Roland Schönmüller

Landkreis Kronach —  Am 31. Dezember ist der Gedenktag des heiligen Silvester. "Silvester" - hört man diesen Namen, denkt man wohl in erster Linie an festliches Essen, auf das Warten des Jahreswechsels, die Vorbereitung von Feuerwerk und Böller, an beliebte Fernseh-Sendungen (wie "Dinner for one"), gemeinsame Spiele sowie an die wenigen, spannenden Minuten vor dem Anstoßen zum Neuen Jahr. Kaum jemand wird sich die Mühe machen, sich näher mit dem Heiligen Silvester zu befassen, der dem letzten Tag im Jahr den bedeutenden Namen gab.

Papst Silvester I. lebte Anfang des vierten Jahrhunderts in Rom. Als Oberhaupt der katholischen Kirche (314 - 335) wirkte er in einer für die Christenheit besonders wichtigen Zeit. Die furchtbaren Christenverfolgungen waren zu Ende und es begann für die Gläubigen eine neue freudenreiche und friedvolle Zeit. Das Christentum wurde Staatsreligion.

In das Pontifikat von Papst Silvester I. fiel das Erste Allgemeine Konzil von Nicäa in der heutigen Türkei und die Regierungszeit von Kaiser Konstantin, der das Christentum zur Staatsreligion machte, den Kirchenstaat großzügig unterstützte und Gotteshäuser errichten ließ. Über dem Petrus-Grab entstand damals die erste Peterskirche in Rom. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, ließ sich wie ihr Sohn bekehren und taufen.

Frühe Verehrung in Bamberg

Bereits seit dem fünften Jahrhundert wird Silvester I. als Schutzheiliger gefeiert. Bald wird er europaweit angerufen als Patron der Haustiere, für eine reiche Futterernte und für "ein gutes, neues Jahr". Seine Wundertaten sind legendär wie außergewöhnliche Heilungen, Befreiungen oder Wiedererweckungen, werden gerne weiter erzählt. Die früheste Verehrung des Papstes Silvester in Deutschland ist im elften Jahrhundert in Bamberg nachweisbar. Papst Silvester I. sieht man meist im päpstlichen Ornat abgebildet. Weitere Attribute sind Stab, Buch und Legenden-Tiere (Stier, Schlange, Drache). Gemeinsame Darstellungen gibt es mit Kaiser Konstantin und dessen Mutter Helena.

Umzüge und Umritte

Fest im Brauchtum verwurzelt bildet die Silvesternacht eines der wichtigsten Ereignisse im Jahresablauf vieler Menschen. Jung und Alt begehen feierlich oder besinnlich diesen außergewöhnlichen Tag und vor allem die spezielle Nacht. Auch der nachfolgende Neujahrstag, der erste Januar, ist ein beliebter Festtag. Kirchliche Jahresschlussfeiern und Altjahres-Abendgottesdienste erinnerten bis 2019, vor Corona, an festliche Höhepunkte in Stadt und Land. Pietätsvoll gedachten die Angehörigen ihrer Verstorbenen im vergangenen Jahr.

Mancherorts gab es im süddeutschen Raum Umzüge und Prozessionen in der Silvesternacht mit Laternen und Fackeln, mit Gebeten, Gesängen, Predigten und Ansprachen. Auch Pferde-Umritte sind überliefert, ebenso wurde getrommelt, gesungen, Musik gespielt und Neujahrsständchen vorgetragen.

Alte Silvester-Darstellungen in der bildenden Kunst zeigen verschneite Landschaften, Dörfer und Städte in der Winternacht und das Turmblasen von profanen oder sakralen Gebäuden. "Prosit Neujahr" heißt es dann in der letzten Silvesterabend-Sekunde, Glocken beginnen zu läuten und Sektkorken knallen. Auf strahlende Lichterspiele und farbige Feuerwerks-Darbietungen am Neujahrshimmel wird diesmal an Silvester offiziell verzichtet, ebenso auf gemeinsame Treffen im Freien oder in Gaststätten.

Wünsche und Geschenke

Geblieben sind die Neujahrswünsche, die 2021 auf anderen kommunikativen Wegen sicherlich ihre Adressaten erreichen. Neujahrsbrezeln (oft in Übergröße) aus feinem Hefeteig gab es einst für die Kinder als Paten-oder Heischegeschenk. In den Bäckereien warten sie schon Tage vor Silvester auf ihre Käufer.

Humorvoll klangen einst die Sprüche der jungen Neujahrwünscher aus Franken: "Prost Neujohr! Brezel wie e Scheiertor, Wurst wie e Oferohr, Kuche wie e Mühlerad, wern mer all minanner satt!"

Oder: "Prost Neujahr! Ich bin der kleine König Gebt mir nicht zu wenig, Lasst mich nicht zu lang stehen, sonst krieg' ich krumme Been!"