von unserem Redaktionsmitglied 
Sabine Herteux

Herzogenaurach — Nur die Uhr über der Empfangstheke tickt noch auf argentinisch. Genau zwischen New York und London zeigt sie die Zeit von Buenos Aires an. Sie wurde vor acht Jahren extra angeschafft und erinnert an den Ausnahmezustand, als die argentinische Nationalmannschaft für vier Wochen das komplette Hotel Herzogspark für sich alleine hatte. Doch nicht nur im Hotel, auch bei Sandra Plan, der stellvertretenden Empfangsleiterin, hat der Besuch der Argentinier Spuren hinterlassen: "Das war eine ganz tolle Zeit und Erfahrung."
Die Federbetten wurden gegen Wolldecken ausgetauscht, aus Hamburg wurde besonderes Grillfleisch geliefert - Sandra Plan verbindet mit dem Besuch der Argentinier zahlreiche Erinnerungen: "Mir hat vor allem die Herzlichkeit und die ganze Mentalität der Spieler und des Betreuerstabs gefallen. Da gab es überhaupt keine Starallüren", hebt sie hervor.
Bevor die Mannschaft in Herzogenaurach anreiste, gab es für alle Hotelangestellte einen Spanisch-Crashkurs. "Wir konnten uns damit schon etwas verständigen", sagt Plan. Hin und wieder brachten auch die Argentinier ihr und ihren Kollegen ein paar neue Brocken bei. "Es war ein ganz lockerer, freundschaftlicher Umgang. Für uns waren sie mehr als nur Gäste. Das ist ja auch normal, wenn jemand so lange da ist", erklärt Plan.
Gut in Erinnerung hat sie auch noch das Ständchen, das die Fußballer im Hotelrestaurant ihrem Lionel Messi zu seinem 19. Geburtstag sangen. Oder den Familiennachmittag, an dem Frauen und Kinder ihre Männer im Hotel besuchten. "Man ist in dieser Zeit schon gerne auf die Arbeit gegangen", schmunzelt Plan.
Beginnend mit dem ersten Sieg der "Gauchos" über die Elfenbeinküste (2:1) und dem anschließenden 6:0-Triumph gegen Serbien und Montenegro war die Atmosphäre unter den Spielern hervorragend: "Sie waren alle gut drauf. Und überhaupt nicht arrogant." Doch mit der Niederlage gegen die deutsche Elf im Viertelfinale - 2:4 nach Elfmeterschießen - kippte die Stimmung. Noch in der Folgenacht reisten einige Argentinier ab. "Wir waren nach dem Spiel schon im Zwiespalt. Auf der einen Seite haben wir uns gefreut, dass Deutschland weiter ist. Auf der anderen Seite waren wir traurig, dass die Argentinier gehen."
Auch für Polizeihauptkommissar Roland Hack, damals zuständig für das örtliche Trainingsquartier, war der Besuch der Argentinier in Herzogen aurach eine "aufregende Zeit": "Als sie ausgeschieden sind, war das für mich schon ein zweischneidiges Schwert. Man hat sie ja vorher kennengelernt."
Ihm ist vor allem eine Begegnung mit Diego Maradona, der dreimal im Herzogspark vorbeischaute, in Erinnung geblieben: "Auf einmal fuhr ein schwarzer Van vor. Obwohl alle Journalisten gerade in einer Pressekonferenz saßen, stürmten sie aus dem Raum, um ihrem Idol zu huldigen."
Sandra Plan verfolgt die Spiele des argentinischen Teams seit ihrem Besuch in Herzogenaurach viel intensiver. Beim WM-Finale am Sonntag schlägt ihr Herz für beide Mannschaften: "Es ist schon schwierig. Die deutschen Jungs haben es auf jeden Fall verdient. Ich finde: Der Bessere soll gewinnen."