Seitdem die Firma Schaeffler im September ihre weitreichenden Abbaupläne in Deutschland ankündigte, liefen die Aktivitäten von Betriebsrat und IG Metall trotz Corona auf Hochtouren. Das große Ziel: Widerstand gegen die Pläne organisieren, die Maßnahmen des Konzerns auf den Prüfstand stellen und Alternativen entwickeln. Zur Unterstützung beauftragte der Betriebsrat hierfür die arbeitnehmernahen Berater des Info-Instituts. In der vergangenen Woche wurden nun bei bisher sechs Terminen dem Arbeitgeber die Gutachten des Info-Instituts vorgestellt.

Für die stark betroffenen Standorte im Bereich Industrie in Eltmann und Wuppertal sowie in Teilbereichen der Standorte Schweinfurt und Höchstadt wurde ein gemeinsames Alternativpaket präsentiert. Auch dieses Konzept sieht vor, dass Produkte wegfallen oder innerhalb der Standorte verschoben werden, aber es soll auch Bereiche geben, die ausgebaut werden oder neu dazukommen. Anders als vom Arbeitgeber vorgesehen, wären deutlich weniger Arbeitsplätze betroffen. Die Folgen der geplanten Betriebsänderung, die zu einem hohen Arbeitsplatzverlust führen würde, könnten so deutlich minimiert werden.

Auch IG Metall will Gewinne

"Das Konzept der Arbeitnehmerseite ist ausgewogen und mit Augenmaß", kommentiert Martin Feder, der vonseiten der IG Metall die Verhandlungen begleitet, den Ansatz der Interessenvertretung. "Der Arbeitgeber nennt sein Programm Space und zielt vor allem auf die Stärkung der Renditen ab. Wir möchten unter dem Begriff ,fair Space‘ die Alternativen sammeln, die sowohl Gewinne sichern, aber die Belange der Arbeitnehmer und ihre Standorte sehr viel stärker würdigen."

Auch in den anderen Bereichen des Konzerns werden nun vom Betriebsrat ähnliche Konzepte vorgelegt. Das gilt vor allem für den Standort Höchstadt, der auch von den Plänen im Bereich Werkzeugbau betroffen ist. Im nächsten Schritt wird die Arbeitgeberseite ihrerseits die Gutachten prüfen.

Am heutigen Donnerstag wird der nächste Gesprächstermin zwischen Betriebsrat, IG Metall und der Arbeitgeberseite stattfinden. "Unsere Strategie wird sein, einen soliden Zukunftsplan für Schaeffler Höchstadt zu verhandeln - mit einem starken Personalstand und einem effizienten Produktportfolio", beschreibt Roland Holler, Betriebsratsvorsitzender am Standort Höchstadt, die Erwartungshaltung an den Vorstand.

Im September hatte Schaeffler mit dem Programm "Space" weitreichende Abbaupläne angekündigt. Insgesamt möchte der Konzern in Deutschland 4400 Arbeitsplätze an 17 Standorten abbauen, sechs Standorte zudem gänzlich schließen, verlagern oder verkaufen.

Flächendeckend kam es seitdem regelmäßig zu Protestkundgebungen an den Schaeffler-Standorten. red