In zweifacher Hinsicht trotzten die Höchstadter Katholiken den Widrigkeiten des diesjährigen, so ganz anderen Fronleichnamsfeiertags. Wegen der Corona-Krise musste der Festausschussvorsitzende des Pfarrgemeinderats, Georg Franz, viele Auflagen eins zu eins umsetzen. Und dann war da noch das Wetter: Punkt 7.30 Uhr hörte der Regen auf, und der Höchstadter Schlosshof war nicht umsonst geschmückt und mit vielen Sitzplätzen versehen worden.

Georg Franz konnte sich auch heuer wieder für den Auf- und Abbau auf seine Mitstreiter aus dem Pfarrgemeinderat, aus der Kirchenverwaltung, der Grottenbaugruppe, dem Automobilclub Team Riegler und dem Skiclub sowie auf den städtischen Bauhof verlassen. Der Hausmeister des Landratsamts, Roland Heimann, und Mesner Gerhard Wirkner dekorierten den Schlosshof dem Festgottesdienst entsprechend mit passenden Fahnen und Transparenten. Doch wer nach Figuren, Baldachin, Fahnen, Stadtkapelle und Spielmannszug Ausschau hielt, suchte vergeblich.

Stadtpfarrer Kilian Kemmer erklärte in seiner Ansprache, warum er an diesem Fronleichnamsfest keine Kommunion verteile. Darin liege der Gründungsakt des Fronleichnamsfestes, so Kemmer. Denn unabhängig von der Häufigkeit des Kommunionempfanges mit der Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie rechnen zu dürfen, war der Ursprung der alljährlichen "Fronleichnamsdemo". Über acht Wochen gab es keine öffentlichen Gottesdienste, so Kemmer weiter. "Trotzdem konnten die Menschen in den Kirchen beten und sicher sein, dass im Tabernakel Christus in der Brotsgestalt einfach da ist und da bleibt."

Nach dem Gottesdienst zog in diesem Jahr nur eine kleine Gruppe als Prozession durch die Stadt über den großen Prozessionsweg. Auf dem Prozessionsweg standen die Anwohner oder schauten aus ihren Fenstern heraus. Sie ließen es sich auch heuer nicht nehmen, ihre Häuser zu schmücken. Auch der städtische Bauhof beflaggte die Straßen entlang des Prozessionsweges. Öffentliche Gebäude und Banken und Geschäfte taten dasselbe. Irgendwie spürten alle Beteiligten: Es geht nicht um Folklore einer christlichen Kulturtradition, sondern um Glaubensüberzeugung.

Die beiden Pfarrgemeinderätinnen Eva Decker-Döring und Jutta Paulini gestalteten während der Prozession im Schlosshof ein Gebets- und Meditationsprogramm, das Henning Schwarz an der Orgel umrahmte. Auf dem Prozessionsweg sprach Wolfgang Köberlein Gebete und Texte aus der Bibel. An den vier Stationen, wo sonst die Stationsaltäre aufgebaut werden, hielt die kleine Prozession kurz an, um in alle Himmelsrichtungen den Segen mit der Monstranz erteilen zu lassen.

Erzieherin Maria Marx zog mit den Kindern und deren Eltern vom Schlosshof zur Pfarrkirche, wo sie mit Mesnerin Andrea Vogel den Sinn einer Prozession mit einer Monstranz erklärte. Am Ende konnten sich alle zur letzten Station mit ausreichenden Abstandsmöglichkeiten auf dem Marktplatz zusammenfinden. Vor dem Rathaus sprach Stadtpfarrer Kemmer ein Segensgebet um den Schutz vor der Pandemie für die gesamte Stadt.

Dank der Technik, um die sich die Jugendlichen Benedikt Döring und Markus Hartenfels im Schlosshof und die Pfarrgemeinderäte Giovanni Caruso und Jürgen Turnwald auf dem Prozessionsweg kümmerten, konnte überall das Geschehen mitverfolgt werden. Am Ende drückte Kemmer seine Dankbarkeit aus, dass trotz Corona-Krise die Prozession nicht abgesagt und dass dies vom Wetter belohnt wurde. "Mir waren die bewegten, feuchten Augen hinter den vielen Masken wesentlich lieber als Regentropfen von oben." LM