Sankt Georg, der legendäre Drachentöter aus dem Altertum, kreuzt heute die Klingen mit den schrecklichen Ungeheuern der Neuzeit: Profitgeiern, Blutsaugern und Halsabschneidern.

Die romanhafte und sagenumwobene Lebensgeschichte des heiligen Georg erzählt von einem furchtlosen jugendlichen Ritter aus dem oströmischen Hinterland. Sein mutiger Kampf und sein glorreicher Sieg über den gierigen, nimmersatten, rücksichtslosen, menschenfressenden Drachen wird gefeiert als Triumpf des Göttlichen über das Teuflische, als Sieg des Guten über das Böse. Der Streiter Gottes starb während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod.

Obwohl seine Ritterlichkeit im Vordergrund steht, ist der heilige Georg bei den Bauern ein gern gesehener Gast, sein Namenstag ist ein wichtiger Lostag im Bauernjahr.

Der Name "Georgos" bedeutet im Griechischen ja auch Landwirt. Zum Kirchenpatron auserkoren ist er in den Pfarrgemeinden Friesen, Marienroth und Wolfersgrün. Seine Aura erstrahlt auf den altehrwürdigen Sandsteinmarterln in Brauersdorf, Dörfles, Gifting, Hirschfeld, Gundelsdorf, Knellendorf, Kronach, Letzenhof, Nordhalben, Wallenfels, Wickendorf und Wolfersdorf.

Fürbitte

"Blick Herr auf seine Siege hin und schenk uns seinen Mut und Sinn. Er fleh' für uns um Gnad' und Kraft, die Sieg in jedem Kampfe schafft", heißt die Fürbitte im Tarifkonflikt mit drachenähnlichen Monstern wie Profitgeiern, Blutsaugern und Halsabschneidern. Der nimmersatte "Draco korrupti" in den weiten Sumpfgebieten von Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft mutiert indes zur schier unbezwingbaren Hydra, die sogar einem "ausgepichten Himmelhund" so langsam ungeheuerlich wird.

Als alten "Haabücha" und "Greistenkerl" würdigt der Frankenwäldler so Leute wie den heiligen Georg. Im Ringen um mehr soziale Gerechtigkeit läge der "Haudegen Gottes" heute voll im Trend. Eine Renaissance erfährt zumindest schon mal der charmante frankenwäldlerische Dialekt. Im globalen Kauderwelsch der Neuzeit finden sich, Gott sei's gedankt, immer öfter so klangvolle Namen wie Görch und Görchla, wie Schosch und Schoschla. Die einen gehören zu den Legenden, die anderen zu den Kultfiguren im Frankenwald. Der heilige Georg ist Schutzpatron der Pferde und Reiter, der Kreuzfahrer und Ordensritter. Als "oberster Boss" der Pfadfinder ist er Leitfigur für die Jugend. In der Gemeinschaft der 14 Nothelfer spannt sich sein Wirkungsbereich vom pickelharten Drachentöter bis hin zum butterweichen Protektor im Streichelzoo bei Goldfisch, Hamster & Co.

Der Sankt-Georgstag symbolisiert den Sieg des Lichtes und der Wärme über Kälte und Dunkelheit und damit die Überwindung des Todes durch das Leben. Im Passionar des deutschen Mittelalters vermerkt der Chronist: "Sant Jörg, der edel ritter, der bringet uns den maien. Das die frawen und die man gen mit einander raien". ag