Kronach, Oberfranken, Bayern, Deutschland, Europa, ja die ganze Welt wird von einer Pandemie heimgesucht, wie sie in der Form schon seit Jahrhunderten nicht mehr aufgetreten ist. Das Coronavirus hält die gesamte Weltbevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes "gefangen", meint Stadtvogt Hans Götz.

Wenngleich die Bewegungsfreiheit gegenüber einer konventionellen Gefangenschaft größer ist, wirkt sich die soziale Isolation doch in großem Maße einschränkend und beschränkend auf den Menschen aus. Trotzdem wird diese Erfahrung wohl kaum mit den Seuchenereignissen der Menschen früherer Jahrhunderte vergleichbar sein.

Die Konfrontation mit einer Pandemie in einer hochzivilisierten Gesellschaft, die in einer digitalen Welt bestens informiert und durch ein Gesundheitssystem (fast) optimal versorgt ist, wird sich schwer mit den Zuständen, wie sie im Mittelalter und der frühen Neuzeit in Europa vorherrschten, vergleichen lassen. Gleichwohl findet man in den Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung Analogien zur heutigen Zeit.

Ein Massensterben

Dennoch war die medizinische und medikamentöse Versorgung in einer Seuchensituation nicht nur weit entfernt von den heutigen Standards, sie bot auch wegen ihrer ideologisch-abergläubischen Grundlage Anlass, die Ursache des Leides bei sozialen und religiösen Randgruppen zu suchen.

Als zwischen 1346 und 1353 der "Schwarze Tod" nicht zum ersten Mal, aber diesmal mit kontinentaler Wucht nach Europa kam, raffte er zwölf Millionen Menschen dahin - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung. In Deutschland verlor jeder zehnte Einwohner sein Leben.

Da die damaligen Gelehrten keine Erklärung für dieses Massensterben liefern konnten, wurden die von der Gesellschaft geächteten Randgruppen und - personen vorrangig verantwortlich gemacht. Sogenannte Pestpogrome wurden initiiert, die, vor allem in den größeren Städten, wie Worms, Frankfurt, Nürnberg, Regensburg die Juden als die Schuldigen für die Katastrophe ausmachten. Aber nicht nur die Brandmarkung als Sündenböcke war oftmals der Anlass für Vertreibung und Ermordung ehemaliger Mitbürger, auch Habgier bildete ein nicht unwesentliches Motiv für diese unverzeihliche Handlungsweise, die sich noch des Öfteren im Lauf der Jahrhunderte wiederholen sollte.

Seuchenjahre

Georg Fehn erwähnt diese erste große Pestseuche in Europa, die sicherlich auch in Kronach zu spüren war, nur in einer chronologischen Aufzählung der Seuchenjahre im Bamberger Land: 1349, 1366, 1562, 1609, 1611, 1634/1635, 1637, 1646, 1648 und 1652. Die Auflistung zeigt, dass die Pestgefahr insbesondere im 17. Jahrhundert stets präsent war.

Wenngleich in der Aufzählung nicht genannt, so beschreibt Georg Fehn das Jahr 1626 als "furchtbares Pestjahr" für Kronach. 224 Personen fielen bis September der Seuche zum Opfer; 206 in der Vorstadt und lediglich 18 in der Oberen Stadt. Fehn mutmaßt, dass die wenigen Todesfälle in der Oberen Stadt auf die "gesündere Luft" und auf die soziologischen Bevölkerungsstruktur - Fehn nennt sie "bessere Gesellschaftskreise" - zurückzuführen ist, da offenbar von diesen in der Oberen Stadt eine "größere Reinlichkeit" gepflegt wurde. Bis zum Ende des Jahres 1626 waren es dann 418 Personen, die verstorben waren.

Auch die "Besseren" litten

Als 1634 die Pest wieder nach Kronach kam, blieben auch die besseren Gesellschaftskreise nicht verschont: Stadtvogt, Bürgermeister, Stadtschreiber und Ratsherren wurden diesmal vom schwarzen Tod ebenso dahingerafft wie der einfache Bürger. Nur ein einziges Haus soll in Kronach in den Pestjahren verschont geblieben sein: die Steinmühle (heute Raiffeisenbank).

Von Juli bis September 1634 verzeichnet Fehn 303 Pesttote in der Stadt, während die Landbevölkerung mit 15 Todesfällen relativ glimpflich davonkam. Allerdings bezieht Fehn in die Landbevölkerung nur die Dörfer Gundelsdorf, Neuses, Letzenhof und Höfles ein. Hanß Nikolaus Zitter, der Verfasser der "Chronik von 1616" berichtet von 1100 Menschen, die in Kronach den Seuchentod fanden. Damit wäre die Hälfte der Einwohnerschaft Kronachs zu Tode gekommen.

Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Stadt Kronach zwar von epidemischen Krankheiten in Mitleidenschaft gezogen, aber nicht mehr in dem Ausmaß der schlimmsten Pestjahre.

Cholera, Schleimfieber und Typhus zogen durch die Stadt, und auch Krankheiten unbestimmter Art, die Fehn als "graßierte hitzige Krankheiten" (1719/20) oder als "sehr gefährliche und mißerable Krankheit" (1750/51) zitierte.