Ein Jahr lang in ein völlig fremdes Land gehen und dort in einem Kindergarten mithelfen. Diesen mutigen Schritt hat die Lichtenfelserin Amelie Müller gewagt. Die 18-Jährige ist nun für zwölf Monate innerhalb eines Weltfreiwilligendienstes in Tansania zu Hause.

Das Land in Ostafrika ist auf dem Kontinent mit 57,3 Millionen Einwohner das fünft Größte und es werden dort bis zu 125 verschiedene Sprachen gesprochen. Die Banane ist ein sehr beliebtes Obst: Es gibt dort 17 verschiedene Sorten und sogar ein Bananenbier im nördlichen Teil Tansanias.

Was Amelie Müller an dem Land reizt und wie sie auf die Idee für den Auslandaufenthalt gekommen ist, hat sie im Interview erzählt.

Du lebst jetzt ein Jahr in Afrika. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Amelie Müller: Ich wollte da schon immer hin. Mein Vater hat in Afrika schon einmal ein halbes Jahr lang Praktikum gemacht. Er hat so viele tolle Dinge erzählt und da wusste ich dann, dass ich da auch mal hin will. Deshalb wollte ich die Zeit zwischen Abitur und Studium dafür nutzen.

Das ist mit Visum und Einreisebestimmungen sicherlich sehr schwierig. Wie hast du das Ganze organisiert?

Das stimmt. Zunächst wollte ich alles selbst planen, aber allein ein Visum zu bekommen war schon kompliziert. Dann habe ich mich für den Weltfreiwilligendienst "weltwärts" beim Bund der Katholischen Jugend (BKJ) in Würzburg entschieden.

Ich fand unter den ausgeschriebenen freien Stellen ein Projekt in einem Kindergarten in Tansania. Da habe ich mir dann gedacht, dass das gut zu mir passt. Bei der Vorbereitung hat mir der BKJ sehr viel geholfen. Sie haben sich zum Beispiel um das Visum, die Versicherung den Flug und auch um die Unterkunft und die Verpflegung gekümmert.

Das klingt auch nicht unbedingt billig. Wie wird das Ganze finanziert?

75 Prozent der Kosten werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen; die anderen 25 Prozent übernimmt dann die Entsendeorganisation. Wir sollen uns da aber auch immer engagieren und ein Spendenkonto einrichten.

Du hast also auch selbst schon besondere Aktionen für das Spendenkonto gestartet? Was hast du denn gemacht?

Ich habe eine Abschiedsparty gemacht und dafür auch eine Spendendose aufgestellt. Außerdem habe ich einen kleinen Flohmarkt organisiert, bei dem ich Spielsachen verkauft habe. Und ich habe noch einige Unternehmen aus unserer Region angeschrieben. Das Geld geht dann an den BKJ Würzburg.

Tansania hat ja doch eine völlig andere Kultur als wir. Wurdest du darauf vorbereitet?

Ja, ich war schon zwei Mal für fünf Tage auf einem Vorbereitungsseminar. Da haben wir über Krankheiten in den Tropen, über interkulturelle Kommunikation, Entwicklungspolitik und Krisenmanagement geredet.

Natürlich war auch der Kulturschock ein Thema. Nach sechs Monaten ist auch ein Treffen mit anderen Freiwilligen geplant und ein Nachbereitungsseminar steht dann auch noch an.

Du hast dir ein Projekt in einem Kindergarten ausgesucht. Was machst du da genau?

Ich unterstütze dort die Erzieherinnen in der Pfarrei Njombe. Es finden auch jeden Tag zwei Stunden Unterricht statt, in denen die Kinder Englisch aber auch Kiswahili sprechen. Ich kann beim Korrigieren der Hausaufgaben helfen, Tafelbilder anschreiben und natürlich auch mit den Kindern spielen.

Eine andere Freiwillige hat mir erzählt, dass sie sprachlich ziemliche Schwierigkeiten hat. Sie hat dann einen Tag im Kindergarten gearbeitet und die anderen Tage in einer Schule und einer Bank, die Kredite an Bauern vergibt.

Wohnst du dort dann in einer Gastfamilie?

Nicht ganz. (lacht) Ich bin bei einer "Gastoma" untergebracht. Sie ist Bischofssekretärin und hat ein kleines Häuschen, wo ich dann mein Zimmer habe.

Worauf freust du dich denn schon besonders?

Ich freue mich schon sehr darauf, die Kinder und Menschen kennenzulernen. Und natürlich auch auf die Kultur.

Gibt es auch etwas wovor du Angst hast?

Zum einen auf alle Fälle die Sprache. Kiswahili ist eine völlig andere Sprache und da habe ich etwas Angst, dass das mit der Kommunikation nicht so gut funktioniert. Viele der Erzieherinnen können auch nicht so gut Englisch. Und vor dem Heimweh hab ich auch Angst.

Kommt dich deine Familie dann auch mal besuchen?

Ja, klar. Aber das ist erst nach sechs Monaten "erlaubt", weil sonst einfach die Gefahr da ist, dass man aus dem Alltag dort raus gerissen wird und auch aus der Sprache rauskommt, weil man dann wieder deutsch spricht. Weihnachten sollen wir auch hier bleiben, weil wir sehen sollen, wie hier gefeiert wird.

Gibt es irgendein landestypisches Essen, das du auf alle Fälle probieren willst?

Ich bin auf Ugali, das ist ein sehr fester Maisbrei, gespannt. Den gibt es fast immer.

Außerdem gibt es noch Pommes mit Ei, Chipsi Mayai. Das ist ein typisches Nationalgericht in Tansania.

Wird es bei dir danach auch ein Beruf in dem du mit Kindern zu tun hast?

Nein, eher nicht. Ich möchte gerne Umweltingenieurswissenschaft studieren. Das ist eine Mischung aus Chemie und Biologie, die mich sehr interessiert. Das Gespräch führte Theresa Schiffl.