Hebamme ist nicht nur der wohl älteste Beruf der Welt sondern für viele Schulabsolventinnen nach wie vor ein echter Traumjob. Auch für Nadine Piskol (25) und Luzie Dück (20) aus Kulmbach und Sophia Tempel (18) aus Fölschnitz war klar: Sie wollen Geburtshelferin werden. Im Herbst haben sie ihre Ausbildung begonnen, und die ist etwas besonderes. Die drei gehören nämlich zu den ersten dualen Studentinnen der Hebammenkunde in der Region. Der noch ganz junge Bachelor-Studiengang wird seit Oktober von der Fachhochschule Coburg in Zusammenarbeit mit örtlichen Kliniken angeboten. Zu den Praxispartnern gehört auch das Klinikum Kulmbach, das mit den Nachwuchskräften Ausbildungsverträge abgeschlossen hat.

Rund 50 Bewerbungen gab es für die drei Stellen am Kulmbacher Klinikum, unter anderem sogar aus München und Dresden. Dass gerade Nadine Piskol, Sophia Tempel und Luzie Dück die begehrten Plätze ergattern konnten, hat gute Gründe. Die drei haben einschlägige Praktika in Hebammenpraxen und auf Geburtsstationen vorzuweisen, und "wir versuchen möglichst heimatnah einzustellen", sagt leitende Hebamme Ute Mötsch. Aktuell läuft die Bewerbungsrunde für den nächsten Herbst, diesmal werden zwei duale Studienplätze am Klinikum vergeben. Wieder kommen die Anfragen aus ganz Deutschland. Ausschließlich von Frauen übrigens - die Geburtshilfe in Kulmbach ist fest in weiblicher Hand.

Doch wenn der Hebammen-Beruf derart begehrt ist, wie kann es dann zu personellen Engpässen wie im vergangenen Jahr auf der Geburtsstation kommen? "Es gab in Deutschland noch nie so viele Hebammen wie jetzt, aber uns fehlt die Hebamme an der Basis", sagt Ute Mötsch. Drei mal musste der Kreißsaal im März und Juni geschlossen werden, nachdem sich fünf der neun Hebammen krank gemeldet hatten und kein kurzfristiger Ersatz gefunden werden konnte. "Wir würden sofort zwei oder drei Hebammen fest anstellen", hatte Klinikums-Geschäftsführerin Brigitte Angermann damals erklärt, aber es sei sehr schwer, neue Kräfte zu gewinnen.

Seitdem hat sich einiges getan. "Es konnten sowohl Hebammen aus der Region als auch aus dem europäischen Ausland angeworben werden", so Angermann. Zehn fest angestellte Geburtshelferinnen, dazu noch zwei, die sich gerade im Anerkennungsjahr befinden, arbeiten aktuell im Kreißsaal. Die etwas dickere Personaldecke lässt es sogar zu, dass ab März die Früh- und Spätdienste doppelt besetzt werden können.

"Freue mich auf jeden Tag"

Und dann sind da ja jetzt noch die Hebammen-Studentinnen, die die vier Vollzeit- und acht Teilzeitkräfte unterstützen und auch nach dem Ende ihrer Ausbildung sicher für drei weitere Jahre am Klinikum Kulmbach arbeiten werden. Die jungen Frauen wissen, worauf sie sich einlassen: fordernde Schichtdienste und eine Bezahlung, die der Höhe der Verantwortung nicht unbedingt angemessen ist. Sie haben sich dennoch ganz bewusst für diesen Weg entschieden. "Ich gehe jeden Abend zufrieden nach Hause und freue mich, dass ich am nächsten Tag wieder kommen darf", sagt Nadine Piskol. Das war in ihrem ersten Beruf - sie hat Industriekauffrau gelernt - nicht so, "das war nichts, was mich erfüllt hat".

Seit Anfang Februar ist die 25-Jährige ebenso wie ihre Kommilitoninnen Sophia Tempel und Luzie Dück am Kulmbacher Klinikum im Praxiseinsatz. Er wird bis Ende April dauern, und dann geht es wieder zurück an die Hochschule. Sieben Semester, also dreieinhalb Jahre dauert das Studium, das seit diesem Jahr die einzige Ausbildungsmöglichkeit für Hebammen ist. Theorie und Praxis wechseln sich etwa zur Hälfte ab. "Der hohe Praxisanteil ist enorm wichtig", sagt Ute Mötsch. Denn: "Der Hebammenberuf ist ein Handwerk und erfordert ganz viel Intuition und Bauchgefühl."

Beides dürfen die drei angehenden Geburtshelferinnen nun im Kreißsaal unter Beweis stellen. Nadine, Sophia und Luzie sind in allen drei Schichten (früh, spät, nachts) eingesetzt und haben mittlerweile so manche Geburt miterlebt - Luzie einmal sogar vier an einem einzigen Wochenende. Die Studentinnen tasten sich nun im wahrsten Sinne des Wortes langsam an ihren Traumberuf heran. Sie lernen erste Handgriffe und Untersuchungsmethoden bei den Schwangeren, hören die Herztöne der Babys im Mutterleib ab und stehen bei den Entbindungen den werdenden Eltern kraftspendend zur Seite. "Die Frauen schätzen den Beistand und sagen, ,schön dass Sie da sind'. Man fühlt sich so gebraucht", beschreibt Sophia Tempel ihre Motivation.

Auch auf der Wöchnerinnen-Station sind die Studentinnen im Einsatz. Sie baden und wiegen die Babys, betreuen die Mütter und begleiten den Kinderarzt bei den Untersuchungen. Ausgebildet werden sie während ihrer Praxiszeiten im Klinikum von drei Praxisanleiterinnen. Franziska Kraus ist eine davon. Sie weiß, dass die Geburten das absolute Highlight für die Nachwuchskräfte sind. "Ich bin selbst seit sechs Jahren Hebamme, aber es ist immer noch aufregend, und man kriegt nie Routine."

Geburt früher und heute

Kraus findet es gut, dass Hebammen nun studieren müssen. Es sei die logische Konsequenz der ständig komplexer gewordenen Anforderungen an diesen Beruf. Und auch Ute Mötsch weiß aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, dass sich viel verändert hat beim Thema Geburt und eine entsprechende Weiterentwicklung der Ausbildung unumgänglich war. "Früher war eine Geburt einfach ein natürlicher Vorgang, heute ist sie ein Event."

Dass sie bei diesem Ereignis nun regelmäßig dabei sein und in Zukunft auch verstärkt mit "anpacken" dürfen - darauf freuen sich Nadine Piskol, Luzie Dück und Sophia Tempel schon riesig.