Bislang sind in Bayern 53 Fälle der Vogelgrippe nachgewiesen, der naheste in Nürnberg. Im Fachbereich Veterinärwesen am Landratsamt laufen, was diese Tierseuche und den Landkreis betrifft, die Fäden zusammen. Wir fragten bei Amtsveterinärin Dr. Gabriele Pflaum nach.

Die aktuelle Vogelgrippe breitet sich in Deutschland und mittlerweile auch Bayern aus, wie ist Ihre Behörde hier involviert?
Seit Freitag letzter Woche wurde vom Ministerium die Stallpflicht für Geflügel angeordnet, für den Landkreis wurde sie über den Fachbereich Veterinärwesen mit diesem Montag umgesetzt, also an alle Landkreisgemeinden weitergegeben. Seit Mittwoch dieser Woche gilt übrigens auch ein Verbot für Geflügelausstellungen und Märkte. Ansonsten wurde die Thematik auch intensiv über die Medien kommuniziert.

Gibt es denn überhaupt einen Überblick darüber, wie viel Geflügel in der Region Bamberg gehalten wird?
Den gibt es, denn jeder Geflügelhalter ist laut Viehverkehrsverordnung dazu verpflichtet, seine Tiere und wenn es auch nur einige wenige sind, beim Landwirtschaftsamt und beim Veterinäramt zu melden. Demnach sind im Landkreis Bamberg insgesamt 2240 Geflügel haltende Betriebe gemeldet, bei denen sich insgesamt 34 000 Tiere befinden. Das umfasst Hühner, Enten, Gänse, Puten, Tauben, aber auch Laufvögel wie zum Beispiel Strauße, Emus und Nandus. Sie alle müssen nun so gehalten werden, dass sie nicht mit Wildvögeln und deren Exkrementen in Kontakt kommen. Das heißt nicht, dass sie strikt im Stall eingesperrt werden müssen. Der Auslauf kann etwa mit einer wirklich nach oben dichten Plane oder anderweitigen Abdeckungen geschützt werden, wichtig ist ein Überstand und ein Maschendraht an der Seite. Was man auf jeden Fall wissen muss ist, dass es eine Meldepflicht für den Seuchenverdacht gibt. Sollten also in einem Bestand mehrere Tiere an einem Tag erkranken oder sterben, muss das dann umgehend der Behörde gemeldet werden. Generell gilt, dass auf größtmögliche Hygiene zu achten ist, das heißt auch, keine Fremden in den Stall zu lassen, kein Futter offen herumstehen zu lassen, das Wildvögel anlocken könnte, auch keine Speisereste, die Geflügelfleisch enthalten zu verfüttern - was sowieso verboten ist.

Wie kontrolliert das Amt die Einhaltung der Vorgaben?
Einerseits sind wir ja viel draußen unterwegs und gehen Auffälligkeiten nach, andererseits reagieren wir auf Meldungen und Anzeigen.

Sind die Einschränkungen für Auslauf gewohnte Tiere nicht sehr einschneidend?
Auf Dauer sicherlich. Aber hier gilt der Grundsatz: Seuchenschutz vor Tierschutz. Andererseits muss man auch sehen, dass für etliches Nutzgeflügel - speziell Enten und Gänse - jetzt sowieso der Zeitpunkt gekommen wäre, wo sie geschlachtet werden, denken Sie etwa an Martini- oder Weihnachtsgänse.

Gesetzt den Fall, bei einem Halter ist ein Tier nachgewiesenermaßen an Vogelgrippe erkrankt, was passiert dann?
Dann muss der gesamte Bestand gekeult, also getötet werden. Für alle Szenarien gibt es genaue Vorgaben, konkret den sogenannten Tierseuchennotfallplan, auch dafür sind wir gerüstet.

Warum ist es so wichtig, dass Hunde in Gewässernähe angeleint sind oder Katzen dort möglichst nicht mehr umherlaufen sollen?
Es geht darum, dass sie nicht etwa infizierte tote Vögel herumschleifen und so den Erreger verbreiten. Bei Hunden ist es freilich leichter, sie unter Kontrolle zu halten als frei laufende Katzen. Derzeit sind es vor allem Zugvögel, die die Vogelgrippe verbreiten und die treten zuhauf an Gewässern auf, wo sie rasten.

Die Fragen stellte
Anette Schreiber.