Zum Artikel "Vorwürfe: Was ist los im Rathaus?" (BR vom 17. Februar) wird uns geschrieben: Nun wissen wir es also: Es gibt diverse Anzeigen gegen Kulmbacher Persönlichkeiten, die im - politischen - Rampenlicht stehen. Dass Vorgängen, bei denen der Verdacht besteht, unlauter zu sein, ohne Ansehen der Person nachgegangen wird, ist gute demokratische Praxis.

Was aber völlig inakzeptabel ist - und eher an totalitäre und ähnlich schlimme Zeiten erinnert - sind anonyme Anzeigen! Da drängt sich die Frage auf, warum jemand seine Identität nicht preisgeben will. Und das Argument, dass derjenige Nachteile befürchten muss, kann man nicht gelten lassen. Denn die Identität des Informanten muss ja nicht öffentlich gemacht werden; es genügt, wenn sie der Staatsanwaltschaft beziehungsweise der Zeitung bekannt ist, an die die Anzeige oder Information gerichtet ist.

Und auch die "Erklärung" von Medienvertretern, warum anonyme Hinweise publik gemacht werden, ist nicht akzeptabel. Das macht ein Zitat im Kommentar zum obengenannten Artikel deutlich: "In der vergangenen Woche hat uns ein Wissenschaftler bestätigt, dass in der öffentlichen Wahrnehmung stets etwas zurückbleibt, selbst wenn alle Anschuldigungen entkräftet werden können."

Somit können anonyme Anklagen und deren Veröffentlichung ein Beitrag zum Rufmord sein - ein Beitrag zur "Informationspflicht" sind sie jedenfalls nicht!

Es ist schon auffallend, dass wenige Wochen vor der Kommunalwahl auf einmal anonyme Anzeigen gegen politische Vertreter verschiedenster Parteigruppierungen erfolgen. Ein Schelm, der dabei Böses denkt!

Barbara Karittke

Thurnau