In einer Nebenstraße im Fuldaer Stadtteil Neuenberg ist am 15. Februar ein 41-Jähriger in seinem Auto erschossen worden. Ein damals 37-Jähriger soll seinen Bekannten mit einem Kopfschuss getötet haben. Jetzt hat der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht begonnen.

Dem heute 38-jährigen Angeklagten stehen drei Anwälte zur Seite - ein Pflicht- und zwei Wahlverteidiger aus Göttingen und aus Dorsten (Nordrhein-Westfalen), wo er wohnt. Seit Februar sitzt er in U-Haft. Auf der anderen Seite im Gerichtssaal vertreten drei Rechtsanwälte die zwei Brüder und die Ehefrau des Getöteten, die als Nebenkläger auftreten.

Die Anklage gegen den 38-Jährigen lautet auf Mord. "Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" soll er sein Opfer umgebracht haben, erklärt Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban.

Täter und Opfer kannten sich schon lange und waren befreundet. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte seinen 41-jährigen Freund in Fulda-Neuenberg am 15. Februar erschossen hat.

Der Grund: Er ging davon aus, dass der 41-Jährige eine Affäre mit seiner Ehefrau hat. So schildert es Dr. Seban, die die Anklage verlas. Diese Vermutung soll er bereits im März 2020 gegenüber seinem Bruder geäußert haben. Es gebe ein Video, das die außereheliche Liebesbeziehung eindeutig beweise, soll der Angeklagte gesagt haben. Und: Dass der 41-Jährige "seine gerechte Strafe erhalten werde".

Am Vortag der Tat soll der damals 37-Jährige von Dorsten nach Fulda gefahren sein. Abends soll er den späteren Tatort "ausgekundschaftet" haben. Am nächsten Morgen, gegen 4.15 Uhr in der Früh, soll er dem 41-Jährigen aufgelauert haben. Dieser verließ seine Wohnung in Neuenberg, setzte sich in sein Auto und schnallte sich an. Er wollte zur Arbeit nach Poppenhausen fahren, wo er in einer Bäckerei tätig war. Dort kam er nie an.

Der Angeklagte soll mit einer Schusswaffe an das Auto herangetreten sein und drei Schüsse durch die Scheibe der Fahrertür abgegeben haben. Einer der drei Schüsse traf den 41-Jährigen. Dieser Kopfschuss war tödlich.

Staatsanwältin Seban sagte: "Der Angeklagte passte ihn ab. Dem Geschädigten blieb keine Möglichkeit, dem Angriff auf sein Leben zu begegnen. Er war sowohl arg- als auch wehrlos." Dies habe der Angreifer "bewusst und in feindseliger Willensrichtung handelnd ausgenutzt". Das Motiv für den Mord sieht die Staatsanwaltschaft in der "angenommenen außerehelichen Beziehung des Tatopfers zu seiner Ehefrau". Am 21. Oktober wird die Verhandlung fortgesetzt. An den noch folgenden elf Verhandlungstagen sollen insgesamt 60 Zeugen vernommen werden.