Leserbrief zum Artikel im FT vom 16. Juni unter der Überschrift "Elternbeirat fordert Konzept" :

Wie es der Elternbeirat der Grundschule Ebelsbach gefordert hat, gibt es nun ein Konzept: Auch im kommenden Schuljahr 2015/16 sollen die Klassen eins und zwei sowie die jahrgangsgemischte Klasse eins/ zwei in Stettfeld unterrichtet werden.
Mir als Elternteil eines Ebelsbacher Schulanfängers ist es umso unverständlicher, da viele Gründe für den gemeinsamen Unterricht aller Schüler des Schulsprengels Ebelsbach/ Stettfeld im Ebelsbacher Schulhaus sprechen: Zum einen haben die Ebelsbacher Erst- und Zweitklässler, die zirka 80 Prozent dieser Jahrgangsstufen ausmachen - etwa 20 Prozent sind aus Stettfeld -, einen kurzen, äußerst nahen Schulweg aufgrund der zentralen Lage im Dorf. Sie müssten nicht so früh mit dem Bus nach Stettfeld gefahren werden, sondern könnten etwas später zu Fuß in ihre Schule laufen. Warum muss der Großteil fahren?
Des Weiteren ist die baye rische Grundschule als erste gemeinsame Schule für alle Sechs- bis Zehnjährigen angelegt, unter anderem um auch soziale Kompetenzen der Kinder weiterzuentwickeln, wie es der Lehrplan fordert. Die Zusammenlegung beider Schulhäuser war auch eines der Ergebnisse der beiden Evaluationen, also Überprüfungen und Bewertungen, der sich - wie jede bayerische Schule - auch die Ebelsbacher Grundschule unterziehen musste. Warum wird die Zusammenlegung um ein weiteres Schuljahr hinausgezögert?
Ein dritter Grund sind die enormen Kosten, die sich aus zusätzlichen Fahrten und den Unterhaltskosten zweier Schulhäuser zusammensetzen und vom Steuerzahler mitfinanziert werden (im mittleren fünfstelligen Bereich). Das Stettfelder Schulhaus, das seit mehr als 50 Jahren im Schulbetrieb ist, wurde nie umfassend saniert. Jeder Hauseigentümer (und auch jeder vernünftig denkende Bürger) weiß, was das heißt (obwohl auch das bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen im Artikel vier fordert, einen einwandfreien Schulbetrieb hinsichtlich baulicher Beschaffenheit zu gewährleisten). Warum werden Steuergelder zum Fenster hinaus geheizt?
Neben der zentralen Lage der Schule sowie den finanziellen, pädagogischen und baulichen Aspekten ist für mich Folgendes von Bedeutung: In der Ebelsbacher Verbandsschule ist ausreichend Platz vorhanden. Lange Zeit wurden in der 2001 fertiggestellten, für 12,6 Millionen Mark generalsanierten Verbandsschule Klassen der Mittelschule Ebelsbach unterrichtet. Als im letzten Jahr Räumlichkeiten in dieser Schule frei wurden, zogen die Klassen drei und vier von Schloss Gleisenau in dieses Schulhaus. Mittlerweile ist es so, dass ausreichend Räume zur Verfügung stehen, die alle Schüler des Schulsprengels Ebelsbach/Stettfeld aufnehmen können. Warum nutzt man das nicht umgehend?
Die Vorteile einer gemeinsamen Schule für alle Kinder im Grundschulalter aus Ebelsbach und Stettfeld liegen auf der Hand: Es gibt ausreichend Platz in der Verbandsschule, sie ist generalsaniert, gewährleistet für drei Viertel der Schüler gute Erreichbarkeit und die Schulkindbetreuung nach dem Unterricht, auf die immer mehr Eltern angewiesen sind, ist im Schulhaus integriert. Warum sollen nun alle Erst- und Zweitklässler für ein weiteres Schuljahr nach Stettfeld, warum?
Johannes Wadas
Ebelsbach