Das hatte sich der HSC 2000 Coburg anders vorgestellt. Mit dem Gefühl, die Kehrtwende gegen Aue geschafft zu haben, ging der Handball-Zweitligist in die Länderspielpause. Der neue Trainer Brian Ankersen hatte erstmals über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit, intensiv an seiner Spielphilosophie zu arbeiten. Die HSC-Profis, sagte Ankersen, hätten gut mitgezogen. Die Woche vor dem Ludwigshafen-Spiel sei "überragend" gewesen. Dann der Rückschlag. Bei der 26:33-Niederlage im Duell der Bundesliga-Absteiger lief wenig zusammen.

Viel Zeit, um die Klatsche aufzuarbeiten, hat der HSC nicht. Bereits am Sonntag (16 Uhr) steht das nächste Heimspiel an. Mit der SG BBM Bietigheim gastiert nicht nur Ankersens Ex-Klub in Coburg. Auch der ehemalige HSC-Torwart Konstantin Poltrum kehrt erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurück.

2. Bundesliga

HSC Coburg - SG BBM Bietigheim Am Vormittag nach dem Ludwigshafen-Spiel war Brian Ankersen gerade in der Coburger Innenstadt unterwegs, als er die deutliche Niederlage erklären sollte. Der junge Däne hatte die freie Zeit genutzt, bevor er am Nachmittag seine Mannschaft zur Videoanalyse bat. Ausführlich, sagt Ankersen, werde das Spiel aufgearbeitet. Und das scheint dringend nötig. "Du kannst in Ludwigshafen verlieren", sagt Ankersen, um kurz danach einzuschränken: "Aber nicht so und nicht so deutlich." Mit der Anfangsphase war Coburgs neuer Trainer noch zufrieden. Zwar lagen die Eulen meist in Führung, der HSC blieb aber in Schlagdistanz. Dann kamen die ersten Knackpunkte.

Alle Änderungen ohne Wirkung

Erst ließ Kreisläufer Jan Schäffer zwei freie Würfe liegen, dann flog Stefan Bauer schnell mit einer Zeitstrafe vom Feld. Die Überzahl nutzte Ludwigshafen, um sich erst einmal abzusetzen (10:6, 15.). Schon nach seiner ersten Auszeit probierte der 33-Jährige viel, um ins Spiel zurückzukommen. Doch alle personellen Änderungen brachten keine Besserung - weder im Angriff noch in der Abwehr. So hatten die Eulen leichtes Spiel, sich bis zur Pause auf 17:11 abzusetzen. Ein weiterer Knackpunkt war der erneute Ausfall von Regisseur Tobias Varvne. "Seine muskulären Probleme sind wieder aufgetreten. Ob er am Sonntag spielen kann, ist fraglich", sagt Ankersen. Er probierte es nach der Pause zeitweise mit dem siebten Feldspieler - doch auch das half nichts.

"Megafrustrierend" und "sehr enttäuschend" sei das, wenn alle Eingriffe von außen nichts helfen würden und "das Spiel nach 37 Minuten gelaufen" sei. Zwar schränkte Ankersen ein, dass etwa die Nationalspieler Karl Toom (Estland) und Lukas Juskenas (Litauen) im Training fehlten, als Ausrede ließ der HSC-Trainer das aber nicht gelten. Während sich die Eulen nach durchwachsenem Start langsam nach oben schieben, klebt der HSC in der unteren Tabellenhälfte fest.

Mit Bietigheim hat der HSC nun einen Gegner vor der Brust, der - wie die Coburger als 14. - als Tabellenneunter bislang ebenfalls hinter den Erwartungen bleibt. Die SG kennt Ankersen gut. Im vergangenen Jahr machte er dort als Interimstrainer auf sich aufmerksam, als er Bietigheim von der Abstiegszone noch auf Rang 6 führte. Als Vorteil sieht Ankersen das nicht unbedingt.

"Der neue Trainer Iker Romero weiß ja auch, dass ich die Mannschaft gut kenne und wird sich schon etwas einfallen lassen", sagt Ankersen, der einen variablen Gegner mit einer offensiven Deckung erwartet. Mit welchem Kniff Ankersen die spanische Legende überraschen will? "Ich habe mir Gedanken gemacht", sagt Ankersen schmunzelnd. Nur vorab teilen möchte der neue Coburger Trainer sie nicht.