaft in vielen verschiedenen Sprachen, aus dem Staub der Wände, auf den Boden geschrieben. Und dann präsentiert die Künstlerin noch eine Wolldecke ihrer Oma. Diese ist mit pinkem Faden bestickt und zeigt vier Frauen-Generationen. "Die Küchla der Generationen - oder das Wichtigst ist das feine, saubere Goldrändla", nennt Kassel ihr Werk. Aus Hasendraht hat sie kleine runde Gebilde geformt - natürlich mit Goldrand: Die vier Gebilde sollen echt fränkische Kerwaküchla symbolisieren. "Tradition, Können, Verhalten, Regeln, Werte, Geheimnisse, Zutaten, Machart weitergeben, vorleben, aufnahmen, um diese zu integrieren, umzuwandeln, zu ändern, verwerfen, erneuern, erweitern, um sie dann individuell konzentriert dann doch letztendlich wieder weiterzugeben - Kult-UR-en leben - im Kleinen und im Großen", sind die Gedanken der Künstlerin.

Kerstin Kassel hat einen besonderen Bezug zu Kulmbach. Ihr Großvater war Malermeister in Katschenreuth. Auch heute noch leben Verwandte in Kulmbach. Kerstin Kassel selbst lebt in Oberrüsselbach. Sie hat in Florenz Kunst studiert und ist seit zwanzig Jahren selbstständige Künstlerin. Während der Ausstellung steht sie allen Interessierten für Fragen und für Führungen zur Verfügung. Kassel ist auch Mitglied im Kunstverein Kulmbach.