Die Vernissagen des Kunstvereins Kulmbach e.V. sind seit seiner Gründung stets sehr gut besucht - doch was kann man tun, um auch die laufenden Ausstellungen zu beleben? "Aktion" heißt das Zauberwort für die diesjährige Mitgliederausstellung, die noch bis 24. Juli in der Oberen Stadtgalerie zu besichtigen ist.
Aktion bedeutet dabei eine Mitmachaktion, wie bei der Künstlerin Hye-Jeong Chung-Lang, die am 11. Juni in die Holzschnitt-Drucktechnik einführte, oder einfach einem Künstler mal über die Schulter zu schauen, wie am 9. und 10. Juli bei Andreas Schobert, der in seinem Atelier in der Oberen Stadt 10 Besuchern bereitwillig Rede und Antwort zu seiner Maltechnik des "künstlichen Rostens" stand. Schobert zeichnet zunächst mit Ölkreide eine beliebige Farbfolge auf Papier, besprüht sie mit weißem Lack und überdeckt sie schließlich mit grauer, mit Eisenspänen versetzter Acrylfarbe. Eine Prise Sand dazu verleiht dem Kunstwerk hinterher die entsprechende Haptik.
"Nachdem ich verschiedene Ritzungen vorgenommen habe, sprühe ich das Ganze mit einer Oxidationslösung ein", erklärte der Künstler. Dabei arbeitet er hier stark nach dem Zufallsprinzip, denn die unterschiedlichen Grundlagen kann man nur begrenzt steuern. Über Nacht getrocknet entsteht so eine Rostoberfläche, die ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen scheint. "Es ist beinahe ein archäologisches Vorgehen, ich trage verschiedene Strukturen auf und dann Schichten wieder ab - eine Art Farbarchäologie."
In umgekehrter Richtung arbeitet Cornelia Gumbert, die ebenfalls am vergangenen Wochenende in der Oberen Stadtgalerie des Kunstvereins anwesend war, um interessierten Besuchern ihre ausgestellten Kunstwerke zu erläutern. "Ich bin süchtig nach Einkaufszetteln, die ich an den verschiedensten Orten finde", gibt die Beamtin zu, die in der Kunst einen echten Ausgleich und Selbstverwirklichung gefunden hat. In ihren sogenannten "Zettelbildern" betreibt sie echtes Recycling, macht aus Alt Neu, gibt dem Stückchen Leben und Alltag, das einmal zu einem Menschen gehörte, neues Leben. "Einige der Einkaufszettel sind völlig durcheinander verfasst, andere ganz akribisch, manchmal steht auch nur eine Sache darauf", erzählte Cornelia Gumbert. "Manche Rentner schreiben ganz sorgfältig auf, was sie einkaufen werden, um ihr Geld zusammenzuhalten."
Ihre Beute, die sie überall auf Straßen, Gehwegen, in aller Herren Länder findet, sortiert sie zu Hause nach Farben und lässt sich von den Vorlagen inspirieren Auch auf Holzwürfel hat sie verschiedene Einkaufszettel oder Plakatausschnitte aufgebracht, weiterbearbeitet und am Ende mit einer Wachsschicht überzogen - einige dieser Würfel sind auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen.