Das neue Jahr 2021 wird in diesem Jahr nicht mit Raketen und Böllern begrüßt. Auch in vielen Zeiten davor waren Freudenschüsse zu diesem Zeitpunkt nicht gerne gesehen, zu einem Verbot kam es jedoch nicht. Am Amtsblatt des Bezirksamts Höchstadt/Aisch aus dem Jahr 1925 wurde "Die Unsitte des Schießens und Abbrennens von Feuerwerk" als "Unfug" bezeichnet.

Bereits der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier (1887-1967) hat dieses Brauchtum an Neujahr in früherer Zeit erforscht. Zu seiner Zeit wurde in der Silvesternacht nicht mit gekauften Böllern geschossen, sondern mit den in vermutlich jedem Haus vorhandenen Schusswaffen, die durch die Einrichtung der Bürgerwehr nötig waren. Wenn es vom Kirchturm 12 Uhr schlug, blies der Türmer auf dem Türmersturm in sein Horn. Ihm folgten die Nachtwächter, bliesen in ihre Hörner und riefen die Stunde aus. Groß und Klein stand unter den Haustüren und wünschte den Nachbarn und allen Vorübergehenden Gottes Segen und Glück zum neuen Jahr.

Als Herzogenaurach noch zum Fürstbistum Bamberg gehörte, war es der Brauch, dass die städtischen Angestellten am Neujahrsmorgen ihren Glückwunsch in den Bürgerhäusern der Stadt aufsagten. Dazu zählten auch die Torwächter, der Türmer, der Hirte, der Flurer und der Stadtknecht. Für ihre Runde in der ganzen Stadt waren einige Tage erforderlich. Der Anfang wurde beim Amtmann im Schloss gemacht, gefolgt von Pfarrer, Rats- und Gemeindemitgliedern sowie dem Lehrer. Die Tour endete bei den Bürgern.

Zu Zeiten der Weimarer Republik war dies kaum anders. Andreas Fischer vermerkt in seiner Chronik für Neujahr 1927, dass die Silvesternacht im Zeichen der Fröhlichkeit und des Trubels verlief. Auch in der damaligen Zeit ließ es sich die Jugend nicht nehmen, das neue Jahr mit Freudenschüssen zu empfangen. Um 12 Uhr ertönte feierliches Glockengeläute von den Kirchtürmen und mahnte mit ernstem Schalle an die Vergänglichkeit allen irdischen Daseins, ließ aber auch wohl manchen frommen Wunsch für das kommende Jahr im Herzen wach werden.

Ein zweites Lied

Von luftiger Höhe des damals als "Museumsturm" bekannten Fehnturmes herab blies Andreas Fischer das althergebrachte Neujahrslied. Dabei wurde auch angeregt, neben diesem vom alten Eingang des Turmes herab das "Großer Gott, wir loben Dich" zu blasen. Fischers Eintragung endete mit dem frommen Wunsch: "Möge im neuen Jahre all das Gute in Erfüllung gehen, was nach altem Brauche am Neujahrstage einer dem andern wünscht, und uns allen ein glückseliges Neues Jahr beschieden sein."

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte diese Aufgabe die Kapelle Engert übernommen, die sich aus Mitgliedern der Kolpingsfamilie Herzogenaurach zusammensetzte. Die Kolpingsmitglieder, damals noch als Gesellenverein bekannt, hatten ihr Gesellschaftslokal beim "Glaß". Pünktlich zur Jahreswende stiegen die Bläser auf den Fehnturm und bliesen das einst hier gebräuchliche Neujahrslied.

Anschließend wurde dieses Lied gesungen:

"Als die acht Tage vorüber war'n

und das Jesukindlein beschnitten war,

beschnitten in Peinen und Schmerzen;

Jesu, du liebes Kindelein,

wolltest uns dieses Jahr barmherzig sein

und uns unserer Sünden nicht strafen.

Was wünschen wir unseren Herren und Bürgern?

Ein glückseliges, fröhliches

freudenreiches neues Jahr.

Und was wir ihnen wünschen,

das wünschen wir ihnen von Herzen.

Also wollen wir hier und dort,

immerfort und fort,

loben und preisen seinen Namen.

Gelobt sei Jesus Christus!

Amen."

Rund ein Dutzend Männer der Kolpingsfamilie trafen sich zuerst an der Sakristei der Stadtpfarrkirche. Nach dem Blasen vom Fehnturm sangen sie das Lied zuerst vor dem Pfarrhaus dem Pfarrherren. Dann auf den "Tremperli", zuerst am Zusammenstoß Hintere Gasse mit Erlanger Straße, dann am Marktplatz vor dem Rathaus, anschließend vor "Ziggler", Hauptstraße 71, und zum Schluss am "Plätzla", der Zusammenführung von Hinterer Gasse und Bamberger Straße.