Zum Bericht "Ruheforst sorgt für Unruhe" vom 26. Juli:

Zuerst das Positive vorweg: Es kommt etwas Bewegung in die Sache. Das Negative: Die Wortwahl einiger Herren im Stadtrat und die Tatsache, dass Teile des Kronacher Stadtrats Nichtgläubige und Andersdenkende zwangsmissionieren will.
Die Fakten: Viele Bürger wünschen sich aus persönlicher Einstellung oder aber um ihren Angehörigen, wenn überhaupt vorhanden, nach ihrem Tod nicht zur Last zu fallen, eine Beerdigung auf einem Urnenfeld oder in einem Friedwald. Viele aufgeschlossene Gemeinden bieten heute diese Form der Beerdigung an. Nur in Kronach verweigert man den Bürgern bisher ihren letzten Willen, weil dieser mit den religiösen Vorstellungen einiger Stadtratsmitglieder nicht vereinbar ist.
Vergessen wird hierbei, dass wir in Deutschland die Religionsfreiheit haben und somit auch die Freiheit, nicht religiös sein zu dürfen. Der Versuch, Andersdenkenden den eigenen religiösen Willen aufzudrängen, ist offensichtlich und so nicht in Ordnung. Mag sich jeder sein Monument nach seinem Tod bauen lassen, wie er mag. Gleichsam werde ich mir persönlich diese religiösen Todeszeremonien nicht aufdrängen lassen.
Wir Menschen sind Teil des Naturkreislaufes und hatten in der Evolution das Glück, etwas mehr Verstand und Geist entwickeln zu können als der Rest der Geschöpfe. Das ermöglicht uns vieles.
Bei den Barbareien, die in der Welt passieren, und den Umweltzerstörungen, die von uns Menschen ausgehen, ist aber erkennbar, dass wir nicht in der Lage sind, diesen Verstand sinnvoll einzusetzen. Vieles Zerstörerische passiert oder passierte im Namen irgendeiner Religion. Ich kann daher beim besten Willen nichts erkennen, was uns und unsere Religionen über andere Geschöpfe stellt und warum wir ein solches Gewese um unseren Tod machen sollten.
Unserer Natur ist es gegeben, sich zu vermehren und zu gegebener Zeit abzutreten. Das kann man mit großem Aufgebot tun, man sollte aber Andersdenkenden selbst überlassen, ob dies für sie der angemessene Weg ist. Nicht jeder mag die Bugwelle seiner eigenen Bedeutung vor sich hertragen.
Und noch eins. Ethisches Verhalten ist nicht denen vorbehalten, die die Monstranz vor sich hertragen und über dessen Häuptern der Heiligenschein kreist. Ethik ist das, was man lebt, und dazu gehört auch, die Meinung anderer zu tolerieren. Auch wenn sie nicht der eigenen entspricht.

Paul Schnell
Kronach