Für die in Berlin lebende und vielfach mit Preisen ausgezeichnete Schriftstellerin Natascha Wodin wird der 10. Juni einen besonderen Stellenwert einnehmen. Mit einer Lesung beim Literaturfestival "Lesen! In Fürth." kehrt sie am kommenden Freitag an den Ort zurück, in dem sie 1945 als Kind verschleppter sowjetischer Zwangsarbeiter geboren wurde. Sie wuchs in deutschen Nachkriegslagern für Personen auf, die durch die Kriegsereignisse ihrer Heimat entwurzelt wurden.
Viele Jahre ihrer Kindheit und Jugend verbrachte Natascha Wodin mit ihren Eltern in Forchheim. Eine schwere Zeit der Entbehrungen und Ausgegrenztheit, die sie in ihren frühen Werken "Die gläserne Stadt" und "Einmal lebt ich" thematisiert hat. Nach Jahren in einem katholischen Mädchenheim, in dem sie nach dem Suizid der Mutter untergebracht wurde, und nach anschließender Obdachlosigkeit arbeitete Wodin zunächst als Telefonistin und Stenotypistin. Anfang der siebziger Jahre absolvierte sie eine Sprachenschule und gehörte zu den ersten Dolmetschern, die nach Abschluss der Ostverträge für westdeutsche Firmen und Kultureinrichtungen in die Sowjetunion reisten. Später übersetzte sie Literatur aus dem Russischen, seit 1980 ist sie freie Schriftstellerin. Seit 1994 lebt sie in Berlin und Mecklenburg.
In ihren Werken setzt Natascha Wodin sich vor allem mit dem Thema der Entwurzelung, Fremdheit und Ortlosigkeit auseinander, mit Außenseiterexistenzen und Grenzgängern, mit der Diskrepanz zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit. Ihre Werke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Preisgekröntes Werk

Im Fürther Kulturforum liest sie um 20 Uhr aus ihrem Manuskript "Ich war noch nie in Mariupol", in dem sie sich dem Thema Zwangsarbeit in der NS-Zeit widmet. Ein Werk, das bereits mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet wurde. Weitere Auszeichnungen für die 71-Jährige sind der Hermann-Hesse-Preis (1984), der Adelbert-von-Chamisso-Preis (1998) und der Wolfram-von-Eschenbach-Preis (2005).
Das Literaturfestival in Fürth gibt es seit 20 Jahren. Dieses Mal stehen in Fürth geborene Autoren im Fokus, die das Literaturprofil der Stadt prägen. mw