Sehr gut besucht war der Vortrag von Gotthard Lohmaier mit dem Titel "Herzogenaurach - eine Kleinstadt im Nationalsozialismus" zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Darin reflektierte er die Vorgänge in Herzogenaurach von 1933 bis 1945.

Für Bürgermeister German Hacker (SPD) sind derartige Veranstaltungen in einer Zeit wichtig, in der Nationalismen wieder auferstehen, wie er in seiner Begrüßung ausführte. Lohmaier betonte zu Beginn seines Vortrags im ehemaligen Puma-Gebäude, dass die Namen von Akteuren genannt werden müssten, aber ohne Schuldzuweisung. Er sei sich selber nicht bewusst, ob er in der damaligen Situation widerstanden hätte. Für seinen Vortrag konnte er auf Bildmaterial aus dem Herzogenauracher Stadtarchiv zurückgreifen. Außerdem unterstützte ihn Helmut Biehler vom Kulturamt der Stadt beim Vortrag.

Herzogenaurach hatte 4067 Einwohner im Jahr 1933, damals noch ohne die später eingemeindeten Ortsteile. In der Schuhmacherstadt herrschte Ende der 1920er Jahre die höchste Arbeitslosigkeit im Deutschen Reich. In den letzten freien Wahlen dominierten noch die demokratischen Parteien, die Bayerische Volkspartei und die SPD. Das katholische Milieu und die zahlreichen Schuhmacher waren der Grund dafür.

Mehr Sitze für die NSDAP

Während sich in der Sitzung am 30. Januar 1933 der Herzogenauracher Stadtrat mit Bürgermeister Valentin Fröhlich unter anderem mit dem Brandschutz befasste, wurde am gleichen Tag Adolf Hitler in Berlin zum Reichskanzler ernannt. Diese zunächst legale Machtübertragung wurde in kurzer Zeit zur gewaltsamen Machtergreifung, so Lohmaier. In Herzogenaurach wurde als Erster der Kommunist Hans Gumbrecht verhaftet.

Nach dem Tag von Potsdam am 21. März 1933, Adolf Hitler verneigte sich im Frack vor Reichspräsident Paul von Hindenburg, gingen die NS-Machthaber rigoros an die Umsetzung ihrer Macht. So wurde die Zusammensetzung im Herzogenauracher Stadtrat an die Ergebnisse der Reichstagswahl angepasst, die NSDAP erhielt mehr Sitze. Vorerst blieb Valentin Fröhlich noch als Bürgermeister im Amt. Er vollzog am 1. Mai 1933 den Spatenstich zur Wasserleitung von Herzogenaurach beim Eichenbrünnlein. Beim Festabend hielt Franziskanerpater Franz Josef Fürst zu Löwenstein eine nationale Rede, die Fröhlich öffentlich kritisierte. Als Reaktion darauf wurde er am 4. Mai verhaftet, außerdem besetzten die Braunhemden Einrichtungen der Arbeiter wie das Volkshaus und den Konsum. Auch Hans Maier, der spätere SPD-Bürgermeister, wurde verhaftet.

Besonders Organisationen der Arbeiter wie die Freie Union wurden verboten. Andere Vereine wurden nach dem "Führerprinzip" umorganisiert, der Vorstand musste Mitglied der NSDAP oder einer Unterorganisation davon sein, dadurch durften sie weiterbestehen.

Genauso wie im Deutschen Reich nahm auch die Mitgliederzahl der NSDAP in Herzogenaurach zu, Schuhfabrikanten wie Adolf und Rudolf Dassler, Schreinermeister Valentin Zink, Braumeister Hans Heller und die Lehrerschaft sind darunter zu finden. Vor allem die Lehrer vermittelten die NS-Ideologie an ihre Schüler. Die Jugend begeisterte sich für die neuen Ideen und wurde mit einem eigenen Hitlerjugendheim am Goldberg-anger belohnt. Gefördert wurden sie unter anderem auch von Kuratus Friedrich Kaufmann vom Liebfrauenhaus.

Einen wirtschaftlichen Aufschwung für Herzogenaurach brachte die Anlage des Fliegerhorstes ab 1935. Es entstanden Arbeitsplätze, Wohnungen in der Bertholdsiedlung und in der jetzigen Hermann-Müller-Straße wurden errichtet, das Freibad konnte 1937 eröffnet werden. Viele Flieger heirateten Herzogenauracherinnen und blieben in der Aurachstadt. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Anlage des Hitler-Brunnens 1933, das Heimatfest zur Einweihung des Kiliansbrunnens 1934 und die Ernennung von Konrad Henlein, des Gauleiters des Sudetenlandes, zum Herzogenauracher Ehrenbürger 1938, sorgten für eine erhöhte Akzeptanz der Braunhemden.

Hetze gegen jüdische Händler

Schon frühzeitig agitierten die Nationalsozialisten gegen Juden. Zwar hatte Herzogenaurach keine jüdischen Mitbürger, aber in der Presse wurde gegen jüdischen Händler gehetzt und das Depot von Jean Mandel in der Hinteren Gasse 1938 zerstört, der die Herzogenauracher Schuhmacher mit Leder und anderen Materialien versorgte.

Mit Kriegsbeginn wurden viele Männer zur Wehrmacht eingezogen. Während die französischen Kriegsgefangenen häufig Familienanschluss hatten, wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen ab Oktober 1941 in den Baracken der HJ oder im Fliegerheim untergebracht und vor allem zum Arbeitsdienst auf dem Fliegerhorst oder zur Reparatur der Teichkette in der Nutzung eingesetzt. Einige Verstorbene sind auch auf dem Friedhof begraben.

Einen entschiedenen Gegner hatten die Nationalsozialisten im katholischen Stadtpfarrer Franz Rathgeber, der sich schon 1932 gegen rechte Hetze zur Wehr setzte. Mit einer Unterschriftensammlung engagierte er sich mit vielen Gläubigen gegen die Abberufung der Maria-Ward-Schwestern aus dem Schuldienst im Jahr 1937. Die Lehrerin Magdalena Metschnabl wehrte sich gegen die Abschaffung des Schulgebetes und die Abhängung der Kruzifixe in den Schulzimmern im Juli 1941.

Gegen Ende des Krieges verhinderte der Ortsgruppenleiter, dass Herzogenaurach zur offenen Stadt erklärt wurde. Dennoch trug die Aurachstadt mit dem Einmarsch der US-Armee am 16. April 1945 kaum Kriegsschäden davon. Als Ergebnis von zwölf Jahren NS-Herrschaft hatte Herzogenaurach aber zahlreiche gefallene und vermisste Soldaten zu beklagen, außerdem Opfer der Euthanasiemaßnahmen. Nach dem Kriegsende waren der Wiederaufbau und die Integration der Heimatvertriebenen zu bewältigen.

Die Stunde Null für Herzogenaurach ließ im Jahr 1945 erkennen, dass die Stadt noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen war, schloss Lohmaier.