von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann
und Matthias Beetz

Weiher — Fassungslos steht Diane Bayburt gestern Vormittag mit ihren beiden Kindern vor den Trümmern. Ihre Söhne Enis Maximilian (2) und Can-Luca (4) gehen in den Paul-Gerhardt-Kindergarten. "Es ist einfach schrecklich. Ich bin den Tränen nahe", sagt die junge Mutter, die mit ihrer Familie im nahegelegenen Ernteweg wohnt.
Diane Bayburt ist mitgenommen und weiß, dass ihr Großer nicht nur den Kindergarten, sondern auch einen guten Freund verloren hat. "Can-Luca hat in der Nacht zum Freitag sein liebstes Kuscheltier im Gruppenraum übernachten lassen. Er ist total traurig, dass er es nicht mehr sehen kann", so die Kulmbacherin.
Fassungslos ist nicht nur Diane Bayburt. Den Erzieherinnen stehen Tränen in den Augen. "Ich bin sprachlos. Ich kann gar nichts sagen", erklärt eine langjährige Mitarbeiterin.
Für alle wird es nun wichtig sein, richtig mit dem Erlebten umzugehen, wie Diplompsychologe Johann Rößler betont. "Für Kinder ist das natürlich ein gewaltiger Schock. Etwas, was ihnen vertraut war, ist plötzlich weg. Das ist ganz schwer zu verdauen."
Rößler empfiehlt den Eltern, sich mit anderen über das Thema auszutauschen. Und dann sollten sie sich Zeit für ihre Kinder nehmen. "Das Kind muss sich und seine Gefühle ausdrücken können. Die Eltern sollten Stütze sein und Nähe geben."
Im zweiten Schritt gehe es darum, Zuversicht zu vermitteln. Und: Eltern sollten darauf achten, dass der Brand nicht das einzige zentrale Thema ist, sondern Rituale und Alltagsabläufe eingehalten werden. Ebenfalls wichtig: keine Spekulationen im Beisein der Kinder, so der Rat des Psychologen.
Noch in der Brandnacht trifft das Führungsteam der "Die Kita", die den Kindergarten führt, die erste Entscheidung. Gastwirt Heinz Ohnemüller hat für die Beratungen seinen Wirtsraum zur Verfügung gestellt. "Die Kinder, die heute nicht von ihren Eltern betreut werden können, wurden im Gemeindehaus Kreuzkirche untergebracht", sagt der geschäftsführende Vorstand Karl-Heinz Kuch, der von einer "schrecklichen Katastrophe" spricht: "Der Kindergarten steht vor dem Nichts." Wie es weitergeht? "Wir beginnen bereits heute damit, Räume zu besichtigen, die ab September für die Kinder zur Verfügung stehen." Die Betreuung der Kinder in der kommenden Woche ist gesichert. "Bis zum 7. August bleiben wir im Gemeindehaus Kreuzkirche. Danach sind bis zum 1. September Betriebsferien", so Kindergartenleiterin Monika Hoffmann.

Ausweichräume gesucht

Am Mittag berät ein Krisenstab darüber, was ab September passiert. "Die Betreuung der Kinder sicherzustellen, daran arbeiten alle beteiligten Stellen mit Hochdruck", teilt Rainer Blüchel vom Kreisjugendamt mit. Wer Räumlichkeiten zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, sich ab Montag an den Diakonie-Verbund in der Klostergasse 8 (Telefon: 09221/92920) zu wenden.
Dass es zunächst um eine Lösung ab September geht, betont auch Pfarrer Jürgen Rix von der evangelischen Kirchengemeinde Mangersreuth, die Eigentümer des Gebäudes und Träger der Einrichtung ist. Rix wirft aber auch schon einen Blick in die Zukunft. Der erforderliche Neubau soll, wie er ausführt, in der Friedrich-Schönauer-Straße erfolgen. "Auch viele Eltern, mit denen ich gesprochen habe, wollen, dass wir am Standort festhalten", teilt der Pfarrer mit.
Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) ist froh, dass es nach den tragischen Todesfällen im Freibad diesmal keine Verletzten gab. Er macht mit Blick auf einen Neubau deutlich, dass die Kirchengemeinde zusammen mit der Stadt, die die Pflichtaufgabe der Kinderbetreuung hat, nach einer Lösung suchen werde. "Auch mein Bestreben wird es sein, den Kindergarten an seinem angestammten Platz zu lassen", sagt er. Auf dem Areal in Weiher finde seit Jahrzehnten Sozialarbeit statt. "Das ist dort alles über Jahrzehnte gewachsen und sollte dort auch bleiben."