reinhard löwisch

Seit Juni 1796 waren die Franzosen, von Frankfurt kommend, Richtung Franken unterwegs, das sie am 21. Juli auch erreichten. Ihr Ziel war Wien, weshalb sie über Betzenstein und durch die Oberpfalz marschierten. Am 14. August kam die Armee mit 70 000 Soldaten in der Nähe von Betzenstein an, die Krieger plünderten und raubten und zogen dann weiter.

Als die Kunde kam, dass die Franzosen im Anmarsch auf Betzenstein sind, packten alle Einwohner ihre wertvollsten Sachen zusammen und flohen nach Pegnitz. Es kam aber nur eine Vorhut, die von den Bürgern Lebensmittel haben wollte: 30 Wagen voll mit 800 Portionen Brot und 150 Sack Haber für die Pferde. Man glaubte schon, man sei glimpflich davongekommen.

Doch am 25. August kamen die Franzosen wieder - auf der Flucht vor den Österreichern, von denen sie in Amberg geschlagen wurden. Sie brachten neben vielen Verwundeten auch acht Amberger Geiseln mit, weil die Amberger die Kriegssteuer nicht zahlen konnten. Die Geiseln wurden übrigens Tage später in Bamberg von Österreicher Husaren befreit. Am 26. August zog die gesamte französische Armee durch Betzenstein. Bauer Johann Lipfert hat die Belagerung durch die Franzosen in einem Tagebuch festgehalten: "Beutelüstern fielen diese Horden über die Bürger her und raubten, was irgendwie zu holen war."

Fast alle Betzensteiner Bürger hatten ihre Häuser verlassen, was die Plünderungen begünstigte. Bier, das nicht mehr getrunken wurde, ließen die Franzosen im Pfarrhof aus den Fässern laufen. Dagegen kämpften einige Betzensteiner erbost mit Waffen an, "worauf die Franzosen die ganze Stadt in Schutt und Asche legten. Nur der Pfarrhof blieb verschont, weil hier der französische General logierte".

Bauer Lipfert musst als Ortskundiger die französische Armee begleiten und nach Pretzfeld bringen. In Kleingesee war er dabei, als die Franzosen den gesamten Ort niederbrennen ließen. Zuvor kam es zu einer kleinen Schlacht zwischen kaiserlich-österreichischen Husaren und 95 Reitern unter französischer Flagge. Ein Teil der französischen Armee war über Pottenstein und Gößweinstein auf dem Rückzug. Auch hier das gleiche zerstörerische Bild: In Wichsenstein plünderten sie das Pfarrhaus, in Moggast hielt der Trupp Rast, ehe er am nächsten Tag, nachdem auch hier die kirchlichen Paramente gestohlen waren, nach Pretzfeld weiterzog. Hier wurde Lipfert nach einer Leibesvisitation, bei dem er alle Kleider verlor, entlassen.

Schloss Hagenbach in Flammen

Auf dem Rückweg nach Betzenstein sah er noch, wie das Schloss Hagenbach in Flammen stand und wie kleine Franzosenhorden Egloffstein plünderten. Die Franzosen blieben nicht in Pretzfeld. Die eine Hälfte zog über Ebermannstadt nach Bamberg, die andere über Kirchehrenbach nach Forchheim.

Doch zuvor stand am 28. August die gesamte französische Armee mit rund 70 000 Mann an der Wiesent zwischen Ebermannstadt und Forchheim und erwartete den Angriff der Österreicher, die ihnen nachgeeilt waren. In Kirchehrenbach plünderten sie eine sieben Zentner schwere eiserne Truhe und fanden 1100 Gulden. Hätte der Pfarrer nicht tags zuvor das meiste Geld (15 000 Gulden - davon konnte man ein kleines Schloss bauen) entnommen und in kleinen Haufen vergraben, wäre der Schaden viel größer gewesen.

Den Betzensteinern, die vor den Franzosen nach Pegnitz geflohen sind, erging es nicht besser, obwohl damals Pegnitz dem Markgrafen von Bayreuth gehörte und damit preußisch war; und Preußen hatte Neutralität in diesem Konflikt versprochen. Von Plech kommend nahmen die Franzosen auch hier alles mit, was nicht niet- und nagelfest war, und forderten weitere Kriegssteuer, darunter 1000 Fuder Haber, alles Fleisch und weitere Lebensmittel - und zogen dann weiter.