Kann man sich vorstellen, dass der Marktplatz von Marktschorgast einmal so trist ausgesehen hat? Wohl kaum. Dabei hatte Bischof Otto I. von Bamberg dem Stift St. Jakob schon im Jahre 1109 eine Reihe von Gütern bestätigt. Unter diesen befand sich Scoregast cum ecclesia, decimatione, foro et omni utilitate - Schorgast mit der Pfarrkirche, dem Zehnt, dem Marktplatz mit allem Zubehör. Schorgast war 1109 kirchlicher Mittelpunkt und bereits Marktort. Kaum vorstellbar, wie damals der Marktplatz ausgeschaut haben muss, wenn ein Bild den Zustand des Forum vor 125 Jahren zeigt. Wurde doch in Marktschorgast bis zum 1.juli 1935 Pflasterzoll erhoben. In den Annalen ist festgehalten, dass dieser Zoll seit 1812 existierte. Die Einnahmen, die anfangs auf eigene Regie durch die Gemeinde und ab 1822 durch Verpachtung an den Meistbietenden kassiert wurden, dienten der Erhaltung und der Verbesserung des Straßenpflasters.

Als eine Schubkarre extra kostete

Ein Pflasterzollbrief aus dem Jahre 1826 enthält folgende Gebührensätze: "Von jedem Wagenpferd zwei Kreuzer, von jedem Pferd an einer Chaise, jedem Vorspannpferd und von jedem Reitpferd ein Kreuzer. Von einem Paar Ochsen an einem beladenen Wagen drei Kreuzer; von einem leer getriebenen Ochsen, einer Kuh, oder einem Stier ein halber Kreuzer, von einem Schubkarren ein halber Kreuzer".

In der Pflasterzollordnung war festgehalten, "daß auf Grund bestehenden Herkommens die Thiere und Fuhrwerke der Bewohner von Falls, Höflas, Wasserknoden, Rohrersreuth, Pulst, Ober-, Mittel- und Unterpöllitz sowie Ziegenburg von der Errichtung des Pflasterzolls in Marktschorgast solange befreit sind, als sie das zu Pflasterungen nöthige Material unentgeldlich beifahren".

Am 8. Januar 1900 beschlossen die Marktschorgaster Bürger in einer Gemeindeversammlung, den Pflasterzoll weiter zu erheben und den für Um- bzw. Neupflasterung des Marktes notwendigen Betrag von 7890 Mark und 88 Pfennig , soweit es nicht durch die Erträgnisse des Pflasterzolles gedeckt werden konnte, aus Mitteln der örtlichen "Lokal-Malzaufschlagskassa" zu verzinsen und abzutragen. Im Laufe der Jahre wurden die Pflasterzollgebühren des Öfteren geändert.

Als der Bezirk Kulmbach später die Instandhaltung der Ortsdurchfahrten übernahm, wurde laut einem von Bürgermeister Friedrich Feulner unterschriebenen Beschluss die Pflasterzollerhebung am 1. Juli 1935 aufgehoben. Heute hat die Marktgemeinde noch immer für die Pflasterarbeiten im unteren Marktbereich von der Einmündung der Gefreeser Straße bis zum katholischen Pfarrhaus aufzukommen.