Weise lächelte Buddha von der Leinwand, die für den Dies Academicus in der Universitäts-Aula aufgebaut war. Die asiatische Gottheit verkündete förmlich eine Botschaft, die als Leitmotiv der altehrwürdigen Otto-Friedrich-Universität gelten könnte: "unermüdlich, wissensklar, achtsam
und frei von Verlangen und Betrübnis" - so solle wohl Forschung und Lehre sein.
So klang auch der Rückblick auf das vergangene akademische Jahr, den Universitätspräsident Godehard Ruppert entfaltete, alles andere als betrübt. Im Gegenteil! Professor Ruppert bilanzierte eine "Erfolgsgeschichte" der "alten und neuen Universität mit einem neuen Profil in alten Mauern". Ja, der Redner sprach sogar von einem "unverwechselbaren Profil" und "Alleinstellungsmerkmalen" in der deutschen Hochschullandschaft. Dabei fokussierte Ruppert die "Stärken der sogenannten Kleinen Fächer", die nicht nur interdisziplinäre Herausforderungen, sondern auch Chancen schaffen: "Das spricht sich langfristig herum."
Als Beispiel führte der Uni-Präsident experimentelle Archäologie an, die zusammen mit zwei tschechischen Universitäten in den Studienplänen der archäologischen Studiengänge verankert werden soll. Auch mit dem geistes- und kulturwissenschaftlichen Projekt "Sprache der Objekte", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werde, sei die Bamberger Universität einzigartig.
"Kulturwissenschaft des Vorderen Orients", erster Lehrstuhl in Deutschland für Digitale Denkmaltechnologien, neues Fachforum Verbundpromotion im Rahmen des Bayerischen Wissenschaftsforums, Ars-Legendi Fakultätenpreis für gute Lehre, Zugang eines humaoiden Roboters in der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik, Studierendenzahl auf einem Allzeithoch gegen den Trend: Godehard Ruppert resümierte in einem breitgefächerten Kaleidoskop einige Volltreffer universitärer Einsätze.
Ein kritischer Seitenhieb auf die deutschen föderalen Spielregeln im Blick auf Drittmittel fehlte nicht: "Wir benötigen eine auskömmlichere Grundausstattung, wenn Forschung weiterhin erfolgreich, risikobesetzt und ohne Themensetting frei ermöglicht werden soll", erklärte Ruppert. Die Unterstützung des Staates sei der Universität zwar gewiss. Doch die Gelder würden neben der Sicherheit auch Grenzen mitgeben, die nur über die Hilfe und Unterstützung von außen überwunden werden könnten. Der Präsident dankte
in diesem Zusammenhang besonders den Mitgliedern des Universitätsbundes, die mit ihren Zuwendungen Ausgaben ermöglichen, für die es sonst keinen Finanzierungsweg gebe.
Ja, und dann kam eben Buddha während des Dies Academicus ins Spiel. Vielmehr sein als Reliquie verehrter Zahn im Tempel von Kandy in Sri Lanka. Rainer Drewello, Professor für Restaurierungswissenschaft in der Baudenkmalpflege und Sprecher des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien, sorgte mit seinem Festvortrag für einen Hauch Exotik in der Uni-Aula. Drewello stellte das vom Auswärtigen Amt geförderte Forschungsprojekt vor, dessen Ziel die Digitalisierung und Dokumentation des Zahntempels Sri Dalada Maligawa war - eines der wichtigsten singhalesischen Kulturgüter und die bede utendste buddhistische Pilgerstätte des Landes.
Kurzweilig berichtete der Professor von den Arbeiten seines Teams in Sri Lanka, das mit modernster Laser-Technik 3-D-Scans von der "hybriden Architektur" der Tempelanlage erstellt hat. Grundplan, Querschnitte und Ansichtspläne aller wichtigen Details liegen nun vor: "Unser Beitrag zum kulturellen Erbe", zog Drewello das Fazit.
Auch die Singhalesen sind davon so begeistert, dass sie mit der Bamberger Universität einen weiteren Kooperationsvertrag geschlossen haben: Der Central Cultural Fund Sri Lanka möchte die Bamberger Expertise nutzen, um zwei weitere Stätten der Unesco-Welterbeliste von den Franken dokumentieren zu lassen. Darauf wies Professor Ruppert mit einem gewissen Stolz hin.
Der Festakt - stimmig begleitet von der Jazz-Combo des Lehrstuhls für Musikpädagogik - schloss mit der Auszeichnung herausragender Nachwuchswissenschaftler und wissenschaftlerinnen sowie Studierender der Universität. Zwei Habilitationspreise (für Clemens Draxler und Katrin Rentzsch) und vier Promotionspreise (für Uwe Messer, Lisa Suckert, Lars Kröger, Margit Fuchs) wurden verliehen, die von der Universität, der Sparkasse Bamberg, dem Universitätsbund, dem Soroptimist Club Bamberg-Kunigunde sowie der Otto-Meyer-und-Elisabeth-Roth-Stiftung gestiftet wurden.
Den DAAD-Preis für hervorragende ausländische Studierende erhielt Roman Zabolotnii, den Fritzi!-Preis für gute Abschlussarbeiten Studierender mit Kind Ralf Burkard und Sandra Blechinger.
Marion Krüger-Hundrup