Bamberg — "Haltet die Ohren steif", ruft die Mutter mit zitternder Stimme ihren zwei Söhnen zu, als die beiden mit Fußketten gefesselt an ihr vorbei in den Saal des Bamberger Landgerichts geführt werden. Die beiden Brüder (18 und 20 Jahre alt) sind zusammen mit einer 15- und einem 20-Jährigen wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Beim Ebermannstadter Altstadtfest im vergangenen Jahr sollen die vier einen Mann durch mehrere Schläge und Tritte lebensgefährlich verletzt haben. Gegen Mitternacht soll es zwischen der Basteibräugasse und dem Markgrafenweg zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Opfer gekommen sein, dann flogen die Fäuste.

In Folge eines Faustschlages ins Gesicht soll der Geschädigte zu Boden gegangen sein. Als er begann, um Hilfe zu schreien, sollen die vier begonnen haben auf seinen Kopf einzutreten. Als er daraufhin das Bewusstsein verlor, soll einer der Angeschuldigten laut Anklageschrift "dem reglos am Boden liegenden Geschädigten dabei noch in dessen Gesicht" gespuckt haben. Anschließend sollen die vier "fluchtartig den Tatort" verlassen haben, da sie fürchten mussten, die Hilfeschreie könnten Zeugen anlockt haben.

Nach ein paar Minuten seien sie allerdings zurückgekommen, um die dort befindlichen Passanten aufzufordern, den Tatort zu verlassen. Als die Zeugen sich weigerten und erklärten, sie würden den Rettungsdienst rufen, soll einer der vier entgegnet haben, "dass dies nicht ihre Baustelle sei und sich schon jemand anderes darum kümmern werde."

Doch die Passanten ließen sich nicht abschrecken und verständigten den Notarzt. Auf Grund des Verdachts einer Querschnittslähmung wurde der Geschädigte mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum Bayreuth geflogen. Die Befürchtung bestätigte sich nicht. Er erlitt allerdings mehrere Hämatome, Lähmungserscheinungen sowie eine posttraumatische Belastungsstörung.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg legt den vier Angeschuldigten versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last. Die Jugendlichen hätten "den Tod des Geschädigten zumindest billigend in Kauf" genommen, heißt es in der Anklageschrift.

Da zwei der vier zum Zeitpunkt noch minderjährig waren, beantragte die Verteidigung den Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt stimmte dem Antrag zu, da vor allem die 15-Jährige seit ihrer Unterbringung in einer Jugendhilfeanstalt eine positive Entwicklung gemacht habe. Es sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt.