Heutzutage starten die meisten Frauen im Alter von 20 Jahren in dem Bewusstsein "Ich kann alles schaffen, wenn ich es nur richtig will und mich anstrenge" in ihr Leben, schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung zu einer neuen Ausstellung in Bad Kissingen. Weitere 20 Jahre später wüssten sie es dann oft besser: Vieles lasse sich mit Leidenschaft und Fleiß erreichen, aber eben nicht alles. Männer mit gleichem Engagement kämen oft weiter.

Gemeinhin gelte die Gleichberechtigung von Mann und Frau als gelungen. Aber ist das tatsächlich so? Und, wie bringen Frauen alles unter einen Hut: Ausbildung, Beruf, Liebe, Geld, Familie, Sicherheit, persönliche Bedürfnisse? Natürlich betreffen diese Fragen auch Männer, doch spätestens wenn Nachwuchs ansteht, würden sich auch heute noch vorwiegend Frauen um ein Vielfaches mehr um die Kindererziehung kümmern. Zudem übernehmen sie häufig die Pflege eines Angehörigen, erledigen die Hausarbeit, und nicht wenige Frauen stecken dafür im Beruf zurück, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Wie sie die Mehrfachbelastung meistern, beleuchtet die Ausstellung "Alles unter einem Hut". Diese ist ab 7. Februar in den Schaufenstern des ehemaligen Geschäfts "Nr. 5", Prinzregentenstraße 5B, Bad Kissingen, zu sehen. Organisiert hat die Ausstellung Antje Rink, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bad Kissingen anlässlich des anstehenden Equal-Pay Days am 7. März und des internationalen Frauentages am 8. März.

"Acht Ausstellungsbanner beleuchten die Existenzfragen von Frauen zwischen Mutterschaft und Minijob, Care-Aufgaben und Karriere entlang von Lebensläufen", verspricht die Gleichstellungsbeauftragte. "Die Wanderausstellung zeigt den Spagat zwischen den äußeren Anforderungen an Frauen und ihren eigenen Ansprüchen an sich selbst. Und was mich besonders freut ist, dass sich regionale Kunstschaffende dazu bereit erklärt haben, das Thema mit eigenen Exponaten zu bestücken."

Emotionaler Zugang

Drei Künstlerinnen und zwei Künstler haben auf die Anfrage der Gleichstellungsstelle reagiert und passende Exponate zur Verfügung gestellt. "Die Kunststücke kommunizieren mit den Aussagen der Banner. Sie bieten den Betrachtern vor dem Schaufenster einen emotionalen Zugang zu den Texten der Banner. Sie machen ein Angebot zur Interpretation und zur Auseinandersetzung mit der Mehrfachbelastung von Frauen", fasst Antje Rink, zusammen.

"Die Wanderausstellung thematisiert Lebenslagen und Lebensfragen von Frauen, die viel für unsere Gesellschaft leisten. Die Banner zeigen ja nicht nur Fragen von Chancengleichheit auf, sie machen auch deutlich wie viel Frauen jeden Tag beitragen, wie viel Organisationsarbeit sie übernehmen, wie stark sie sich um andere kümmern", lobt Landrat Thomas Bold. Es sei "ein riesengroßes Stück Menschlichkeit, das durch sie in unser Leben hineingetragen wird. Deshalb danke ich allen, die zur Realisierung dieser Wanderausstellung beigetragen haben", so Bold. Er freut sich über den Einsatz der Künstlerinnen und Künstler und das Engagement von Klaus Bollwein, Vorsitzender des Vereins "Pro Bad Kissingen", der sich um den geeigneten Leerstand gekümmert hat und Günter Merkl, der seine Ladenräume gegenüber vom staatlichen Kurhausbad zur Verfügung gestellt hat.

Digitaler Vortrag

Passend zur Ausstellung gibt es den digitalen Vortrag: "Karriereplanung und Altersarmut - Wo gibt es Verdienstunterschiede zwischen Mann und Frau und warum? Und wie lassen sich die Auswirkungen auf die finanzielle Absicherung beeinflussen?" Der Vortrag ist ein gemeinsames Angebot von den Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt. Er wird digital angeboten am Montag, 7. März, 18 Uhr. Anmeldungen per E-Mail an gleichstellung@kg.de. red