Beim Thema Radfahren in der Fränkischen Schweiz und auf dem Jura denkt man zuerst an schöne Freizeitrouten für Touristen und Tagesausflügler. Doch es gibt auch Menschen, die ihr Zweirad fast täglich auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule und zum Einkaufen nutzen - oder nutzen wollen. Für sie kommt es nicht auf schöne, abwechslungsreiche Strecken an, sondern auf möglichst schnelle, direkte und sichere Verbindungen. Und das nicht nur bei Schönwetter, sondern ganzjährig, sogar bei winterlichen Bedingungen, wie sie derzeit vorherrschen.

Im Netz solcher Alltagsradwege gibt es jedoch noch große Lücken. Für das Alltagsradverkehrskonzept der Landkreises Bamberg, das im vergangenen Jahr ausgearbeitet wurde, haben Radfahrexperten des Büros Topplan zusammen mit Interessierten und den beteiligten Kommunen vor Ort solche Lücken aufgespürt und ein Netz von Wunschlinien erstellt. Diese stellen wir im Fränkischen Tag in einer Serie vor. Im heutigen fünften Teil geht es um den Bereich der Gemeinden Memmelsdorf, Litzendorf, Scheßlitz, Wattendorf, Stadelhofen, Königsfeld und Heiligenstadt.

1. Burgellern - Wattendorf Zur Erschließung des nordöstlichen Landkreises wäre ein Radweg entlang der Staatsstraße 2210 ein wichtiger Beitrag. Für den Teilbereich von Burgellern bis Stübig laufen bereits konkrete Planungen. 2021 soll hier auf der Ostseite 2021 ein straßenbegleitender Radweg gebaut werden. Vom Staatlichen Bauamt wird die Gesamtstrecke als wichtig aber - auf Grund der Topographie - baulich sehr schwierig eingestuft. Streckenlänge: 7,8 Kilometer; Ausbaupriorität: mittel.

2.Zapfendorf - Scheßlitz Die gemeindeübergreifende Nord-Ost-Verbindung im Landkreis wäre ein echter Lückenschluss. Die Konzeptersteller sehen zudem durch die vielen Arbeitsplätze in Scheßlitz ein hohes Potenzial für den Alltagsradverkehr entlang der Kreisstraße BA 1. Da auf der Strecke viel Schwerlastverkehr unterwegs ist, wird der Radwegebau als wünschenswert erachtet. Streckenlänge: 9,1 Kilometer, Ausbaupriorität: hoch.

3. Würgau - Hohenhäusling Problematisch ist an der B 22 besonders der Würgauer Berg mit der Steigung und den engen Kurven. Ohne separate Radverkehrsführung ist er für Radfahrer kaum sicher zu befahren. Schon die Planung wäre eine immense topographische Herausforderung. Alternativen gibt es auf dieser Route jedoch keine. Streckenlänge: 3,6 Kilometer; Ausbaupriorität: mittel.

4. Memmelsdorf - Drosendorf Die Umfahrung des Ortskerns Memmelsdorf an der Staatsstraße würde den Anschluss an bestehende Geh- und Radwege bringen. Denn Radfahren ist hier auf der St 2190 wegen des starken Verkehrsaufkommens verboten. Östlich der BA 5 scheint die Weiterführung des bestehenden Radweges sinnvoll ist, da nicht die stark befahrene Staatsstraße gequert werden muss. Westlich der BA 5 ist die Wunschlinie eine Ortsumfahrung. Der Radwegebau unter Nutzung bestehender Wege scheint sinnvoll, allerdings wäre eine Straßenquerung nötig. Streckenlänge: 1,8 Kilometer; Ausbaupriorität: mittel.

5.Leesten - Mistendorf - Zeegendorf - Teuchatz - Burggrub Die Route brächte eine Anbindung des östlichen Landkreises über die Staatsstraße 2188. Planungen des Staatlichen Bauamts für den Abschnitt Mistendorf - Zeegendorf laufen, aber ohne Radweg. Der müsste in Sonderbaulast der Gemeinde gebaut werden. Von Teuchatz bis Burggrub ist die Strecke schmal, kurvig und schlecht einsehbar. Trotz der anspruchsvollen Topographie ist der Radwegebau die einzige Lösung. Streckenlänge: 9,6 Kilometer; Ausbaupriorität: Mistendorf - Zeegendorf hoch, sonst mittel.

6. Schederndorf - Wölkendorf Ein Lückenschluss im Alltagsradnetz entlang eines kurzen Abschnitts der Staatsstraße 2190, der für eine lange Strecke eine gute Radverbindung herstellt. Im nördlichen Bereich ist eine Parkbucht, die wohl genutzt werden könnte. Damit fehlen nur noch etwa 200 Meter. Streckenlänge: 0,3 Kilometer; Ausbaupriorität: hoch.

