Daumen hoch für das "Windhundprinzip" in Marktrodach. Dahinter steckt, wie die jüngste Gemeinderatssitzung in der Rodachtalhalle zeigte, die zügige Bearbeitung besonders für ein Bauvorhaben, das von der Förderoffensive Nordostbayern betroffen ist: das ehemalige Rathaus in der Kulmbacher Straße 5. Für dieses Anwesen liegt schon seit längerem eine Machbarkeitsstudie vor, bereits 2018 wurden entsprechende Planungen vorgestellt.

Grund für die Eile und dafür, dass man überhaupt ein "Windhundprinzip" anwenden musste, war die Tatsache, dass die Regierung von Oberfranken die Eingabefrist auf den 3. Juli vorverlegt hatte. Nun legte Architek Thomas Kleylein - aufbauend auf eben dieser Machbarkeitsstudie - seine Planungen vor. Wie vom Gemeinderat in seiner Sitzung am 25. März 2019 beschlossen, soll das Anwesen als Ärztehaus genutzt werden. Wohlwollend besprochen habe man in diesem Zusammenhang auch die Verkehrssituation mit den Grundstücksnachbarn. Bürgermeister Norbert Gräbner (ÜWG) stellte eine Regelung mit Einbahnverkehr in Aussicht. "Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Verwirklichung," zeigte er sich vom Bauvorhaben begeistert.

Aufzug für die Patienten

"Wir haben das gesamte Gebäude überplant und weiterentwickelt", verkündete Kleylein in der Sitzung. So informierte er sowohl über den gesamten Außenbereich sowie die Zufahrtssituation. "An drei Fassaden wird sich wenig ändern." Da aber ein Haus in der Regel vier Fassaden hat, musste da noch etwas kommen: "Nach hinten verlegt wird der Eingang mit drei oder vier Stufen und einer Rampe."

Ein schicker Aufzug, der sich in einer Stahl-Glas-Konstruktion präsentieren soll, werde künftige Patienten und Besucher ins obere Stockwerk transportieren. "Dieser Aufzug ist als separater Baukörper zu sehen," erklärte Kleylein den Spagat zwischen historischem, denkmalgeschütztem Gebäude und dieser stylischen Konstruktion. Die restlichen Fassaden selbst werden sich wenig verändern, versprach er, hier werde das Sandsteinmauerwerk gereinigt und gegebenenfalls nachverputzt. Die Fenster müsse man zwar auswechseln, allerdings würde man sie selbstverständlich der historischen Fassade anpassen. "Das Dach wird neu gedeckt, aber die Konstruktion ist in einem guten Zustand."

Und dann lud Kleylein seine gespannten Zuhörer zu einem virtuellen Rundgang ins Gebäude ein. "Die zwei Praxen im Erdgeschoss und im Obergeschoss sind fast baugleich. Unten wird es drei Behandlungsräume geben, außerdem ein Labor, einen Wartebereich, ein Büro und einen Personalraum mit Toilette und Dusche. Und natürlich ein Patienten-WC." Diese Aufteilung werde sich im Obergeschoss widerspiegeln und auch die Quadratmeterzahl von 136 unten und 140 oben spreche für gleiche Voraussetzungen.

Das Dachgeschoss will man künftig als Lagerraum nutzen und der Keller werde sich kaum verändern. Und auch falls man die Räume an die Wünsche der Ärzte anpassen müsste, könne man immer flexibel reagieren, sagte Bauamtsleiterin Katja Wich. Möglich mache das die Trockenbauweise.

Bleiben noch die Fragen nach den Kosten und dem Baubeginn. Die Kosten bezifferte Kleylein mit 1,28 Millionen Euro, Baubeginn soll im Februar 2021 sein.

Fragen aus dem Gremium ergaben sich am Ende des Vortrags von Thomas Kleylein. Bezüglich der Bushaltestelle oder vielleicht sogar eines Bushäuschens vor dem Anwesen gab Gräbner folgende Auskunft: "Wir müssen das neue Mobilitätskonzept des Landkreises im August abwarten, das sorgt überall für einen Umbruch."

Was geht am Hirtensteg vor?

Ein anderes Anliegen beschäftigte sich mit dem Hirtensteg und die begonnenen Arbeiten zum Abriss. Hier hatten nämlich besorgte Bürger zwei Arbeiter und einen kleinen Bagger auf dem Steg beobachtet, und die wunderten sich, da eine Nutzung für Fußgänger ja schon seit langem verboten sei. Kleylein: "Die Firma arbeitet auf eigene Gefahr. Sie entfernen gerade den Belag und in etwa vier Wochen wird der Steg im Ganzen angehoben und entfernt."

Fragen zur Friedhofsstraße

Ein anderes Anliegen betraf die Friedhofsstraße und das gleich in zweifacher Hinsicht. Einmal hatte ein Bürger nachgefragt, ob man bei einer Beerdigung nicht entsprechende Schilder aufstellen könne, denn durch den Trauergottesdienst vor dem Leichenhaus käme es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen. Außerdem ging es um den Zustand der Friedhofsstraße und ob die im Zuge des Projekts "Schallersgarten" vielleicht ebenfalls ein "Makeover" verpasst bekäme. Hierzu meinte der Bürgermeister: "Die Straße ist nicht im Förderprogramm. Wir werden die Mauer stabilisieren und daran entlang einen Fuß- und Radweg anlegen. Die Straße selbst müssen wir jeweils mit den ,normalen Unterhaltsmitteln' instand setzen."