Stephan Herbert Fuchs Die Anklage hörte sich gefährlich an: Diebstahl, Körperverletzung und Drogenbesitz. All das wurde einem 38 Jahre alten Handwerker aus Kulmbach vorgeworfen. Am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht blieb davon aber kaum mehr etwas übrig. Lediglich ein halbes Gramm Crystal. Dafür wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro (3200 Euro) verurteilt.

Vom Vorwurf des Diebstahls wurde er freigesprochen, das Verfahren wegen Körperverletzung wurde eingestellt.

Hintergründe der ganzen Sache waren ein Beziehungsstreit und eine Drogenkarriere. Beides scheint aber vorbei, denn mittlerweile hat sich das Pärchen verlobt, und dem Rauschgift hat der Angeklagte längst abgeschworen. Anfang des Jahres sah dies noch ganz anders aus.

Dose im Schrank gefunden

Damals hatte die 39 Jahre alte Freundin Anzeige gegen den Angeklagten erstattete, weil er angeblich eine Tupper-Dose mit fast 400 Euro Inhalt aus der gemeinsamen Wohnung gestohlen haben soll. Das angesparte Geld gehörte einer Arbeitskollegin, die es der Frau zur Aufbewahrung überlassen hatte. "Die Dose ist wieder da", jubelte der Angeklagte in der Verhandlung. Erst vor kurzem sei sie wieder aufgetaucht und zwar in den Tiefen eines Schlafzimmerschranks. Sogar das Geld sei noch drin gewesen. Klar habe man zuvor die gesamte Wohnung auf den Kopf gestellt. Wie dieses Missgeschick passieren konnte, dafür hatte der Mann keine Erklärung.

Der Diebstahl war damit vom Tisch, auch wenn, wie es der Staatsanwalt ausdrückte, "zwischen den Zeilen schon etwas bleibt". Einen Tatnachweis könne man jedenfalls nicht führen und so wurde der Mann wegen des Diebstahls freigesprochen.

Ganz ähnlich musste das Gericht mit dem Vorwurf der Körperverletzung verfahren. Die Freundin und jetzige Verlobte sagte aus, dass es eine ganz harmlose Schubserei war. Sie sei zwar mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen, doch habe sie dabei weder Schmerzen noch eine Verletzung erlitten.

Kein Interesse an Strafverfolgung

Freilich sei der Angeklagte früher öfter mal handgreiflich geworden, was an seinem Drogenkonsum gelegen habe, doch jetzt lege sie die Hand für ihn ins Feuer, dass da nichts mehr passiert. Tatsächlich hatte die Frau bereits bei der Polizei deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an einer Strafverfolgung habe, so dass der Tatvorwurf kurzerhand eingestellt wurde.

Blieb noch die Drogengeschichte. Das halbe Gramm Crystal habe sich bei der Durchsuchung der Wohnung ausgerechnet im Kinderzimmer befunden, berichtete ein Polizeibeamter. Vor Gericht benannte der Angeklagte sogar seinen Lieferanten. Auch wieder nur zwischen den Zeilen war zu entnehmen, dass das halbe Gramm wohl nur die Spitze des Eisbergs war, doch das war nicht Gegenstand der Verhandlung.

Bewährungsstrafe beantragt

So forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft am Ende drei Monate auf Bewährung wegen Drogenbesitzes.

Die Forderung fiel deshalb relativ hoch aus, weil der Mann kein unbeschriebenes Blatt war und bereits vier Vorstrafen auf seinem Konto hatte.

Richterin Sieglinde Tettmann beließ es aber doch bei einer Geldstrafe von 3200 Euro, das es sich um eine relativ geringe Menge zum Eigenverbrauch gehandelt habe, der Angeklagte habe damals unter Suchtdruck gehandelt und sei mittlerweile fest entschlossen, sein Leben in die Hand zu nehmen.