Der erste Kontakt zum Rettungsdienst kam für Daniel Schirmer zufällig: Als Trainer musste er bei einem Unfall Notarzt und Rettungsdienst rufen. Die Arbeit des Teams vor Ort hat ihn so sehr beeindruckt, dass in ihm der Wunsch gewachsen ist, auch beim Rettungsdienst arbeiten zu wollen. Seit 1. März ist Schirmer neuer Leiter der BRK-Rettungswache Hofheim. Er ist 36 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Haßfurt.

Sie engagieren sich auch ehrenamtlich im Roten Kreuz. Ist die Arbeit im Rettungsdienst nicht anstrengend genug?
Daniel Schirmer (lacht): Ich stelle mich gerne Herausforderungen - täglich im Rettungsdienst und darüber hinaus eben auch als Ehrenamtlicher.

Ehrenamtliche Arbeit macht also Spaß?
Beim Roten Kreuz zu arbeiten finde ich sehr spannend. Deshalb übernehme ich gerne einige zusätzliche Aufgaben und habe weitere Ausbildungen genossen, beispielsweise die Einsatzführung bis zum Organisatorischen Leiter im Katastrophenschutz und als Einsatzleiter Rettungsdienst. Diese ehrenamtliche Tätigkeit übe ich nun seit fünf Jahren aus. Ja, sie macht Spaß.

Sie engagieren sich auch in der Ausbildung.
Das finde ich ebenso spannend. Ich habe die Berechtigungen erworben, als Ausbilder in Erster Hilfe, für Sanitätsdienst und für Betriebssanitäter tätig sein zu können. Ferner bin ich in der Rettungsdienstausbildung tätig, um den Nachwuchs im Rettungsdienst und Ehrenamtliche aus- und fortbilden zu können, im Kreisverband als auch auf Ebene des Bezirksverbandes.

Aus- und Fortbildung liegen Ihnen also sehr am Herzen?
Ohne geht es nicht. Unsere Aufgaben im Rettungsdienst und beim Roten Kreuz sind stetigen Änderungen und neuen Anforderungen unterworfen. Nehmen Sie das neue Berufsbild des Notfallsanitäters: Für Berufsanfänger ist das jetzt eine dreijährige Vollzeitausbildung. Bisherige Rettungsassistenten haben die Möglichkeit, sich zum Notfallsanitäter weiterbilden zu lassen.
Diese Möglichkeit haben Sie
genutzt?
Ja, das sollte nach Möglichkeit jeder Rettungsassistent tun. Ich war in unserem Kreisverband einer der ersten, der die Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter abgelegt hat, und arbeite seit 1. Dezember 2017 als Notfallsanitäter. Zudem bin ich als stellvertretender Qualitätsmanagementbeauftragter im Kreisverband eingesetzt, Hygienebeauftragter, Projektleiter Telematik und als Personalrat tätig.

Die Digitalisierung im Rettungsdienst gewinnt immer mehr an Bedeutung. Können Sie Beispiele nennen?
Die Erfassung von Patientendaten, Arbeitsdiagnosen, Anamnese etcetera erfolgt heute nicht mehr schriftlich auf einem Papierprotokoll, sondern digital mit dem sogenannten Notfall-, Informations- und Dokumentationsassistenten. Das ist eine Art Laptop, mit dem Daten erfasst, der Zustand des Patienten dokumentiert und sämtliche Daten, Verdachtsdiagnosen sowie EKG und auch Fotos von Unfallstellen direkt an die aufnehmende Zielklinik gesendet werden können.

Also hat sich die Arbeit im Rettungsdienst in den letzten Jahren verändert?
Allerdings. Früher gab es für Rettungsassistenten eine sogenannte Notkompetenz mit sieben Medikamenten; heute werden neu ausgebildete Notfallsanitäter an der Berufsfachschule in Würzburg umfangreicher ausgebildet und auf 26 Medikamente geprüft. Patienten werden vom Rettungswagen aus mittels digitaler Datenübermittlung bereits vor Eintreffen in der Zielklinik mit allen relevanten Daten und Diagnosen angemeldet. Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind stark gestiegen.

Alle Rettungsorganisationen klagen über Personalmangel. Gibt es den auch in den Haßbergen?
Der Fachkräftemangel im Rettungsdienst ist nicht von der Hand zu weisen. Alle hauptamtlichen Mitarbeiter haben zahlreiche Überstunden. Qualifizierte neue Mitarbeiter haben sicher gute Einstellungschancen.

Die Einsatzzahlen steigen. Immer wieder wird von Fällen gesprochen, bei denen der Einsatz des Rettungsdienstes eigentlich nicht notwendig gewesen wäre.
Das kommt immer wieder vor. Oft sind wir ein Hausarzt-Ersatz, weil viele sich nicht mehr selbst zu helfen wissen. Da wird bei Kleinigkeiten wie starkem Husten oder Durchfall der Rettungsdienst gerufen, statt zum Hausarzt zu gehen.
Dafür gibt es doch den ärztlichen Bereitschaftsdienst...
Richtig, den sollte man immer dann anrufen, wenn man krank ist und eigentlich zu seinem Hausarzt gehen würde, der aber gerade keine Sprechstunde hat. Ebenso nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Der Bereitschaftsdienst ist unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen. Die ist vielen Menschen allerdings nicht bekannt. Deshalb wählen sie die 112 - dann kommt der Rettungsdienst.

Wer mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus eingeliefert wird, muss in der Notaufnahme nicht warten. Wird das ausgenutzt?
Das ist eine falsche Vorstellung. Jeder Patient wird in einer Notaufnahme einer Behandlungsdringlichkeit zugeordnet. Wer also mit Husten und Schnupfen mit dem Rettungsdienst kommt, muss mitunter auch mehrere Stunden warten.

Das Gespräch führte Michael Will. Der frühere Redakteur ist beim Rot-Kreuz-Kreisverband Haßberge auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.