von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Herzogenaurach — Der Überlieferung nach sollen Gänse durch ihr Geschnatter den Heiligen Martin verraten haben, als er sich vor seinem Amt als Bischof "drücken" wollte. Sollte dies der Grund dafür sein, dass es ihnen besonders um Martini an den Kragen geht? Tatsache ist jedoch, dass die Gänse im November am fettesten sind und sich daher quasi von selbst als Braten empfehlen. Auch in Herzogenaurach war das Federvieh im November wichtig, ein Spruch besagt: "Ein Narr, der im Novembermond das Lebenslicht der Gans verschont!"
Am 11. November erhielten Lehrer und Pfarrer, aber auch weltliche und geistliche Grundherren ihre Martinsgänse als Abgabe. Denn dieser Tag war ein wichtiger Zins- und Steuertermin. Alte Herzogenauracher erinnern sich noch an die Haltung von Gänsen in Herzogenaurach in den 1920er-Jahren. Viele Familien hielten sich zwei Gänse und einen Ganter. In Herzogenaurach war es so geregelt, dass die alten Tiere vom Gänsehirten, die Jungvögel dagegen von den Kindern in der eigenen Familie gehütet wurden.
Es existierte die Vorschrift, dass die Gänse nur durch den städtischen Gänsehirten gehütet werden durften. Dadurch sollte vor allem verhindert werden, dass das Federvieh unkontrolliert durch die Äcker streifte. Denn auch die Hüteplätze waren vorgegeben. Die alte Gänse wurden von Gänsehirt Georg Zollhöfer, dem "Baggers'n Gerch", in der Stadt zusammengetrieben und bis 17 Uhr gehütet. Der "Gänswoosn" lag dort, wo sich heute die Häuserblöcke an der Nutzung befinden. Am "Gänswoosn" waren zwischen Pflöcken Seile gespannt, damit die Gänse sich nicht "verliefen". Sie gründelten und ästen dort herum. Das Hüten kostete die Besitzer in den Jahren nach der Inflation 10 Pfennig in der Woche. Um 17 Uhr durften die Gänse wieder heim, wo das Fressen auf sie wartete. Wenn sie freigelassen wurden, stürmten sie zuerst auf den Wiwaweiher zu, um sich im Wasser zu erfrischen. Der Heimweg führte sie dann durch die Adlerstraße. Diese besaß lediglich links und rechts Wasserablaufrinnen, die Straße war nicht befestigt, beim Durchmarsch der Gänse staubte es daher gewaltig, da sie ja auch mit den Flügeln schlugen. Auf dem Weg durch die Stadt fand jede Gans ihren Bestimmungsort selber, "klinkte" sich aus der Herde aus und ging in ihren Stall.
Dass überall in unserer Gegend Gänse aufgezogen wurden, ist an einem Spottgedicht zu ersehen: "Etzelskerchen und Nankendorf lieg'n so sehr am Teich,
wenns a Herdla Gäns verkaf'n, maanen's, sie senn scho reich."