900 metallene Kilo schweben langsam ihrem angestammten Platz in 14 Metern Höhe entgegen. Am Boden beobachten zahlreiche Zuschauer den Weg der Glocke in den linken Turm der St.-Gangolf-Kirche in der Theuerstadt. Anfang Juni wurde sie auf demselben Weg durch einen Kran der Bamberger Firma Karl GmbH zur Reparatur ausgehoben.
"Glocken haben eine große Bedeutung", betonte Pfarrer Marcus Wolf bei der Weihe, da sie im christlichen Leben viele Funktionen haben. "Glocken läuten, um zum persönlichen Gebet einzuladen", nannte der bischöfliche Beauftragte als Beispiel. Auch Gottesdienste, Taufe, Hochzeit und der Tod sind mit dem Glockenklang verbunden. Daher freue er sich, dass die "Angelus Domini" bald wieder erklingen werde.
Die 1,17 Meter große Glocke wurden in Nördlingen von der Spezialfirma Lachenmeyer Schweißwerk für Glocken und Stahlbau repariert. Dies war nötig, nachdem das Klöppeleisen herausgebrochen war, an dem der Klöppel befestigt ist. Außerdem wurden Risse ausgebessert, sowie Schäden, die durch den Stundenschlag entstanden sind.
Gemeinsam mit Pater Dieter Putzer und Pater Sunny John O. Carm. weihte Wolf die Glocke aus dem 14. Jahrhundert. Das Anschlagen derselben überließ er seiner evangelischen Kollegin Anette Simojoki, Pfarrerin der Erlöserkirche.


Noch viel zu tun

Bis die "Angelus Domini" - zu Deutsch "Engel des Herrn" - gemeinsam mit den anderen sechs Glocken der Kirche wieder erklingen wird, sind noch einige Arbeitsschritte nötig. Für das Ausheben musste der Glockenstuhl teilweise abgebaut und auch die untere der drei Glocken im Turm ausgehängt werden, erklärte Kirchenpfleger Josef Schirmer. Nun muss der Glockenstuhl wieder aufgebaut und beide Glocken aufgehängt werden. Auch die Läutemechanik, sowie der Klöppel werden in den nächsten Wochen installiert. Erst dann wird das charakteristische Geläut von St. Gangolf wieder erklingen, zu dem die zwei historischen Glocken aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem Halbtonabstand über Jahrhunderte hinweg beitragen.
Die Kosten für die Generalsanierung der St.-Gangolf-Kirche betragen rund 4,3 Millionen Euro. Unterstützt wird das Projekt durch die Erzdiözese Bamberg, die Oberfrankenstiftung und die Bayerische Landesstiftung für Denkmalpflege. Ende kommenden Jahres sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein.