Nutzen ist besser als besitzen - mit diesem aktuellen Trend befasst sich der vierte Bamberger Hochschultag für ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit am 8. Juni. Der offizielle Titel lautet: "Kaufst du noch oder teilst du schon? Rettet die Sharing Economy unsere (Um-)Welt?". Diesem Thema spüren verschiedene kostenfreie Vorträge und Diskussionsrunden im Hörsaal F21/01.37, Feldkirchenstraße 21 zwischen 12 und 18 Uhr nach - das komplette Programm gibt es online unter uni-bamberg.de/ht-oekosozial. Ob die "Sharing Economy" aus seiner Sicht eher nachhaltigkeitsfördernd als konsumtreibend wirkt, darüber spricht Professor Dr. Reinhard Loske von der Universität Witten/Herdecke im ersten Vortrag um 12.30 Uhr - und hier im Kurzinterview.

Teilen gilt als christliches Prinzip. Inwiefern unterscheidet sich davon die "Sharing Economy"?
Reinhard Loske: Bisher hat Teilen überwiegend in sozialen Gemeinschaften stattgefunden, zwischen Menschen, die sich kennen. Die Münze, mit der hier gezahlt wird, ist im Wesentlichen das Vertrauen beziehungsweise der Vertrauensvorschuss. Die Kontrolle darüber, ob die gemeinsam genutzten Dinge pfleglich behandelt werden, erfolgt über soziale Rückbindung.
Halbkommerzielle oder genossenschaftliche Formen des Teilens gab es aber in der Vergangenheit auch schon, etwa die Maschinenringe in der Landwirtschaft oder die Energie- und Bodengenossenschaften. Die "Sharing Economy" unserer Tage ist vor allem durch zwei Faktoren befördert worden: Unser Verhältnis zum Eigentum hat sich verändert. Viele Dinge wollen wir zwar nutzen, aber nicht mehr unbedingt besitzen. Das Internet macht es möglich, dass Angebot und Nachfrage in der Sharing Economy in Sekundenschnelle zusammengebracht werden. Dafür muss man sich nicht kennen. Die Währung, mit der hier gezahlt wird, ist vor allem das Geld, nicht mehr vorrangig das Vertrauen. Wer die geteilten Dinge aber schlecht behandelt und sich asozial verhält, kann durch schlechte Bewertungen im Netz aber auch faktisch ausgeschlossen werden.
Ist "Sharing" langfristig eine Möglichkeit, im Wohlstand zu leben und zugleich die Ressourcen unseres Planeten zu schonen?
Theoretisch haben Car Sharing, Ride Sharing, Apartement Sharing, Urban Gardening, Food Sharing oder Kleidertausch natürlich ein hohes Potenzial, zur Ressourcenschonung beizutragen. Ganz einfach: Wenn Dinge gemeinschaftlich genutzt werden, muss weniger produziert und weggeworfen werden. Es gibt momentan aber auch eine ungute Tendenz, das sozial motivierte Teilen zu einem bloßen Geschäft zu machen. Uber und Airbnb sind da nur die Spitze des Eisberges. Wenn wir die Sharing Economy nicht nach sozial-ökologischen Maßstäben gestalten, könnte sie zur Dumpinghölle und zum Konsumstimulator werden. Das wäre dann eine zweite Welle der "Geiz ist geil"-Kultur, die sich um Gesellschaft und Umwelt nicht schert. Alles überall zu jeder Zeit haben zu wollen, ist kein gutes Leitbild für eine nachhaltige Gesellschaft.

Welche Dinge teilen Sie sich mit anderen?
Ich bin beim Sharing eher "old school" und teile Fahrrad, Auto, Wohnung, Garten und Kleider eher mit Familie und Freunden. Für mich ist am wichtigsten, dass die Dinge gut behandelt werden, lange halten und dass ich sie - wo immer möglich - selbst reparieren kann.

Die Fragen stellte
Michael Memmel


"Machen wir es kurz" heißt unser neues Kurzinterview, in dem wir aktuelle Themen aufgreifen.