7. Steinfeld - Treunitz Die Strecke an der B 22 wurde in das Konzept aufgenommen, da die Experten den vorhandenen Parallelweg "maximal als eine Freizeitverbindung" bewerten. Eine ganzjährige Befahrbarkeit herzustellen sei schwierig. Bei Tempobeschränkungen könne eine Fahrt im Mischverkehr auf der Bundesstraße in Erwägung gezogen werden. Im Kreis Bayreuth gilt bereits Tempo 60, für Bamberg wurde das bislang abgelehnt. Das Staatliche Bauamt schließt eine Realisierung auf Grund der geringen Verkehrszahlen aus. Streckenlänge: 5,3 Kilometer; Ausbaupriorität: keine.

8. Pödeldorf - Litzendorf Die geltende Anordnung "Gehweg - Radfahrer frei" ist nicht radfahrfreundlich, da diese Beschilderung bedeutet, dass konstant Schrittgeschwindigkeit

herrschen muss - unabhängig vom Fußgängeraufkommen. Zudem wird der Weg am westlichen Ortseingang Pödeldorf sehr schmal. Es sollte geprüft werden, ob der freigegebene Gehweg in einen nicht benutzungspflichtigen Radweg umgewandelt werden kann. Streckenlänge: 0,9 Kilometer; Ausbaupriorität: keine.

9. Heiligenstadt - Aufseß Das wäre ein landkreisübergreifender Anschluss an der BA 11 und St 2188. Für den westlichen Abschnitt wurde eine alternative Führung entwickelt. Im Anschluss ist Radwegebau nötig. Zwischen Neumühle und Reckendorf gibt es Pläne für Versuche mit Schutzstreifen. Weil die Strecke erst neu saniert wurde, will das Staatliche Bauamt vorerst nichts unternehmen. Das gilt besonders für den Abschnitt von Neumühle nach Osten. Daher wurde die Alternative über Reckendorf entwickelt. Streckenlänge: 5,7 Kilometer; Ausbaupriorität: keine.

10. Drosendorf - Kremmeldorf Die Verbindung an der Kreisstraße erschließt keine größeren Ziele. Der Landkreis will, wenn eine Sanierung der BA 16 ansteht, mit Geh- und Radweg planen, wobei es eine Grunderwerbsfrage ist, ob das realisiert werden kann. Streckenlänge: 3,0 Kilometer; Ausbaupriorität: niedrig.

11. Scheßlitz - Würgau Der Wirtschaftsweg südlich der B 22 ist sanierungsbedürftig, eine ganzjährige Befahrbarkeit kaum möglich. Vorzugsweise soll der Weg asphaltiert werden. Streckenlänge: 2,1 Kilometer; Ausbaupriorität: keine.

12. Scheßlitz - Zeckendorf Für die Direktverbindung an der Staatsstraße müsste der Radwegebau in Sonderbaulast der Kommune erfolgen, da das Staatliche Bauamt keinen Bedarf sieht. Für den Flurbereinigungsweg über Demmelsdorf wäre eine durchgehende Asphaltierung wünschenswert Streckenlänge: 2,1 Kilometer; Ausbaupriorität: keine.

13. Kleukheim - Schweisdorf - Scheßlitz Die landkreisübergreifende Verbindung über die Staatsstraße 2187 ist gegenwärtig eine schlecht einsehbare Straße. Der Zustand der Fahrbahn ist okay, die Verkehrsbelastung nur mäßig. Der Bau eines straßenbegleitenden Radwegs ist dennoch wünschenswert. Für das Staatliche Bauamt hat er allerdings keine Priorität. Somit bleibt als Alternative eigentlich nur der Mischverkehr bei eingeschränkter Verkehrssicherheit. Streckenlänge: 5,4 Kilometer; Ausbaupriorität: niedrig.

14. Scheßlitz - Kremmeldorf Die Verbindung ist mit Blick auf die bestehenden Arbeitsplätze interessant. Aktuell ist die eher schmale Straße schlecht einsehbar. Es soll geprüft werden, ob Mischverkehr mit Temporeduktion und Hinweisen auf Radverkehr eine realistische Option wäre. Das Staatliche Bauamt schließt eine Realisierung aufgrund des Verkehrsaufkommens aus. Ein Radwegebau müsste in Sonderbaulast der Gemeinden erfolgen. Streckenlänge: 3,6 Kilometer; Ausbaupriorität: niedrig.

15.Kleinziegenfeld - Freienfels - Hollfeld Gewünscht wird eine landkreisübergreifende Radweg-Verbindung entlang der St 2191. Für die Radverkehrsplaner wäre dabei der Abschnitt Stadelhofen - Freienfels mit Anschluss nach Hollfeld wichtiger als die Verbindung nach Kleinziegenfeld. Für den Landkreis Bayreuth und das Staatliche Bauamt hat die Strecke jedoch keine Priorität. Streckenlänge: 9,6 Kilometer; Ausbaupriorität: mittel.

16. Königsfeld - Hollfeld Wünschenswert wäre ein Radweg schon, obwohl die Verkehrsbelastung laut Konzept "grenzwertig gering ist". Aber der Mischverkehr ist durch die Topographie schwierig. Streckenlänge: 5,9 Kilometer; Ausbaupriorität: niedrig.