Wer etwas mit den eigenen Händen erschaffen hat, ist - zu Recht - verärgert, wenn er feststellen muss, dass dieser Arbeit Schaden zugefügt wurde. Und er oder sie hat das Recht, das zu kritisieren. Aber eine Grenze sollte dabei nicht überschritten werden: Persönliche Angriffe und Beleidigungen haben in einem solchen Diskurs nichts zu suchen. Denn sonst muss sich der Kritisierende nicht ernsthaft darüber wundern, wenn er keine Antwort bekommt.

Nun ist der Wald für die Seele kein geheimes Projekt im persönlichen Umfeld, sondern ein auf städtischem Areal angelegter Raum, den jeder Mensch besuchen kann. Es geht also nicht mehr ausschließlich um persönliche Belange einzelner. Da sind nicht nur Beleidigungen fehl am Platz, sondern das gilt genauso für den Rückzug in die Nichtöffentlichkeit. Nicht nur die "Betreiber" des Waldes für die Seele wollen wissen, wie es mit dem Projekt weitergeht, sondern auch die potenziellen Besucher.

Gefragt ist eine deutliche Position der Stadt gegenüber dem Projekt auch nach außen. Die Frage, warum eine vor nicht allzu langer Zeit geschlossene Nutzungsvereinbarung schon wieder aufgekündigt wurde (auch zum Ende der regulären Laufzeit), muss erlaubt sein. Sie unbeantwortet zu lassen, lässt Raum für Spekulationen. Wer keine Antworten erhält, stellt Mutmaßungen an, die womöglich komplett an der Realität vorbeigehen und einen Kompromiss in weite Ferne rücken lassen.

Eine klare Haltung, die da lautet: "Wir wollen das Projekt." oder "Wir wollen das Projekt nicht." - mit einer ehrlichen Begründung - sorgt vielleicht kurzfristig für neuen Ärger, hilft aber langfristig, Perspektiven zu schaffen. Dass die Künstler wissen möchten, ob es sich für sie lohnt, an dem Projekt weiterzuarbeiten ist nachvollziehbar.

Somit ist es zwar ein erster guter Schritt, dass alle Beteiligten in Sachen Wald für die Seele betonen, an einem guten Dialog und an einer vernünftigen Lösung für den Streit interessiert zu sein. Allerdings bleibt zu hoffen, dass es sich auf beiden Seiten nicht nur um reine Lippenbekenntnisse handelt, und nun, wenn auch hinter verschlossenen Türen, die Akte Wald für die Seele endlich beiseite gelegt werden kann.

a.luedeke@infranken.de